Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 95 St. Marien 1402, 1619

Beschreibung

Grabplatte für Henning Pederow (A) und Jakob Tile (B). Kalkstein. Hochrechteckige Platte, als unterste Treppenstufe vor dem nördlichen Seitenportal verlegt.1) Die linke Hälfte wird von der darüber liegenden Stufe verdeckt. Alle Inschriften sind stark abgetreten. Von der umlaufenden Inschrift A für Henning Pederow sind nur noch einzelne Buchstaben erkennbar. Inschrift B für Jakob Tile oberhalb der Plattenmitte. Darunter eine eingehauene Hausmarke (H30), die von einem Schild mit der gleichen, hier erhabenen Hausmarke gestört wird. Unterhalb des Schildes Nummerierung C. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B und C eingehauen.

Inschriften A und B ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 228 cm, Br. 86 cm. Bu. 7 cm (A), 5,5–6,5 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal (A), Mischschrift aus gotischer Minuskel und Fraktur (B).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    [Ann]o ˑ d(omi)ni ˑ M ˑ / cccc ii ˑ fer[ia] ˑ iii ˑ ante ˑ leta[re obiit domin]usa) heṇ/ṇingus ˑ ped[erow]b)

  2. B

    [Jacob Til]en vnde sinen e[rven] / 1619

  3. C

    14

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1402 am Dienstag vor Lätare (28. Februar) starb Herr Henning Pederow.  (A)

Wappen:
Tile

Kommentar

Kirchner und ihm folgend Pyl hielten die Jahreszahl 1402 von Inschrift A für fehlerhaft und identifizierten Henning Pederow als den 1483 gestorbenen Ratsherrn und Bürgermeister.2) Die Schriftform, insbesondere die unten bzw. oben stumpf endenden Schäfte von i und u, schließen eine solche Annahme jedoch aus und verweisen auf eine Entstehung zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Die Korrektheit der Jahreszahl steht somit nicht infrage. Bei dem in der Inschrift Genannten könnte es sich um den Vater des späteren Bürgermeisters, der mehrere Häuser in der Büch- und Hunnenstraße besaß,3) oder – wofür der Titel dominus spricht – um einen gleichnamigen Geistlichen handeln. Die Grabplatte kam 1619 in den Besitz des Schlachters Jakob Tile (B), der am 24. September 1603 das Bürgerrecht erworben hatte.4) Später gehörte sie der Marienkirche (C).

Textkritischer Apparat

  1. leta[re obiit domin]us] letare obiit gloriosus dominus noster Pyl. Auch bei starker Abkürzung fehlt der Raum für Pyls Lesung. Die Zusätze gloriosus und noster wären außerdem sehr ungewöhnlich; gloriosus auch bei Kirchner, wohl durch Pyl übernommen.
  2. Der linke Plattenrand wird von der darüber liegenden Stufe verdeckt. Ob eine vierte Inschriftenzeile ausgeführt wurde, lässt sich daher nicht ermitteln.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 96. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 188.
  2. Kirchner, Grabsteine Marienkirche, S. 219; Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 567.
  3. Pyl, Genealogien 5, S. 268f. (Nr. 273).
  4. StA Greifswald, Rep. 3 Nr. 28, Bl. 25v.

Nachweise

  1. Kirchner, Grabsteine Marienkirche, S. 219 (A).
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 567 (A), 600 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 95 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0009507.