Inschriftenkatalog: Dom zu Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 75: Halberstadt Dom (2009)

Nr. 255 Dom, südlicher Chorumgang 1615

Beschreibung

Portal; im dritten Joch des südlichen Chorumgangs, ehemals Ausgang zu verschiedenen „daselbst befindlichen Zimmern“, darunter der ehemalige Rittersaal,1) heute vermauert; heller Sandstein. Rundbogenportal mit vorgestellter Säulenarchitektur. Hinter den mit korinthischen Kapitellen geschmückten Kompositsäulen, die mit eingestellten Rundstäben in den tiefen Kanneluren im unteren Drittel versehen und deren Postamente an den drei freistehenden Seiten mit Diamantquadern verziert sind, erhebt sich ein mehrfach profilierter Rundbogen, der mit Voluten und Eierstabfries geschmückt ist. Auf dem Bogenscheitel ist ein Diamantquader angebracht. Darüber erhebt sich ein wuchtiges verkröpftes mit Klötzchen- und Eierstabfries verziertes Gesims unter einem gesprengten Giebel, den eine weibliche Person mit entblößter Brust krönt. Unter dem Giebel ein Vollwappen. Am Fries des sich darunter befindlichen perlstabbelegten Architravs die eingehauene und farbig gefaßte Bauinschrift als Stiftervermerk (A) des Domdekans Matthias von Oppen (1605–1621). Auf dem rechten Sockelgesims ist die verschnörkelte Buchstabenfolge (B) einzeilig eingehauen.

Maße: H. ca. 500 cm, B. ca. 350 cm, T. ca. 70 cm, Bu. ca. 3,5–4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Hans Fuhrmann/Marion Gronemann) [1/4]

  1. A

    D(OMI)N(V)S . / MATTHIAS AB OPPEN . DECAN(VS) . PORTAN(ARIVS)a) P(RE)P(OSITVS) . S(ANCTI) . BONIF(ACII)b) HALB(ERSTADENSIS)c) EXTRVXITd) . / ANNO : 1615 .

  2. B

    D C H C De)

Übersetzung:

A: Herr Matthias von Oppen, Dekan (des Domkapitels), Portanarius, Propst (des Stifts) des Heiligen Bonifatius zu Halberstadt, erbaute (es) im Jahre 1615.

Wappen:
Oppen2).

Kommentar

Die Schrift ist unauffällig. Als Worttrenner setzte man Quadrangel auf die Grundlinie. Die Buchstabenfolge (B) läßt sich nicht sicher sinnvoll auflösen.

Matthias von Oppen – aus einem in der Mark Brandenburg beheimateten Geschlecht stammend und Halberstädter Domherr seit 1590 – lenkte als Domdekan zwischen 1605 und 1621 die Geschicke des Domkapitels mit großer Umsicht. Er war trotz seines katholischen Bekenntnisses von der Mehrheit der Domherren gewählt worden und amtierte auch zu aller Zufriedenheit. Auskunft über seine Amtszeit gibt sein Tagebuch.3) Er stiftete auch den Grundstock der Dombibliothek.4)

Textkritischer Apparat

  1. PORTANARIVS] Durch zwei vertikal übereinandergestellte Quadrangel gekürzt.
  2. BONIFACII] Durch ein auf die Grundlinie gesetztes Quadrangel gekürzt.
  3. HALBERSTADENSIS] Durch zwei vertikal übereinandergestellte Quadrangel gekürzt.
  4. EXTRVXIT] Sic! Der drittletzte Buchstabe beschädigt.
  5. DCHCD] Auflösungsvorschläge (ohne Gewähr): DECANVS CAPITVLI HALBERSTADENSIS CAPITVLI DOMINVS oder DECANVS CAPITVLI HALBERSTADENSIS CAPITVLI DECANVS.

Anmerkungen

  1. Haber 1739, S. 40.
  2. Ein Schragen in der Mitte mit einer Rose belegt; Siebmacher Brau, S. 40 f. mit Taf. 46; ebd. Anh, S. 5 mit Taf. 5; ebd. PrA, S. 55 mit Taf. 41; vgl. die Helmzier hier abweichend: eine von einem Rosenschapel überdeckte und mit drei Straußenfedern besteckte Säule.
  3. Mülverstedt 1894, passim; siehe zu Matthias von Oppen auch Krautkrämer 2002; Opel 1869; BKD, S. 209.
  4. Mülverstedt 1894, S. 26; BKD, S. 500.

Nachweise

  1. Haber 1739, S. 40 (A).
  2. Elis 1857, S. 66 (A).
  3. Scheffer 1864, S. 22.
  4. Hermes 1896, S. 67 f. (A).

Zitierhinweis:
DI 75, Halberstadt Dom, Nr. 255 (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di075l003k0025504.