Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 7 Kestner-Museum 2. H. 14. Jh.

Beschreibung

Bekleidung für eine Statue.1) Das Textil aus rotem Samt, das als Bekleidung einer Marienfigur diente, stammt aus dem Besitz der Marktkirche. Zu ihm gehören auch eine Krone, ein Blumenstrauß und das Fragment eines Kragens. Diese Stücke sind in mehreren Inventaren der Marktkirche aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufgeführt.2) In einem Verzeichnis über Gegenstände, die 1685 beim Aufbrechen einer verschlossenen Lade in der Sakristei der Marktkirche gefunden wurden, wird u.a. genannt: deß Marjenkindes rohter sambter Rock vorn drey finger breit herunter mit perlen gesticket und mit silbern übergüldeten flicken besetzet.3)

Das Kleid trägt eine vom Halsausschnitt bis zum Saum verlaufende Borte mit Goldstickerei und Perlen. In Perlenstickerei sind sieben durch Kettenglieder miteinander verbundene Vierpässe ausgeführt, die abwechselnd vier Wappenschilde und drei Inschriften enthalten. Die oberste Inschrift am Halsausschnitt ist nicht von einem Vierpaß eingerahmt. Links und rechts der Borte sind dem Kleid runde und S-förmige, vergoldete Silberplättchen aufgenäht, die von rautenförmigen Silberplättchen begrenzt werden. Der Saum ist mit kleinen Goldflittern besetzt.

Maße: L.: 49 cm; Saumweite: 150 cm; Bu.: 2–2,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. ih(esu)s ih(esu)s ma(r)ia an(n)a

Wappen:
? (zwei gegeneinanderstehende Hörner?)
von Quirre (Blumenkranz)
Brandes? (Schild gespalten, oben ein Hirsch, unten drei Längsbalken)
von Quirre (Blumenkranz)

Kommentar

Mit dem Kleid und seinem Zubehör haben sich Stücke des vorreformatorischen, liturgischen Gebrauchs im Besitz der Marktkirche über die Reformation hinaus erhalten. Dies ist möglicherweise dadurch zu erklären, daß man während der Reformation in Hannover einen großen Teil des Kirchenschatzes der Marktkirche, darunter mehrere Rosenkränze, Kruzifixe, Paramente, Kelche und eine Monstranz in der oben erwähnten Lade verschloß. Während diese Stücke in einem Inventar der Marktkirche aus dem Jahr 1574 aufgeführt sind4), geht aus der notariell beglaubigten Aufstellung von 1685 über den Inhalt der Lade hervor, daß dieser völlig in Vergessenheit geraten war.5)

Das erste und dritte Wappen auf dem Kleid lassen sich nicht mit Sicherheit identifizieren; bei dem zweimal erscheinenden Wappen kann man davon ausgehen, daß es sich um dasjenige der Familie Quirre handelt (vgl. Nr. 138). Die Familie läßt sich bereits im 14. Jahrhundert in Hannover nachweisen. Ein Ludolf Quirre erwarb 1386 das Bürgerrecht in Hannover.6)

Anmerkungen

  1. Inv.Nr. W.M. XX, 24.
  2. StaH, A 3671 u. 3672.
  3. StaH, A 3672.
  4. StaH, A 3671.
  5. StaH, A 3672.
  6. Leonhardt, Bürgerbuch, S. 59.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 68.
  2. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 99.
  3. Stadt im Wandel, Bd. 2, Nr. 1078, S. 1240.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 7 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di036g006k0000709.