Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 422† St. Nikolai 1646

Beschreibung

Epitaph für Matthias Stephani. Es wurde vor der Neugestaltung von St. Nikolai (begonnen 1823) entfernt1) und befand sich wohl bis zu diesem Zeitpunkt am nördlichen Pfeiler vor dem Hauptaltar.2)

Inschrift nach Dähnert.

  1. Der Hochedle Vest und Hochgelahrte Doctor Matthias Stephani Fürtrefflicher Jurisconsultus und Hochverdienter Professor hiesiger Universitaet wie auch Fuerstl(ich) Pommerscher Rath Wolgastischer Regierung ist A(nn)o 1570a) den 24 Febr(uarii) zu Pyritz in Hinter-Pommern an diese Welt gebohren und folglich A(nn)o 1605 nach erwiesenen Proben stattlicher Wissenschaften zum Vicario in der Profession an damaligen Canzlers D(octor) Dan(iel) Rungen Stelle bald darauf zum Extraordinario und nach Absterben seines Bruders D(octoris) Joachimi Stephani zum Ordinario bey der Universitaet imgleichen Regierungs-Rath zu Wolgast durch hohe Bestallung damaliger Hochfürstl(icher) Durchl(aucht) PHILIPPI JULII verordnet worden Und nachdem er dem Akademischen Lehr-Amt durch emsigen Fleiß weltbekannte Schriften hiesigem Orte zum grossen Ruhm ihm selbst aber zum unsterblichen Namen 43 Jahr löblich fürgestanden daneben auch im Ehestande mit seiner ersten Frauen Ilsa Eggards Rostockischen Kaufmanns Johann Eggards Tochter sechs und nach deren Absterben mit Dorothea Seydels D(octoris) Jacobi Seydels hiesigen Professoris Medicinae Tochter dreyzehn Kinder erzeuget ist er endlich A(nn)o 1646 in 77 Jahr seines Alters seelig verschieden der entseelte Cörper aber in dieser Kirche zu seiner Ruhestäte gebracht worden

Kommentar

Die Inschrift auf dem Epitaph für Matthias Stephani ist die einzige für einen Greifswalder Gelehrten überlieferte, die sich der deutschen Sprache bedient. Stephani, ein über Greifswald hinaus bedeutender Jurist seiner Zeit, Bruder von Joachim (Kat.-Nr. 351)3) und Vater von Peter Stephani (Kat.-Nr. 429), starb am 26. August 1646 in Wolgast (Ldkr. Vorpommern-Greifswald). Seine Eltern waren Hippolytus Stephani und Ursula Karstens.4) Nach deren Tod wurde er von seinem älteren Bruder Joachim in Greifswald erzogen und besuchte die Universitäten Greifswald, Königsberg (Kaliningrad), Wittenberg, Leipzig, Jena und Frankfurt/Oder, teilweise schon als Privatdozent. Nach einem Aufenthalt in Rostock und einer Bildungsreise durch Brandenburg, Sachsen, Böhmen und die Pfalz wurde er in Heidelberg zum Doktor der Rechte promoviert. Im Jahr 1599 heiratete er Ilse Eggard aus Rostock, mit der er sechs Kinder hatte und die 1610 starb. Seit 1604 lehrte er in Greifswald, zunächst nur in Stellvertretung, dann als außerordentlicher und (wohl seit 1624) als ordentlicher Professor der Juristischen Fakultät. Er wurde auch zum Hofrat des Herzogs Philipp Julius (1592–1625) berufen. Mit seiner zweiten Ehefrau, Dorothea Seidel, Tochter des Professors für Medizin Jakob Seidel (Kat.-Nr. 253) und der Katharina Zimdars, hatte er sich im Jahr 1611 vermählt.5) Aus dieser Ehe gingen 13 Kinder hervor, von denen vier im Sommer 1630 an der Pest starben.6) Stephani war dreimal Rektor der Universität.7)

Textkritischer Apparat

  1. 1570] Die bei Dähnert wiedergegebene Jahreszahl 1579 widerspricht nicht nur der Angabe in der Inschrift, Matthias Stephani sei im Jahr 1646 im 77. Lebensjahr gestorben, sondern auch dem in den Vitae Pomeranorum (vgl. Anm. 5) genannten Geburtsjahr 1570.

Anmerkungen

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 386 mit Anm. 1.
  2. Biederstedt, Nikolaikirche, S. 50, Anm. 46.
  3. Vgl. Stintzing, Rechtswissenschaft 1, S. 729: Matthias Stephani „war ohne Zweifel der bedeutendere von beiden Brüdern“.
  4. Alle biografischen Angaben zu Matthias Stephani, soweit nicht anders angegeben, nach Kosegarten, Universität 1, S. 232; Alvermann/Dahlenburg, Köpfe, S. 191.
  5. Nach Scheffel, Vitae, S. 82; Lange, Vitae Pomeranorum, S. 329. Ein Glückwunschgedicht zur Hochzeit ebenso wie Gedenkschriften anlässlich seines Todes in UB Greifswald, Vitae Pomeranorum, Bd. 37.
  6. Ältere Matrikel Greifswald 1, S. 513.
  7. Ältere Matrikel Greifswald 1, S. 476, 556, 574.

Nachweise

  1. Dähnert, Denkmale, S. 276 (Nr. XI).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 422† (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0042206.