Inschriftenkatalog: Dom zu Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 75: Halberstadt Dom (2009)

Nr. 260† Dom, ehemals hinter dem Kreuzaltar 1635

Beschreibung

Kruzifix, ehemals hinter dem Kreuzaltar,1) darunter befand sich die Stifterinschrift des Dombaumeisters Christoph Straube.

Text nach Haber 1739.

  1. Ich Christoph Straube Halberst.a) Vicarius und Bau=Meister in diesem Hohen Dom=Stiffte habe in Gottes Ehre zu meiner memorie dieses Crucifix und zwar auf meine Kosten verehret und in den Heil(igen) Pfingsten Anno 1635. auf diesen Altar setzen lassen.

Kommentar

Das Kreuz erwähnen neben Haber, der als einziger die Inschrift wiedergibt, auch Plato und Elis.2) Nach 1857 muß es verschwunden sein. Hermes nennt ein Kreuz, das sich nach einer Lichtbildaufnahme noch 1936 am Altar angebracht befand, „eine Holzschnitzerei des XV.“ [Jahrhunderts], dessen Größe BKD mit 1,87 m angeben.3) Auch dieses scheint verschwunden.

Der Vikar Christoph Straube wurde am 19. August 1600 als Baumeister zunächst auf ein Jahr zur Probe bestellt und stellte dafür als Bürgen Andreas Helmerdink und Gregor Schraube.4) Er hatte „die Einnahmen und außgaben und alle vorthrewte Register und Testamenten vleißig zu warten, nicht vornemlich zu bawen ohne Vorwißen der Bauherren, keine Ecker ahn Consens der [Dom]Herren an vorschreiben, keinem in privato von dem bawhoffe etwas zu geben, was davon gelehnet wird, wieder einzufordern, medietatem fructuum vicariorum et commendarum an Korn und Gelde, auch die Retarda einzumahnen, vor den novitiis alles in geheim zu behalten“. Im Jahr 1605 bezeugt er den Eid des neugewählten Domdekans Matthias von Oppen.5) Auch späterhin wird er als Zeuge oder Testamentsvollstrecker genannt.6) 1608 erhält er vom Domkapitel für 3 Gulden und 18 Groschen jährlich ein Häuschen in der Thodenstraße auf 30 Jahre verschrieben mit der Auflage, es instandzusetzen, zu erhalten und „mit solchen Leuten [zu] bewohnen, die eines erbaren Lebens vnd Nachbarn leidlich sein sollen“.7) 1616 kaufte er für 700 Reichstaler vom Johannesstift zwei Wohnhäuser.8) Erhalten blieben nicht nur ein Bauregister aus dem Jahr 1625 unter seinem Namen, sondern auch sein Testament hat sich abschriftlich erhalten.9) Im Jahr 1635 stiftete er – vermutlich zusammen mit dem Altarkreuz – zwei zinnerne Vasen.10) Ein Fries mit den Wappen und Namen der Domherren, den er im Jahr 1613 für das Domrentamt schuf, befindet sich heute in der Neuenstädter Kapelle.11)

Textkritischer Apparat

  1. Halberst.] Wohl zu ergänzen zu Halberstädtischer oder ähnlich.

Anmerkungen

  1. Vgl. zum Altarretabel Nr. 100.
  2. Haber 1739, S. 25; Plato 1791, S. 326; Elis 1857, S. 96.
  3. Hermes 1896, S. 56 mit Abb. S. 58; BKD, S. 271.
  4. Mülverstedt 1894, S. 83 f.
  5. Ebd., S. 197 f.
  6. Ebd., S. 242, 267, 300.
  7. Ebd., S. 420. Die Thodenstraße läßt sich nicht mehr lokalisieren; vgl. BKD, S. 217.
  8. UB St. Johann, Nr. 556 S. 476.
  9. LHASA Magdeburg, Rep. A 15, D Nr. 23 b; ebd., Rep. A 13, Nr. 1852, fol. 6v.
  10. Vgl. Nr. 261.
  11. Vgl. Nr. 252.

Nachweise

  1. Haber 1739, S. 25.

Zitierhinweis:
DI 75, Halberstadt Dom, Nr. 260† (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di075l003k0026005.