Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 9 St. Marien 1320, 1726

Beschreibung

Grabplatte für den Bürgermeister Lambert und für Sophia Letzenitz (A) sowie für Friedrich R. (B). Kalkstein. Die ehemals hochrechteckige Platte liegt seit 1979 in sechs Teile zersägt und zerbrochen an verschiedenen Stellen in der Turmvorhalle und im Bereich des Haupteingangs von St. Marien.1) Ursprünglich stammt sie aus St. Jacobi, wo sie bereits während der Restaurierung im Jahr 1842 zu Altarstufen verarbeitet worden war.2) Bei der Umlagerung in die Marienkirche hat man die Oberflächen mit dem Zahneisen aufgeraut, wodurch die Lesbarkeit der bereits stark abgetretenen Inschriften zusätzlich beeinträchtigt wurde. Außen umlaufend Inschrift A1 für Lambert Letzenitz, mit Textverlust vor allem im unteren Bereich und am Ende der rechten Langseite. Inschrift A2 für Sophia Letzenitz kreisförmig im Innenfeld. Im Inneren des Kreises ein gelehnter Wappenschild. Das Wappenbild ist nicht erhalten. Unterhalb von A2 in sechs Zeilen Inschrift B für Friedrich R. Als Worttrenner in A Punkte auf der Zeilenmitte und Doppelpunkte. Alle Inschriften sind eingehauen.

Inschrift A1 ergänzt nach Kirchner und Pyl.

Maße: H. 215 cm, Br. 113 cm. Bu. 10 cm (A1), 7 cm (A2), 5,5 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Majuskel (A), Kapitalis mit Versalien (B).

Jürgen Herold [1/3]

  1. A1

    AN(N)O D(OMI)NI M CCC / XX I[N] DIẸ ASSUMPCIO(N)IS [MARIE OBIIT] / [LA(M)BERTUS]a) DE / LECENISCE PROCO[NSUL CIVITATIS]

  2. A2

    HIC IACET D(OMI)NA SOPHIA VXOR ˑ EI(US) ˑ OR(ATE) : P(RO) : EISb)

  3. B

    DIESER STEIN VND / BEGREBNIS VON ZWEI / LEICHEN BREIT / GEHORET FRIDRICH / REIN[.... VND S]EINEN / ER[BEN ANNO] 1726

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1320 am Tag Mariä Himmelfahrt (15. August) starb Lambert Letzenitz, Bürgermeister dieser Stadt. (A1)

Hier liegt Frau Sophia, seine Ehefrau. Betet für sie (beide). (A2)

Kommentar

Lambert Letzenitz (A1), wahrscheinlich ein Sohn des Stralsunder Ratsherrn Everhard Letzenitz, wurde 1304 Ratsherr, zwei Jahre später Bürgermeister von Greifswald. Er erbaute oder erwarb einen Hof (curia) bei der Jacobikirche und starb am 15. August 1320.3) Seine Ehefrau Sophia (A2) starb zwischen 1326 und 1329.4) Der Schriftbefund und auch die für beide Verstorbene formulierte Fürbitte (A2, EIS) legen eine gleichzeitige Entstehung dieser Inschriften nahe. Da in der Inschrift für Sophia auf ein Sterbedatum verzichtet und ein Textformular verwendet wurde, das ein solches nicht vorsieht, ist anzunehmen, dass die Anfertigung der Platte mit beiden Inschriften bereits unmittelbar nach Lamberts Tod in Sophias Auftrag erfolgte.5)

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung des M nach Kirchner.
  2. EIS] EA Pyl.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 299. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Jacobi, Nr. 1.
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 645, Anm. 1.
  3. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 641f.; Pyl, Genealogien 2, S. 393.
  4. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 646. Zu Johannes, Sohn von Lambert und Sophia, der bereits 1323 starb, siehe Kat.-Nr. 10.
  5. Die Grabstelle wäre demnach noch in der Bauphase der Jacobikirche angelegt worden. Laut dendrochronologischem Gutachten wurden die Bäume für das Dachwerk im Sommer 1321 gefällt (nach freundlicher Mitteilung von Torsten Rütz, Greifswald). Daraus ist nicht zu schließen, dass der Dachstuhl bereits in diesem Jahr aufgesetzt wurde, so Buske, Jacobikirche, S. 4.

Nachweise

  1. Kirchner, Letzenitzen, S. 134f. (A).
  2. Haselberg, Kreis Greifswald, S. 89f. (A).
  3. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 646 (A).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 9 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0000900.