Inschriftenkatalog: Dom zu Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 75: Halberstadt Dom (2009)

Nr. 57 Dom, Textilsaal 14. Jh.

Beschreibung

Pluviale, Domschatz Inv. Nr. 196;1) Seide (Lampas) beige (ehemals rot) und ehemals goldfarben (heute schwarz), Seide grün, Seidenfransen rot, zimtbraun, grau und grün, Clipeus: Metallfaden- und Seidenstickerei, Leinenbörtchen rot, rückseitiger Stab: Seide beige auf Leinengrund, Seidenkordel zimt- und dunkelbraun, Flußperlen, brakteatenartige Zierplaketten aus Silberblech vergoldet, Futter: Leinen beige; die Seide des Stabs fast ganz vergangen, sonst gut erhalten. Seidenlampas (italienisch) mit Pflanzenornamenten, Löwen und Schwänen, aus vier Teilen zusammengesetzt; Kantenbesatz (15 cm) aus grüner Seide, eingefaßt von Leinen, am unteren Rand Fransenbesatz, Stab mit Blüten- und Rankenornamenten aus Flußperlen und Silberbrakteaten; Clipeus Goldgewebe mit blauen Seidenornamenten, auf die Mitte gesetzter Keil aus Metallfaden- und Seidenstickerei mit Halbfigur des Schmerzensmannes mit Lanze und Dornenkrone, mit Seide und Flußperlen besetzt, das den Clipeus einfassende Leinenbörtchen mit Zierbrakteaten aus Silberblech besetzt.2) Auf dem Leinenfutter des linken vorderen Innenrandes, ca. 25 cm über der Unterkante, in blauer Seide gestickt ein einzelner Buchstabe.

Maße: H. 145 cm, B. 200 cm, Bu. 2 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

  1. H

Kommentar

Der Bogen des unzialen H ist gerundet. Der lange Deck- und der Basisstrich enden in Knötchen.

Johanna Flemming datiert über Vergleichsstücke das Gewebe in das 14. Jahrhundert.3) Der Rückenschild wird als norddeutsche Arbeit und Nachbildung des Schmerzensmannes von Meister Francke in der Hamburger Kunsthalle in die zwanziger Jahre des 15. Jahrhunderts gesetzt.4) Die wiederverwendeten Goldborten sind wohl schon im 12. und 13. Jahrhundert entstanden, die Stickereien des Zierbesatzes in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.5) Der gestickte Buchstabe stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde wohl schon bei der Herstellung des Chormantels bzw. bei der Vernähung des Futters angebracht. Das H auf dem Innenfutter könnte ein Besitzvermerk in Form einer Initiale gewesen sein (vgl. Nr. 54).

Anmerkungen

  1. Siehe Bock 1859–1871 Bd. 1, S. 192; Lucanus 1866, S. 55 unter Nr. 210; Nebe 1889/1890, S. 87; Zschiesche 1895, S. 153; Hermes 1896, S. 112, 117 f.; BKD, S. 282; Doering 1927, S. 70; Meyer 1936, S. 15; Hinz 1964, S. 190 mit Abb. S. 191; Flemming/Lehmann/Schubert 1990, S. 239 mit Abb. 185; Der heilige Schatz 2008, Nr. 70 S. 250–253 (Annemarie Staufer); vgl. zu den Motiven auch Falke 1951, S. 42 f.
  2. Auf dem zweiten von links am oberen Rand der über einem Model geschlagene Buchstabe S, H. 0,6 cm. Der Buchstabe auf der Zierplakette besteht aus zwei gleich großen, gleichmäßig gerundeten Bögen. An den Bogenenden sind die nach innen gebogenen Abschlußstriche oben nach unten und unten nach oben lang ausgezogen. An ihren Enden gehen die Abschlußstriche in Knötchen über. Das S war wohl reiner Zierbesatz.
  3. Flemming/Lehmann/Schubert 1990, S. 239 mit Abb. 185.
  4. Meyer 1936, S. 15; Hinz 1964, S. 190 mit Abb. S. 191; Flemming/Lehmann/Schubert 1990, S. 239 mit Abb. 185.
  5. Der heilige Schatz 2008, Nr. 70 S. 250–253 (Annemarie Staufer) mit Vergleichsbeispielen.

Nachweise

  1. Abb.: Hinz 1964, S. 191 Abb.
  2. Flemming/Lehmann/Schubert 1990, Abb. 185.

Zitierhinweis:
DI 75, Halberstadt Dom, Nr. 57 (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di075l003k0005708.