Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 75 St. Marien 3.D.14.Jh., 1537, 1623, 1708

Beschreibung

Grabplatte für Nikolaus Stilow (A), Hans Völschow (B), Kaspar Bünsow (C) und Gottfried Friese (D). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im ersten Joch des nördlichen Seitenschiffs.1) Von der linken unteren Ecke wurde ein größeres, von der rechten ein kleineres Stück abgetrennt. Zwischen einfachen Linien entlang der oberen Schmal- und der rechten Langseite Inschrift A für Nikolaus Stilow. Eine weitere Inschrift, die sich daran anschließen sollte, wurde nicht ausgeführt. Von den Eckmedaillons mit den Evangelistensymbolen ist nur noch das in der rechten oberen Ecke erhalten. Im Innenfeld der oberen Plattenhälfte Inschrift C für Kaspar Bünsow mit einem direkt darunter angebrachten Wappenschild, der das untere Ende der zu Inschrift B gehörenden Hausmarke stört. Das untere Drittel des Innenfeldes wird von den Inschriften B und D eingenommen, die gegenüber A und C auf dem Kopf stehen. Am unteren Rand Inschrift D für Gottfried Friese, darüber – in Leserichtung der Inschriften darunter – Inschrift B für Hans Völschow, in der Plattenmitte eine zugehörige Hausmarke (H18). Links neben Schild und Hausmarke die Nummerierung E. Die Inschriften A und C erhaben in vertiefter Zeile, die übrigen eingehauen.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 290 cm, Br. 172 cm. Bu. 9,5 cm (A), 7,5 cm (B), 6–7,5 cm (C), 5,5 cm (D).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), mit Elementen der Fraktur (B), Fraktur mit Elementen der gotischen Minuskel und Kapitalis (C), Kapitalis mit Versalien (D).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    [a]nno [domini - - - ] / mathei ˑ apostoli ˑ o(biit) ˑ nicolaus ˑ stilowe ˑ orate ˑ deu(m) ˑ pro eo

  2. B

    dise sterna) hort hans velscow vnde syner / frvwen vnde synen eruwenb) tho an(n)o 1537

  3. C

    Jasper Bunsow vnde synen erven / ANNO 1623

  4. D

    DIESER STEIN VND BEG[ - - - ]c) / GEHÖRET GOTTFRIED FRIESE . / VND SEINEN ERBEN . / ANNO MDCCVIII .

  5. E

    81d)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn (...) Apostels Matthäus (21. September) starb Nikolaus Stilow. Betet zu Gott für ihn. (A)

Wappen:
Bünsow II

Kommentar

Nikolaus Stilow, der 1364 ein Haus in der Kuhstraße verkaufte,2) ist einer der ersten nachweisbaren Vertreter dieser Familie, die im 15. Jahrhundert einen Bürgermeister und zwei Ratsherren stellte.3) Wenn es sich bei ihm um den in Inschrift A Genannten handelt, ist sie in das letzte Drittel des 14. Jahrhunderts zu datieren.4) 1537 ging die Grabplatte in den Besitz des Ratsherrn (1551–1560) Hans Völschow, Sohn des Ratsherrn Martin Völschow († 1546), verheiratet mit Anna Stevelin, über (B).5) Sein Wappenschild mit derselben Hausmarke wie auf dieser Grabplatte (H18) findet sich auf einem der Kleinen Universitätszepter (Kat.-Nr. 228). An Kaspar Bünsow, geboren 1554 als Sohn von Johannes Bünsow und Elsa Oldehaver, kam die Platte 1623 wohl auf dem Erbweg über seine Ehefrau Dorothea Völschow (C). Die Vermählung fand 1588 statt. Kaspar wurde am Wolgaster Hof Herzog Philipps I. von Pommern zusammen mit dessen Söhnen erzogen, immatrikulierte sich 1574 an der Universität Greifswald und erlangte 1593 das Bürgerrecht. 1607 erfolgte seine Wahl in den städtischen Rat. Er war Provisor des Heilig-Geist- und des Georgenhospitals, bewohnte ein Haus am Markt und starb am 7. März 1627.6) Seine Ehefrau Dorothea Völschow war die Tochter des Ratsherrn (seit 1588) und Bürgermeisters (1607–1613) Martin Völschow und der Anna Lepel sowie Enkelin des auf der Platte als Vorbesitzer ausgewiesenen Hans Völschow.7) 1708 wurde die Platte von Gottfried Friese erworben. Zwischendurch oder später gehörte sie, wie Nummerierung E zeigt, der Marienkirche.

Textkritischer Apparat

  1. stern] Verhauen für steen.
  2. eruwen] Statt richtig erwen.
  3. BEG[ - - - ]] Zu ergänzen zu ‚Begräbnis‘.
  4. 81] Oder 18.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 74. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 208.
  2. Igel, Bürgerhaus, Dokument 37105.
  3. Hinrich Stilow (Ratsherr 1436, Bürgermeister 1443–1477), Henning Stilow (Ratsherr 1418–1420), Markward Stilow (Ratsherr 1424–1428); Igel, Bürgerhaus, Kapitel 4.2.1.
  4. In den Greifswalder Stadtbüchern lassen sich bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts mehrere Mitglieder der Familie Stilow nachweisen, aber kein weiterer Nikolaus.
  5. Pyl, Greifswalder Kirchen S. 430; Pyl, Genealogien 5, S. 182 (Nr. 388), S. 351 (Nr. 388); Voeltzkow/Adam, Völschow, S. 3f.
  6. Pyl, Genealogien 5, S. 387. In der Marienkirche gibt es drei weitere Grabplatten, die dem 1627 verstorbenen Kaspar Bünsow oder seinem gleichnamigen Cousin († 1618) gehörten (Kat.-Nr. 43, 81, 361).
  7. Gesterding, Zweite Fortsetzung, S. 10 (Nr. 27); Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 575; Pyl, Genealogien 5, S. 375 (Nr. 422); Lange, Vitae Pomeranorum, S. 47; Voeltzkow/Adam, Völschow, S. 12f.

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 430 (B), 568 (A), 575 (C), 601 (D).
  2. Voeltzkow/Adam, Völschow, S. 3 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 75 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0007507.