Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 39† Essen-Werden, Schatzkammer der Propsteikirche 15. Jh.?

Beschreibung

Tafel (?). Stein. Ehemals über einem romanischen Bronzekruzifixus, dem sog. Helmstedter Kreuz, in der St. Ludgerikirche in Helmstedt angebracht. Kruzifix samt Inschriftenträger gehören zu den Gegenständen, die 1547 aus Sicherheitsgründen von Helmstedt in das Werdener Kloster gebracht worden sind (vgl. Nr. 1). Das Kruzifix wurde in Werden im hohen Chor über dem Altarretabel aufgehängt1). Schantz berichtet 1912 von einer Erneuerung der Inschrift im Jahre 18862). Der Inschriftenträger wurde offenbar in diesem Jahr durch eine am Fuße des Kreuzes angebrachte, große, rechteckige, bemalte Holztafel ersetzt3) und ist heute verschollen.

Inschrift nach Duden.

  1. Dit cruitz hat Carolus in synera) hand als he bekierden dat Saxen land

Kommentar

Die Wahl der deutschen Sprache weist auf eine Entstehung der Inschrift kaum vor dem 15. Jahrhundert4). Das Vorkommen eines deutschen Reimverses spricht eher für eine noch spätere Datierung. Im Jahr 1547 allerdings war die Inschrift bereits fest verbunden mit dem um 1060 angefertigten Kruzifixus5). Der Bericht des den Transport nach Werden 1547 begleitenden Heinrich Duden gibt keinen Hinweis darauf, daß die Inschrift dem Kreuz erst zu dieser Zeit oder einige Jahre zuvor beigegeben worden ist. Die Botschaft der Inschrift, das Kreuz habe zu den Feldzeichen Karls des Großen gehört, zeugt von dem auch sonst in Inschriften (vgl. Nrr. 54 und 395) greifbaren Bemühen, die Gründung des Klosters fest zu verbinden mit der Person Karls. Nach der Überlieferung soll Karl der Große den Kruzifixus persönlich dem Helmstedter Kloster geschenkt bzw. in der Helmstedter Kirche aufgestellt haben6).

Textkritischer Apparat

  1. syner] Anonymus, Overham, seiner Duden.

Anmerkungen

  1. Vgl. den Bericht des den Transport 1547 begleitenden Heinrich Duden, Historia monasterii Werthinensis. In: Werdener Geschichtsquellen 1,1, S. 38 und G. Overham, Chronicon coenobii Werthinensis. In: G. Bucelinus, Germania topo-chrono-stemmatographica sacra et profana, Bd. 2, Ulm 1662, S. 322. Die Buchstaben waren offenbar eingetieft, vgl. die dritte, in das beginnende 17. Jahrhundert datierte Quelle, Anonymus, Insignis monasterii sancti Ludgeri Werthinensis annales et catalogus abbatum. In: Werdener Geschichtsquellen 1,2, S. 80 teutonicus rithmus excavato lapide inculptus (!) (ein deutscher Vers, in den behauenen Stein eingetieft). Zur Datierung des Anonymus vgl. Werdener Geschichtsquellen 1,2, S. 43, Einleitung des Herausgebers Schantz. Keine der Quellen macht genaue Angaben zur Form des Inschriftenträgers.
  2. Werdener Geschichtsquellen 1,1, S. 38, Anm. 1 des Herausgebers Schantz.
  3. Nach F. Rademacher, Der Werdener Bronzekruzifixus. In: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 8, 1941, S. 148 mit Anm. 18, befand sich „bis vor einigen Jahren“ eine solche bemalte Tafel mit Inschrift am Fuße des Kreuzes, bis dieses Kreuz vor 1941 durch ein glattes Holzkreuz ohne Inschrifttafel ersetzt wurde.
  4. Zum quantitativen Verhältnis von lateinischen und volkssprachigen Inschriften im niederdeutschen Raum in der fraglichen Zeit vgl. Wulf, Typologie der deutschsprachigen Inschriften, S. 127ff. mit Tabelle auf S. 130 und Fortschreibung der Tabelle bei Hoffmann, Auswertungsperspektiven, S. 24. Die Tabellen sind auf der Basis des Inschriftenbestandes der Städte Göttingen, Lüneburg, Osnabrück, Hameln, Braunschweig, Hannover, Goslar, Einbeck und Minden erstellt. Ihre Auswertung ergibt, daß sich der Anteil der deutschsprachigen Inschriften erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts steigert. Deutschsprachige Inschriften vor 1300 sind in den zugrundeliegenden Beständen nicht belegt.
  5. Zur Datierung des Kruzifixus vgl. R. Kahsnitz in: Kat. Jahrtausend, S. 348.
  6. Anonymus, wie Anm. 1: imaginem .. quam Carolus Magnus fertur isto coenobio Helmenstadensi donasse; Duden, wie Anm. 1: crucifixi imaginem salvatoris ex aurichalco fusam .. quam Carolus Magnus in ecclesia ibidem olim collocaverat.

Nachweise

  1. Heinrich Duden, Historia monasterii Werthinensis. In: Werdener Geschichtsquellen 1,1, S. 38.
  2. Anonymus, Insignis monasterii sancti Ludgeri Werthinensis annales et catalogus abbatum. In: Werdener Geschichtsquellen 1,2, S. 80.
  3. G. Overham, Chronicon coenobii Werthinensis. In: G. Bucelinus, Germania topo-chrono-stemmatographica sacra et profana, Bd. 2, Ulm 1662, S. 322.
  4. Meier, Kunstdenkmäler, S. 28.
  5. F. Rademacher, Der Werdener Bronzekruzifixus. In: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 8, 1941, S. 146.
  6. Kat. Jahrtausend, S. 348.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 39† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di061g011k0003904.