Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 14 St. Marien 1336, 1599

Beschreibung

Grabplatte für Johannes und Willekin Gorislaw (A). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im fünften Joch des nördlichen Seitenschiffs.1) Die obere rechte Ecke ist gebrochen. Das untere Ende der Platte fehlt. Zwei Fragmente, die laut Pyl (1885) in der Annen- und der ihr benachbarten Kapelle lagen, sind nicht mehr auffindbar. Von der zwischen einfachen Linien umlaufenden und mit Eckrosetten versehenen Inschrift A für Johannes und Willekin Gorislaw fehlt daher Text an der unteren Schmalseite und den angrenzenden Teilen der beiden Langseiten. In der Mitte des Innenfeldes ein gelehnter Wappenschild, dessen Metalleinlagen verloren sind. An der unteren Schmalseite auf dem Kopf stehend eine querlaufende Inschrift B, die erste Zeile ausgemeißelt. Die zweite Zeile mit der Jahreszahl blieb erhalten. An der unteren Kante die Spitze eines weiteren, zu B gehörenden Schildes. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B ist eingehauen.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 184 cm, Br. 135 cm. Bu. 8,5 cm (A), Zi. 5,5 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    AN(N)O ˑ D(OMI)NI ˑ M ˑ CCC / X̣X̣X̣ ˑ VI IN ˑ DIE ˑ AG̣APITI ˑ O(BIIT) [IO - - - Sa) (ET) EO]/D(EM) AN(N)O I(N) [ - - - ] / [ - - - IE O(BIIT) W]ILLEKIN(US) ˑ FILI(US) ˑ EI(US) ˑ Q(U)Ib) ˑ I(N) ˑ PACE R(EQUIESCANT)

  2. B

    [ - - - ] / 1599

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1336 am Tag des heiligen Agapitus (18. August) starb (...), und in demselben Jahr am (...) starb Willekin, sein Sohn. Sie mögen in Frieden ruhen. (A)

Wappen:
Gorislaw

Kommentar

Die Familie Gorislaw ist seit etwa 1280 durch den späteren Bürgermeister (1300–1317) Hinrich Gorislaw in Greifswald urkundlich nachgewiesen. In welchem Verwandtschaftsverhältnis der zusammen mit seinem Sohn Willekin unter dieser Grabplatte bestattete Johannes Gorislaw zu Hinrich Gorislaw stand, ist nicht bekannt (A).2) Dadurch dass der Name in Inschrift B später ausgemeißelt wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, an wen die Platte 1599 kam. Unbekannt ist auch, wer als nächstfolgender Besitzer diese Inschrift wieder tilgen ließ, da der untere Teil der Platte, auf dem sich dessen Besitzvermerk vermutlich befand, nicht erhalten ist.

Textkritischer Apparat

  1. IO[ - - - ]S] Vorname wahrscheinlich zu ergänzen zu ‚Johannes‘.
  2. Q(U)I] I hochgestellt.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 160. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 65.
  2. Pyl, Genealogien 4, S. 34–36 (Nr. 55).

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 548, Tf. V (A).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 14 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0001404.