Inschriftenkatalog: Stadt Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 86: Halberstadt (Stadt) (2014)

Nr. 28 St. Moritz 1409?

Beschreibung

Glocke; in der südlichen Schallöffnung des zweiten Geschoßes des Südturmes1) an einem Holzbalken befestigt; dient heute als Schlagglocke; Bronze; stark korrodiert, verschmutzt; Krone von sechs runden Henkeln um ein Mittelöhr, Kronenplatte abgesetzt, Haube doppelt abgesetzt bzw. zwei Stege, an der Schulter zwischen Rundstegen erhaben ausgeführt, umlaufend die Angabe des Gußjahres und der Glockenname. Am Wolm zwei Rundstege. Nach Nebe und UB Stadt Halberstadt beträgt das Gewicht „vielleicht 3 ctr.“, nach Hartmann „etwa 225 kg“, Peter gibt „~ 150 kg“ an.2) Schlagton: dis2+7.3)

Ergänzungen nach BKD.

Maße: H. 54,5 cm, D. 64,5 cm, Bu. 4,3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal in gotischer Majuskel.

  1. Anno · d(omi)ni · mo · cccco · i[x]o a) [christib) c]ant[abona]c)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1409 Cantabona (Wohlklingende) Christi.

Kommentar

Das Versal-A ist flachgedeckt und ziemlich eckig, der Mittelbalken rechtsschräg, die Hasten stehen gerade. Die Brechung der Kleinbuchstaben ist flach. Nur doppelstöckig kommt das a vor. Der Buchstabe wirkt ziemlich klobig, ist allerdings auch schon sehr verwittert. Der obere Bogen scheint spitz gebrochen zu sein. Der obere aufgelöste Bogenabschnitt des c ist fast rechtwinklig abgeknickt und sehr kurz. Das untere Bogenende ist wieder schräg umgebrochen. Der Schaft des d ist nach links abgeknickt und läuft spitz aus. Der Kürzungsstrich steht schräg versetzt hinter dem zu kürzenden Wort. Als Worttrenner dienen kräftige Punkte.

Doering und danach wohl Hartmann sowie Glocken der Heimat nennen als Gußjahr 1309.4) Das ist abgesehen vom Befund auch wegen der verwendeten Schriftart gar nicht möglich. Die gotische Minuskel dringt erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts in die Inschriften der Gegend um Halberstadt ein.5) Den Glockennamen Cantabona führte im 15. Jahrhundert auch die wohl hauptsächlich an Werktagen zu läutende, nach der Festtags- und der Sonntagsglocke drittgrößte Glocke des Halberstädter Doms.6) Die Bezeichnung ist aber auch für andere Glocken überliefert.7)

Textkritischer Apparat

  1. mccccix] mcccix BKD, Hartmann; MCCCIX Glocken der Heimat.
  2. christi] Befund: xpi? Das p, das die Buchstabenkombination eindeutig sein läßt, ist nicht mit Sicherheit zu lesen.
  3. cantabona] Der Balken des t ist nicht eindeutig zu erkennen; santa bona Glocken der Heimat.

Anmerkungen

  1. Nach Nebe 1876, S. 293 befand sich die Glocke ehemals auf dem nördlichen Turm im „Schalloch nach Norden“. Schmidt UB Stadt Halberstadt Bd. 2, Nr. 731 S. 37 gibt schon den Südturm als Standort an, so auch Hartmann 1964, S. 205, Glocken der Heimat 1996, S. 9 und Peter 1998 b, S. 4.
  2. Nebe 1876, S. 293; UB Stadt Halberstadt Bd. 2, Nr. 731 S. 37; Hartman 1964, S. 247 und Glocken der Heimat 1996, S. 9; Peter 1998 b, S. 1.
  3. Nach Peter 1998 b, S. 1.
  4. BKD, S. 383; Hartmann 1964, S. 205; Glocken der Heimat 1996, S. 9.
  5. DI 75 (Halberstadt Dom), S. L–LIII.
  6. Ebd., S. XXXI bei Anm. 121.
  7. Walter 1913, S. 257 f. mit Anm. 6.

Nachweise

  1. Nebe 1876, S. 293.
  2. UB Stadt Halberstadt Bd. 2, Nr. 731 S. 37.
  3. BKD, S. 383.
  4. Hartmann 1964, S. 205.
  5. Glocken der Heimat 1996, S. 9.
  6. Peter 1998 b, S. 3.

Zitierhinweis:
DI 86, Halberstadt (Stadt), Nr. 28 (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di086l005k0002806.