Inschriftenkatalog: Dom zu Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 75: Halberstadt Dom (2009)

Nr. 85† Dom, ehemals im südlichen Chorumgang 1435

Beschreibung

Grabbezeugung, vermutlich an des Dompropstes Friedrich Hake „Leich=Stein“, d. h. einer Grabplatte, die ehemals im südlichen Chorumgang „vor dem Aufgang zum Capitelsaal“ lag.1) Wappendarstellung; weitere Ausführung unbekannt.

Text nach Haber 1739.

  1. Anno domini millesimo quadringentesimo tricesimo quinto feria secundaa) post diem Sanctae Elisabethb)2) obiitc) [– – –] hic sepultus cujus anima requiescat in pace

Übersetzung:

Im eintausendvierhundertfünfunddreißigsten Jahre des Herrn, am Montag nach dem Tag der Heiligen Elisabeth, starb […] hier begraben, dessen Seele in Frieden ruhe.

Wappen:
Hake3).

Kommentar

Haber schloß aus dem auf der Grabplatte befindlichen Wappen, daß „einer von Haacke, der entweder Decanus oder sonst ein Dom=Herr muß gewesen sein“ dort begraben liege.4) Da ein Testament Friedrich Hakes vom 21. Oktober 1435 existiert, handelte es sich wahrscheinlich um seine Grabplatte.5) Er ist als Domherr seit 1402 nachweisbar.6) Im thüringischen Wallhausen, nahe dem Stammgut seiner Familie,7) war ihm die Martins-, in Aschersleben die Nikolaikapelle übertragen worden.8) Nachweislich besaß er zwei Kurien.9) Seit etwa 1413 wegen Unregelmäßigkeiten in der Amtsführung des Dompropstes Dietrich von Rabiel zunächst mit der Verwaltung der Propstei beauftragt, leistete er 1414 den Ordinationseid als Dompropst.10) Den von ihm eingesetzten Sequester der Propsteigüter, Domcellerar Nikolaus von Wallhausen, ließ der seines Amtes entsetzte Dietrich von Rabiel ermorden.11) 1417 war Hake auf dem Konstanzer Konzil zugegen, vermutlich um Rechtsstreitigkeiten in der Stadt Halberstadt beizulegen.12) Offensichtlich gelang es ihm während seiner Amtszeit, die Finanzen des Domkapitels zu sanieren. 1434 stiftete er ein Ewiges Licht, das hinter dem Chore brennen sollte. Testamentarisch vermachte er dem Dom mehrere liturgische Bücher, aber auch einen Sachsenspiegel.13)

Textkritischer Apparat

  1. secunda] ij Schmidt.
  2. Sanctae Elisabeth] s. Elisabet Schmidt.
  3. obiit] „die folgenden Buchstaben sind ganz ausgetreten“ Haber, Lentz; dominus Fridericus Hake, huius ecclesie prepositus fügt Schmidt hinzu.

Anmerkungen

  1. So Haber 1739, S. 40; auch Schmidt 1886, S. 39; Halberstadt, Domarchiv, Loc. III Nr. 1, Alte Inventarien-Verzeichnisse, Bl. 52 mit dem Zusatz „die noch vorhandene Platte ist ganz abgetreten“. Die Platte war also in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als das Verzeichnis entstand, noch vorhanden.
  2. 1435 XI 21; vgl. auch Schmidt 1886, S. 39.
  3. Wappen nicht blasoniert.
  4. Haber 1739, S. 40; vgl. zum Wappen der Familie auch Siebmacher ThüA S. 58 und Taf. 45; Ledebur Bd. 1, S. 305; Kneschke Bd. 4, S. 124 f. Zu seinem Propstsiegel Schmidt 1886, S. 39.
  5. Schmidt 1886, S. 59–65 mit dem Abdruck.
  6. Schmidt 1886, S. 38; UBHH Bd. IV, Nr. 3193 S. 473; den Streit um die Pfründe im Jahre 1401 dokumentiert RG II 1378–1415 (Urban VI., Bonifatius IX., Innozenz VII., Gregor XII.), Sp. 50. Zu Hake auch Lentz 1749, S. 297 f.
  7. Vgl. Schmidt 1886, S. 39 f.; zu den Besitzungen auch Ledebur Bd. 1, S. 304 f.; Kneschke Bd. 4, S. 124 f.
  8. Vgl. RG III 1409–1417 (Alexander V., Johannes XXIII., Konstanzer Konzil), Sp. 120; RG IV 1417–1431 (Martin V.), Sp. 728.
  9. Schmidt 1886, S. 39.
  10. Vgl. Schmidt 1886, S. 38 f.
  11. Vgl. Schmidt 1886, S. 36–40. Zu den Ereignissen auch Boettcher 1913, S. 267–271; Averkorn 1997, S. 39 f.
  12. Dazu und zum Folgenden Schmidt 1886, S. 39.
  13. Ebd., S. 59 ff.

Nachweise

  1. Haber 1739, S. 40.
  2. Lentz 1749, S. 297 f.
  3. Schmidt 1886, S. 39.

Zitierhinweis:
DI 75, Halberstadt Dom, Nr. 85† (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di075l003k0008502.