Inschriftenkatalog: Dom zu Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 75: Halberstadt Dom (2009)

Nr. 69 Dom, nördlicher Chorumgang A. 15. Jh.

Beschreibung

Bildfenster nord VIII;1) Farbglas, Schwarzlot, mäßig bis gut erhalten; Fenster von vier Bahnen zu fünf Zeilen, abschließenden Kopfscheiben und Maßwerk. Ehemals befand sich an seiner Stelle ein Fenster mit Jüngstem Gericht, ein Zyklus männlicher Heiliger und eine Anbetung der Hl. Drei Könige, später zum Patriarchenfenster umgebildet. Damals gelangten die beiden mittelalterlichen Bildscheiben, die außer Maßwerk- und Kopfscheiben heute noch erhalten sind, in das Fenster. Auf dem Spruchband am unteren Ende der Scheibe 3d (Samuel salbt David), ursprünglich in Fenster nord IX, aufgemalt und auf dem Reif der Krone radiert die Nameninschriften (A, B), auf dem Saum an der Schulter von Davids Gewand radiert die Buchstabenfolge (C). Am oberen Rand der Scheibe 4a, die ein Beispiel für das Fünfte Gebot zeigt, ursprünglich in nord VI, eine moderne Bildbeischrift.2)

Maße: H. 727 cm, B. 257 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal in gotischer Majuskel.

  1. A

    Samu[el da]ui(d)a)

  2. B

    rex david (et) p(ro)p(heta)

  3. C

    aunrn/riii

Übersetzung:

B: David, König und Prophet.

Kommentar

Die Bildscheibe stammt aus dem Sakramentfenster nord IX. Sie zeigt die Salbung Davids durch den Propheten Samuel als Vorbild der Firmung.3) Die Schrift, an der sich die zusammengehörigen, aus derselben Werkstatt herrührenden Fenster süd V (Dionysiusfenster), nord VI (Marienfenster), süd VI (Martinsfenster), nord VII (Fenster der beiden Johannes’), süd VII (Karlsfenster), nord IX (Sakramentfenster) sonst gut erkennen lassen, ist nicht so deutlich übereinstimmend wie in den übrigen Fenstern. Die wenigen Buchstaben der Inschrift A haben einen leicht abweichenden Charakter. Die Scheibe wurde 1899 in das neu geschaffene Patriarchenfenster integriert. Die ursprünglichen Scheiben des Fensters gelangten auf Umwegen in das Fenster süd VII.4)

Textkritischer Apparat

  1. Samuel dauid] Teile der Inschrift ergänzt. Vgl. dazu Fitz 2003.

Anmerkungen

  1. Vgl. Fitz 2003, S. 328–341 mit Abb. 230–235 einschließlich der älteren Literatur.
  2. Abner v(on) Jo/ab umbracht.
  3. I Sm 16, 13; vgl. auch Fitz 2003, S. 337.
  4. Vgl. ebd., S. 328–331.

Nachweise

  1. Fitz 2003, S. 337 mit Abb. 231 (A, B).

Zitierhinweis:
DI 75, Halberstadt Dom, Nr. 69 (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di075l003k0006905.