Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 18 St. Nikolai 1341

Beschreibung

Grabplatte für Lutgard, Ehefrau des Johannes von Wampen (A). Kalkstein. Zwei rechteckige Teilstücke einer ehemals hochrechteckigen Platte im fünften Joch des nördlichen Seitenschiffs.1) Ein schmales Mittelteil fehlt. Das obere Fragment wurde verkehrt herum an das untere angesetzt, die ursprünglich rechte obere Ecke fehlt. Auf der unteren Hälfte verläuft ein Riss diagonal von der Plattenmitte an die rechte untere Ecke und teilt dort die Schriftleiste. Zwischen zwei Linien umlaufend die stark abgetretene Inschrift A für Lutgard. In den Ecken Rosetten. Schriftverlust in der Mitte der beiden Langseiten und rechts an der oberen Schmalseite. Auf dem unteren Bruchstück im Innenfeld nur noch schwach erkennbar ein gelehnter Wappenschild. Vom Oberwappen, das Pyl (1885) noch teilweise beschreiben konnte, ist nichts mehr zu erkennen. Darunter auf dem Kopf stehend die Nummerierungen B und C sowie ein Kreuz. Auf der rechten Seite des oberen Fragments zwei parallele Linien, vielleicht vom Schaft eines Bischofsstabs. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B und C eingehauen.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 139 cm, Br. 89 cm. Bu. 7 cm (A).

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Jürgen Herold [1/4]

  1. A

    AN(N)O D[(OMI)NI] [..] / [..]a) XLIb) ˑ [IP - - - ] O(BIIT) ˑ LUTGAR/HT ˑ VXOR ˑ IO/H(ANN)IS ˑ DE ˑ W[ - - - ]c) ˑ P(RO) ˑ A(N)I(M)A ˑ EI(US)

  2. B

    17

  3. C

    156

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1341 (...) starb Lutgard, Ehefrau des Johannes von Wampen. Betet für ihre Seele. (A)

Wappen:
Wampen

Kommentar

Bei Lutgards Ehemann handelt es sich, wie aus dem Vornamen, dem Beginn des Nachnamens und dem im 19. Jahrhundert noch erkennbaren Wappen zu schließen ist, um Johannes von Wampen, einen Sohn Hermanns von Wampen († vor 1317) und der Sophia Letzenitz. Johannes verständigte sich 1323 mit seinen Brüdern und seiner Mutter über das väterliche Erbe.2) Er war zuerst mit Gertrud, Tochter von Alard Friso, danach in zweiter Ehe mit Lutgard verheiratet und hinterließ mindestens drei Söhne, den Propst Everhard, Hartwich und Hermann3) sowie eine Tochter.4) Die Grabplatte kam später in den Besitz der Nikolaikirche (B, C).

Textkritischer Apparat

  1. Zu ergänzen ist M CCC.
  2. Pyl hatte die gesamte Jahreszahl zunächst als M CCC XXII (1322) gelesen (Pyl, Greifswalder Kirchen, Tf. XI.2), später aber zu M CCC XLI (1341) korrigiert (Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 401f.).
  3. W[ - - - ]] Pyl ergänzt aufgrund des Wappens zu W[ampen orate].

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Nikolai, Nr. 61. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Nikolai, Nr. 41.
  2. Poeck, Stadtbuch, S. 167 (Nr. 989, 1323).
  3. Zu Hermanns Grabplatte in der Kirche von Neuenkirchen (Ldkr. Vorpommern-Greifswald) siehe Kat.-Nr. 60.
  4. Pyl, Genealogien 2, S. 394; Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 401f. (mit Korrekturen seiner älteren genealogischen Angaben auf S. 402, Anm. 1); Pyl, Genealogien 4, S. 168–173 (Nr. 192).

Nachweise

  1. Haselberg, Kreis Greifswald, S. 119.
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 401, Tf. XI.2 (A).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 18 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0001802.