Inschriftenkatalog: Stadt Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 86: Halberstadt (Stadt) (2014)

Nr. 57† Liebfrauen 1494

Beschreibung

Grabplatte des Dekans Dietrich Block; ehemals vermutlich im nördlichen Querhaus vor dem Eingang des Zithers (Sakristei), oberhalb der Grabplatte des Dekans von Mahrenholtz (vgl. Nr. 38 †) gelegen, 1848 gibt Lucanus als Standort „unter der Orgel an“;1) Metall (Messing?); Relief, das Bildnis zeigte den Prälaten in Lebensgröße mitsamt seinem Wappen, am Rande umlaufend befand sich die Grabbezeugung.2)

Text nach Haber 1737.

  1. Piaa) recordationis Viri D(omi)nib) Theodorici Block hujus Ecclesiae Decani corpus hic subc) terratumc) hoc monument(um)d) indicate) . Q(ui)f) obitg) Anno d(omi)ni M CCCCXCIV May die octava .

Übersetzung:

Dieses Denkmal frommen Gedenkens für den Mann [und] Herrn Dietrich Block, Dekan dieser Kirche, weist auf den hier begrabenen Leichnam hin. Dieser starb im Jahre des Herrn 1494 am achten Tag des Mai.

Wappen:
Block3)

Kommentar

Dietrich Block, der aus der Mindener Diözese stammte, hatte sich schon in den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren des 15. Jahrhunderts Anwartschaften auf Kanonikate an Kirchen in Halberstadt, Staßfurt (Salzlandkreis), Zerbst (Lkr. Anhalt-Zerbst) und Jüterbog (Lkr. Teltow-Fläming) gesichert, als er schon Benefizien in Helmstedt und Quedlinburg besaß.4) Lange nach dem Tod des Dekans von Liebfrauen, Dietrich von Marenholtz (vgl. Nr. 38 †), erlangte er dessen Kanonikat im Jahr 1464; damals war er schon Dekan des Stifts St. Paul in Halberstadt und besaß Kanonikate und Altarlehen in Halberstadt, Gunsleben (Bördekreis), Hausneindorf (Harzkreis), Staßfurt (Salzlandkreis), Helmstedt und in weiteren Orten.5) Zwei Jahre später wurde er Scholaster des Liebfrauenstiftes.6) Nach dem Tode des Dekans Jordanus Heynen (vgl. Nr. 56 †) folgte er in dessen Amt, das er jedoch bis zu seinem Tod nur zwei Jahre innehatte. Dietrich Block hat den dreiarmigen Leuchter gestiftet, der heute in der Vierung steht (vgl. Nr. 47).7) 1481 wurde dem damaligen Thesaurar vom Papst die Erlaubnis gegeben, einen Tragaltar zu benutzen.8)

Textkritischer Apparat

  1. Pia] Sic! Lesefehler Habers, es muß heißen Piae.
  2. Domini] Durch nachgestellten Punkt auf der Grundlinie gekürzt.
  3. sub terratum] Sic!
  4. monumentum] Durch nachgestellten Punkt auf der Grundlinie gekürzt.
  5. indicat] Der folgende Punkt auf der Grundlinie kann wohl kein Kürzungszeichen sein.
  6. Qui] Durch nachgestellten Punkt auf der Grundlinie gekürzt.
  7. obit] Sic! Für obiit.

Anmerkungen

  1. Lucanus 1848, S. 21; ohne genaue Angabe Niemann 1824, S. 51; vor 1866 und vor 1886 war die Grabplatte offensichtlich noch vorhanden; vgl. Lucanus 1866, S. 38 mit der Jahreszahl 1475, die sich irrtümlich wahrscheinlich auf das Stiftungsjahr des Leuchters bezog; vgl. Nr. 47; Elis 1886, S. 11.
  2. Haber 1737, S. 8.
  3. Ein schräggestellter doppelt gestummelter Ast mit oben und unten je einem Eichenblatt; vgl. Nr. 47.
  4. RG VI, Nr. 5352.
  5. RG IX, Nr. 5719, 836, 1933, 3591; RG VIII, 5444; RG VII, Nr. 2664.
  6. RG IX, Nr. 5719.
  7. Vgl. Haber 1737, S. 8; Elis 1886, S. 11; BKD, S. 345; Nr. 47.
  8. Vgl. BKD, S. 348.

Nachweise

  1. Haber 1737, S. 14 f.

Zitierhinweis:
DI 86, Halberstadt (Stadt), Nr. 57† (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di086l005k0005707.