Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 170 St. Marien M.14.–E.15.Jh., E.15.–A.16.Jh., M.16.Jh., 17.Jh., 1770

Beschreibung

Grabplatte für Hans N. N. (B), I. H. (D) und J. N. Wienrich (E). Kalkstein. Hochrechteckige Platte in der nördlichen Turmseitenhalle,1) teilweise von einem hölzernen Grabmal verdeckt. Abnutzung der Oberfläche und das Abtrennen der linken oberen Ecke haben zu Schriftverlust geführt. Von der umlaufenden Inschrift A mit Eckrosetten sind nur noch Reste an der linken Lang- sowie der oberen Schmalseite erhalten. Am oberen Rand des Innenfeldes Inschrift B für Hans N. N. Die folgenden Inschriften stehen dieser gegenüber auf dem Kopf. An der unteren Schmalseite Spuren einer nicht mehr lesbaren Inschrift, darunter eine Hausmarke (H54), die zwischen den Initialen D steht. Unter dieser die stark abgetretene Inschrift C, von der nur noch wenige Buchstaben erhalten sind. Unterhalb der Mitte Inschrift E für J. N. Wienrich, der Anfang nicht einsehbar. Unmittelbar darüber Nummerierung F. Inschriften A und B erhaben in vertiefter Zeile, die übrigen sind eingehauen.

Inschrift E ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 235 cm, Br. 130 cm. Bu. 6,5 cm (A), 9 cm (B), 5,5 cm (C), 3,5 cm (D), 4–6,5 cm (E).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A–C), Kapitalis (D), mit Versalien (E).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    [ - - - ] / mar[ie] virg(in)is obiit aṇ[ - - - ] [ - - - ]ol(us) [ - - - ]s ce[ - - - ] / [ - - - ] / [ - - - ]

  2. B

    hans [....]r[.]

  3. C

    [ - - - ]ne[.....]veṇ

  4. D

    I Ha)

  5. E

    [J. N.] WIENRICH / 1770

  6. F

    5

Übersetzung:

(...) der Jungfrau Maria starb (...). (A)

Kommentar

Aufgrund der starken Beschädigung von Inschrift A ist der ursprüngliche Besitzer der Grabplatte nicht mehr feststellbar. Später gelangte sie in den Besitz von Hans N. N., dessen Identität ebenfalls unbekannt ist. Seine Inschrift (B) ist in einer Variante der späten Form der gotischen Minuskel ausgeführt, die am Ende des 15. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts verwendet wurde (Bokholt-Gruppe, siehe Einleitung, Kap. 8). Die kaum noch lesbare Inschrift C zeugt von einem weiteren Besitzwechsel. Zwischendurch, vermutlich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, gehörte sie I H, vielleicht Joachim Hahn, der 1629 auch eine Grabplatte in der Jacobikirche erwarb (D).2) 1770 kam sie an J. N. Wienrich (E), vermutlich Jürgen Wienrich, der seit 1764 dem Bürgerschaftlichen Kollegium angehörte.3) Wie die Nummerierung F zeigt, war die Platte im 18. Jahrhundert, wohl bevor Wienrich sie erwarb, im Besitz der Marienkirche.

Textkritischer Apparat

  1. I H] Vielleicht für ‚Joachim Hahn‘ (siehe Kommentar).

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 25. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 252.
  2. Kat.-Nr. 112, heute in der Marienkirche.
  3. Gesterding, Erste Fortsetzung, S. 142 (Nr. 171).

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 598 (E).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 170 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0017007.