Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 89†? Braunschweig, Braunschweigisches Landesmuseum 1587

Beschreibung

Fragment eines Steins unbekannter Funktion. Kalkstein1). 1890 in der Kirche St. Ludgeri gefunden2), seit Sommer 1910 im Braunschweigischen Landesmuseum. Bruchstück eines ursprünglich rechteckigen Steins.

Inschrift nach Inventarkartei VM 5628.

Maße: H.: 65 cm.

Schriftart(en): Kapitalis3).

  1. R(EVERENDO) D(OMINO) HENRICO / DUDEN ABBATIa) / D(OMINUS) IODOCVS TIL/CHENIUS BORI/KENSIS POSUIT / [A]NNO 1587

Übersetzung:

Dem ehrwürdigen Herrn Heinrich Duden, Abt, hat Herr Jodocus Tilken aus Borken (dies) im Jahre 1587 errichtet.

Kommentar

Der Anlaß für die Inschrift ist unbekannt. Jodocus Tilken (vgl. Nr. 107) trat im Jahr 1587 in Helmstedt sein Amt als Propst des Klosters St. Ludgeri an. Der genannte Heinrich Duden amtierte von 1573 bis 1601 als Abt in Werden4). Er war Begleiter des Abtes Hermann von Holten, als dieser im Jahre 1547 die kostbarsten Helmstedter Antiquitäten von Helmstedt nach Werden verbrachte, und hat eine „Historia monasterii Werthinensis“ verfaßt (vgl. Nr. 1 und Nr. 39). Die hier wiedergegebene Fassung der Inschrift weist den Stein als ein dem Abt gewidmetes, konkret schwer zu bestimmendes Monument aus. Die in Anm. a erwogene Lesart würde die Inschrift als Bauinschrift erklären. Diese sonst nicht bekannte Baumaßnahme hätte Propst Tilken in seinem ersten Amtsjahr in Helmstedt durchgeführt.

Textkritischer Apparat

  1. Eine Autopsie des Steines könnte klären, an welchen Seiten es zu Verlusten gekommen ist, ob z. B. am Zeilenende für ABBATI auch ABBATE – bei Zerstörung der drei Balken des E – gestanden haben kann und ob im oberen Teil des Steins SUB verloren sein könnte. Die Inschrift hätte danach – neben nicht auszuschließenden weiteren Verlusten – mindestens folgende Worte enthalten SUB / R(EVERENDO) D(OMINO) HENRICO / DUDEN ABBATE / D(OMINUS) IODOCVS TIL/CHENIUS BORI/KENSIS POSUIT / ANNO 1587 (unter dem ehrwürdigen Herrn Heinrich Duden, Abt, hat Herr Jodocus Tilken aus Borken (dieses) im Jahre 1587 errichtet). Dieser Text böte mit SUB .. ABBATE Formelgut, wie es die jüngeren Bauinschriften von St. Ludgeri (vgl. Nrr. 345, 428, 447, 457, 470, 477) benutzen.

Anmerkungen

  1. Zur Zeit der Bearbeitung war der Stein, Inventarnummer VM 5628, nicht auffindbar. Alle Angaben, soweit nicht anders vermerkt, nach der Karteikarte VM 5628 des Braunschweigischen Landesmuseums.
  2. Meier, Kunstdenkmäler, S. 29.
  3. So in der Transkription auf der Karteikarte. Bezeichnet wird die Schriftart dort als „Antiqua“. Die Wiedergabe folgt der Transkription der Karteikarte auch bei der Zeilentrennung.
  4. Römer, Helmstedt, St. Ludgeri, S. 191, S. 189.

Nachweise

  1. Inventarkartei VM 5628 des Braunschweigischen Landesmuseums.
  2. Meier, Kunstdenkmäler, S. 29.
  3. Kapp, Kunstinventar Ludgeri, Bau- und Datierungsinschriften, S. 36.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 89†? (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di061g011k0008904.