Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 32 Greifswald-Eldena, Zisterzienserkloster St. Marien E.13.–M.14.Jh.

Beschreibung

Grabplatte. Kalkstein. Untere Hälfte einer ehemals hochrechteckigen Platte, in der Chorsüdwand eingemauert. Die Inschrift ist zwischen einfachen Linien umlaufend eingehauen und weist einen Worttrenner in Form eines Doppelpunktes auf. An der rechten Langseite Textverlust durch einen größeren Kantenausbruch. Im Innenfeld als Ritzzeichnung die Darstellung eines Mannes in einem wadenlangen Gewand, im Kopf- und Brustbereich zerstört. Mit seiner linken Hand hält er in Hüfthöhe einen gelehnten Wappenschild. Das Wappenbild ist nicht mehr erkennbar.

Maße: H. 147 cm, Br. 129 cm. Bu. 7,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Jürgen Herold [1/1]

  1. [ - - - ] / [ - - - ]PAṆ[ - - - ]a) [CV]IVS / ANIMAb) : REQVIES/[CAT] IṆ P̣ẸRPETVAc) P[ACE]

Übersetzung:

(...). Seine Seele ruhe in ewigem Frieden.

Kommentar

Die auf Kirchner (1836) zurückgehende und bis heute unwidersprochen gebliebene Zuordnung dieser Platte zu einem Mönch namens Philippus ist unzutreffend.1) Durch das bürgerliche Gewand sowie durch den Wappenschild ist der Verstorbene eindeutig als Laie ausgewiesen. Auch die Lesung des Namens PHILIPPVS durch Kirchner und Pyl trifft nicht zu, da es sich bei dem vermeintlichen H um ein A handelt. Der Kantenausbruch, durch den das Ende des Namens und der Beginn des folgenden Wortes [CV]IVS verloren gingen, muss bereits zu Kirchners Zeiten bestanden haben, da der Rest des vermeintlichen PHILIPPVS mit den beiden Anfangsbuchstaben von [CV]IVS nicht in die Fehlstelle passen würde. Weder Kirchner noch Pyl geben Wortkürzungen an. Deshalb muss man davon ausgehen, dass beide nach der gleichen Befundlage, wie sie noch heute besteht, stillschweigend ergänzt haben.2) Da weder der Name noch das Wappenbild erhalten sind, lässt sich nicht mehr feststellen, wem die Platte gewidmet war. Eine engere Datierung als auf den Zeitraum der Verbreitung der eingehauenen gotischen Majuskel in Greifswald vom Ende des 13. bis etwa zur Mitte des 14. Jahrhunderts ist nicht möglich.

Textkritischer Apparat

  1. PAṆ[ - - - ]] PHILIPPVS Kirchner und Pyl.
  2. ANIMA] ANIME Kirchner.
  3. P̣ẸRPETVA] PERPETVE Kirchner.

Anmerkungen

  1. Kirchner, Grabsteine Eldena, Teil 2, S. 152; Pyl, Eldena, S. 132; Haselberg, Kreis Greifswald, S. 76.
  2. Herold, Äbte, S. 365f.

Nachweise

  1. Kirchner, Grabsteine Eldena, Teil 2, S. 152.
  2. Pyl, Eldena, S. 132.
  3. Haselberg, Kreis Greifswald, S. 76.
  4. Herold, Äbte, S. 365f.

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 32 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0003202.