Inschriftenkatalog: Dom zu Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 75: Halberstadt Dom (2009)

Nr. 204† Dom, ehemals im nördlichen Chorumgang 1560

Beschreibung

Bildepitaph für den Domdekan Huner von Sampleven (1538–1560); ehemals im nördlichen Chorumgang am fünften Pfeiler von Osten an der Nordseite links über der zugehörigen Grabplatte angebracht; das auf Holz gemalte Bildnis zeigte die Auferweckung des Lazarus, darunter befand sich das Trostgedicht (A), daneben der Setzungvermerk (B).1)

Schriftart(en): Text nach Haber 1739.

  1. A

    Christus sola salus2) vita est aeterna beatisQuo duce nec moritur3) qui moriturus eratNam tenet hic leges vitae mortisque triumphansFirmiter imperio stantque caduntque suoSed tamen interaa) moriens pietate fideque4)Fisus Christe manet sedibus aethereis5)Credentes nam certa tenet spes unica6) semperVicturos melius quando obiereb) diem

  2. B

    Monumentum positum Reverendo ac Nobili Domino Hunero de Sampleben hujus Ecclesiae dum vixit Decano qui vitae suae extremum plenus fiduciac) in Christo clausit 2. Febr(uarii)d) Anno 1560e)

Übersetzung:

A: Christus, das einzige Heil, ist das ewige Leben für die Seligen und unter seiner Führung stirbt nicht, der dem Tode verfallen war; denn dieser (oder: hier) beherrscht (oder: er), indem er sie überwindet, die Gesetze des Lebens und des Todes; zuverlässig stehen und fallen sie auf seinen Befehl. Wer aber, auch wenn er auf Erden stirbt, auf Frömmigkeit und Glauben vertraut, der wohnt, o Christus, im Himmel. Die Glaubenden nämlich erfüllt immer die einzig sichere Hoffnung, daß sie besser leben werden, wenn sie gestorben sind. B: Denkmal gesetzt dem ehrwürdigen und edlen Herrn Huner von Sampleven, solange er lebte Dekan dieser Kirche, der das Ende seines Lebens voller Zuversicht auf Christus beschlossen hat, am 2. Februar im Jahre 1560.

Versmaß: Vier elegische Distichen (A).

Wappen:
Sampleven7).

Kommentar

Das Grabdenkmal des Dekans bildete, wie auch diejenigen anderer Halberstädter Domherren, ein Ensemble aus Grabplatte (vgl. Nr. 203) und dem gleich daneben angebrachten Epitaph.8) Das auf Holz gemalte Bildnis mit dem Trostgedicht und einem Setzungsvermerk war im Jahr 1811 noch vorhanden.9) Schon Büsching erwähnt für das Jahr 1817 zwar die Grabplatte, nicht mehr jedoch das Bildepitaph.10) Das Bildthema, die Auferweckung des Lazarus, wurde in der protestantischen Sepulkralkultur gerne in Verbindung mit der Auferstehung gebracht, um auf diese Weise die Heilsgewißheit des Verstorbenen im Vertrauen auf Christus zum Ausdruck zu bringen.11) Allerdings fehlt hier die Ausführung einer geeigneten Stelle aus der Heiligen Schrift, um die Darstellung zu erläutern. Statt dessen verweist das Trostgedicht auf Christi Macht, den Tod zu überwinden. Huner von Sampleven gehörte nämlich zur Partei der katholischen Domherren, wie man aus seinem Testament weiß.12) Obwohl das Trostgedicht etliche Anspielungen auf antike oder frühchristliche Wortverbindungen aufzuweisen scheint, ist eine direkte Kenntnis antiken Schriftgutes für den Verfasser nicht unbedingt vorauszusetzen. Eine Parallele bietet z. B. auch die letzte Zeile der Inschrift (vgl. Nr. 201 C) des Epitaphs für den Magdeburger Erzbischof Friedrich IV. von Brandenburg. Zu Huner von Sampleven siehe Nr. 203.

Textkritischer Apparat

  1. intera] Sic! Wohl für in terra oder auch interea.
  2. obiere] Sic!
  3. fiducia] fiducias Oeynhausen, Sammlung.
  4. Februarii] Kürzung mittels folgendem Punkt.
  5. 1560] 1561 Oeynhausen, Sammlung.

Anmerkungen

  1. Vgl. Haber 1739, S. 37 f.
  2. Vgl. sola salus, Prudentius Psychomachia, 803; Concordance of Prudentius, S. 648.
  3. Vgl. „Quo (sc. Christo) duce mors moritur“; Carmina Epigraphica, 1354, 6 (zit. nach Concordantiae in Carmina Latina Epigraphica, S. 278); De Rossi, S. 345; Levison 1948, S. 411.
  4. Vgl. „Anteibat latius, melior pietate fideque“, Silius Italicus, Punica 9,437.
  5. Vgl. „Sedibus aetheriis spiritus ille venit“, Ovid, Ars amatoria, 3,550; „Dives Helias, qui virtutum suarum thesauros curru igneo sublimis sedibus aetheriis invexit“, Ambrosius Mediolanensis, Epistulae 2,10,7,60–62 (CSEL 82,1, S. 75).
  6. „Spes unica“ kommt als Junktur häufig vor; vgl. Schumann 1979, Teil 5, S. 236 f. (Hexameterlexikon).
  7. Die Beschreibung bei Oeynhausen: „In G(old) ein aufrechter Ast mit 2 Blättern. Helm: R(ote) Mütze mit Hermelin, darauf ein (schwarzes) Rautenkissen mit g(oldenen) Quasten“; Qeynhausen gibt das Wappen der Familie wieder; Oeynhausen, Sammlung, Hannover Niedersächsische Landesbibliothek Oy-H V, 42, Nr. 44; vgl. auch Nr. 203 Anm. 3 und Siebmacher, SaA, S. 142 mit Taf. 93.
  8. Haber 1739, S. 37 f.; vgl. auch zum Folgenden Fuhrmann 2006 b, S. 266–268.
  9. Berlin Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, V. HA (Königreich Westfalen) Rep. B 11 a, Nr. 486 fol. 5v, Nr. 4, Inventar von 1811.
  10. Büsching 1819, S. 242.
  11. Harasimovicz 1991, S. 143, 161; Thulin 1955, S. 75–95.
  12. LHASA Magdeburg, Rep. U 5, XVII f Nr. 48 a.

Nachweise

  1. Haber 1739, S. 37 f.
  2. Oeynhausen Sammlung, Hannover, Niedersächsische Landesbibliothek, Oy-H V, 42 Nr. 44 (Julius Karl Adolf Friedrich Graf von Oeynhausen (1843–1886), Sammlung von Grabinschriften in deutschen Kirchen) (B).
  3. Fuhrmann 2006 b, S. 266.

Zitierhinweis:
DI 75, Halberstadt Dom, Nr. 204† (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di075l003k0020407.