Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 3† Giebichenstein, Bartholomäuskirche 1204

Beschreibung

Glocke1) mit Gußvermerk, angeblich aus der Burgkapelle Giebichenstein, wahrscheinlich 1788 umgegossen. Schriftform und -ausführung unbekannt.

Nach Dreyhaupt.2)

  1. Anno incarnationis domini M.CCIIII. Regnante Ludolfo Archiepiscopo fusum est vas h(oc)a)

Übersetzung:

Im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 1204, unter der Herrschaft Erzbischof Ludolfs, ist dieses Gerät gegossen worden.

Kommentar

Inschriften mit Datierung nach der Inkarnationsära sind schon auf Glocken des 12. Jh. nachweisbar.3) Die Formel „regnante NN“ ist aus der Urkundensprache übernommen4) und in Inschriften selten zu finden.5) Erzbischof Ludolf von Magdeburg regierte von 1192 bis 12056) und war wie alle seine Amtsvorgänger Herr von Burg und Dorf Giebichenstein.7) Wenn die Glocke tatsächlich aus der Burgkapelle St. Margareta stammte, dann muß sie schon vor dem Brand der Burg 16368) in die Pfarrkirche verbracht worden sein. Johann Christoph von Dreyhaupt erwähnt vier Glocken in der Pfarrkirche:9) Die größte ist die noch heute erhaltene von 1747, die aus einer 1746 „zersprungenen“ Glocke gegossen wurde. Die zweite ist die vorliegende; die dritte wurde 1521 gegossen und befindet sich heute in Mansfeld (Nr. 112); die vierte, eine unbeschriftete, ist sicherlich mit der sogenannten Feuerglocke identisch.10) 1788 wird aus einer alten Glocke eine neue gegossen (inschriftlich: „haec campana ex veteri restaurata“), die neben der ersten, dritten und vierten bei Gustav Schönermark 1886 erwähnt wird.11) Die umgegossene „campana vetus“ ist wahrscheinlich mit der aus dem Jahr 1204 gleichzusetzen.

Textkritischer Apparat

  1. hoc] Kürzung durch Punkt.

Anmerkungen

  1. Gewicht 17–18 Zentner, Schlagton g; Dreyhaupt 2, 1750, S. 900.
  2. Hellwig 1927, S. 7 überliefert die Inschrift auch, verwechselt diese Glocke aber mit der sogenannten Feuerglocke (D.: 63 cm). Diese mittelalterliche, inschriftlose Glocke (vgl. BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 494) ist 1961 an die Gemeinde Morsleben (Sachsen-Anhalt) verkauft worden; PfA Halle-Giebichenstein A 23, fol. 5r.
  3. Vgl. Walter 1913, S. 158 (Iggensbach/Bayern).
  4. Erben/Schmitz-Kallenberg/Oswald 1907, S. 328.
  5. Vgl. die frühmittelalterliche Bau- und Weiheinschrift DI 41 (Lk. Göppingen), Nr. 2. Auf einer italienischen Glocke von 1113 heißt es: „TEMPORIB(US) DOMINI OIOLINI EPISCOPI“; Walter 1913, S. 157.
  6. Gatz 2001, S. 384 f. (Michael Scholz).
  7. Vgl. Einleitung, S. XI.
  8. Zur Geschichte der Burg Giebichenstein s. Einleitung, S. XXXIV f.
  9. Dreyhaupt 2, 1750, S. 900.
  10. Vgl. Anm. 2.
  11. BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 494. Sie wurde 1917 für Kriegszwecke eingeschmolzen; PfA Halle-Giebichenstein A 23, fol. 5r.

Nachweise

  1. Dreyhaupt 2, 1750, S. 900.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 3† (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di085l004k0000304.