Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 28† Schmiedestr. 14 1474, E. 16. Jh.

Beschreibung

Hausinschriften. Spätgotisches Backsteinhaus mit fünfgeschossigem Fialengiebel.1) 1862 abgebrochen. Über der Toreinfahrt und an der linken Seite des Hauses wurden Ende des 16. Jahrhunderts Erker angebracht, die in den Brüstungsfeldern Wappen trugen2); um den Erker über der Toreinfahrt verlief unterhalb der Wappen eine Inschrift (A), deren vorderer Teil in einer Zeichnung bei Mithoff3) wiedergegeben ist. Das Erdgeschoß wurde im 18. Jahrhundert verändert. Auf der Rückseite des Hauses befand sich ein Tonfries mit einer Inschrift (B), die Mithoff in einer Zeichnung überliefert, rechts davon ein Wappen. Als Worttrenner ragten Ranken des begleitenden Blattornaments in die Inschrift hinein.

Inschriften nach den Zeichnungen bei Mithoff.

Schriftart(en): Kapitalis (A), gotische Minuskel (B).

  1. A

    [...] MEIN TROST DER MIR [...]

  2. B

    anno · d(omi)ni · Mcccclxxiiii ·om(ni)a pretereunta) preter · amare · deum ·4)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1474. Alles vergeht außer der Liebe zu Gott. (B)

Versmaß: Ein Pentameter (B, 2. Zeile).

Wappen:
von Wintheim (drei ineinandergreifende Ringe, der obere offen)

Kommentar

Das von Mithoff in Verbindung mit der Inschrift B gezeichnete Wappen hielten Leonhardt und Nöldeke irrtümlich für das der Familie Limburg. Es ist jedoch das Wappen der Geseke von Wintheim, der ersten Frau des Hannoverschen Bürgermeisters Kurt von Limburg5), der somit als der Erbauer des Hauses gelten kann6). Am älteren Hausbuch läßt sich dies nicht belegen, da für die betreffende Zeit ein Besitzeintrag fehlt.7) Auf den bei der Anlegung des Hausbuchs 1428 als Besitzer des Vorgängerbaues eingetragenen Bartold von Limburg folgt dessen gleichnamiger Enkel, ein Neffe zweiten Grades des Kurt von Limburg, der spätestens seit 1488 im Besitz des Hauses war.8)

Zu dem späteren Besitzer des Hauses, dem Bürgermeister Erich Reiche, und seiner Ehefrau Katharina von der Hoya vgl. Nr. 264.

Textkritischer Apparat

  1. pretereunt] preter unum Mithoff, Kunstdenkmale. Die Zeichnung Mithoffs (Archiv) hat anstelle von unum sieben unverbundene Schäfte. Lücke nach preter bei Leonhardt und Nöldeke.

Anmerkungen

  1. Beschreibung nach der Zeichnung von Mithoff, Archiv, Tafel XVIII.
  2. Nach Riemer, Baugeschichte, S. 145, handelte es sich um die Wappen des Erich Reiche, seiner Eltern und seiner ersten Frau, Sophia Reichard. Dies läßt sich jedoch nicht mit der Zeichnung bei Mithoff, Archiv, Tafel XVIII, vereinbaren, die die Wappeninhalte andeutet. Am linken Erker: Löwe oder Greif; nicht identifizierbarer Wappeninhalt; Schrägbalken. Am rechten Erker: Engelskopf; Löwe oder Greif; Löwe oder Greif; Engelskopf. Die Anordnung der Wappen am rechten Erker ließe auch den Schluß zu, daß es sich um rein ornamentalen Schmuck gehandelt hat.
  3. Mithoff, Archiv, Tafel XVI.
  4. Der Spruch ist nachgewiesen bei Dielitz, S. 228.
  5. Leonhardt, Geschichte der Familie von Limburg, S. 81.
  6. Leonhardt (Straßen und Häuser 1926, S. 32) sieht als Erbauer des Hauses den jüngeren Bartold von Limburg an. Dieser tritt jedoch erst 1487 urkundlich auf (Leonhardt, Geschichte der Familie Limburg, S. 83) und dürfte im Baujahr des Hauses 1474 noch nicht geschäftsfähig gewesen sein.
  7. StaH, B 8240, p. 72.
  8. Eintrag ebd.

Nachweise

  1. Mithoff, Archiv, Tafel XVI u. XVIII (Zeichnungen).
  2. Ders., Kunstdenkmale, S. 90 (B).
  3. Leonhardt, Straßen und Häuser 1926, S. 32 (B).
  4. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 626 (B).

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 28† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di036g006k0002808.