Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 419† St. Nikolai 1642

Beschreibung

Epitaph für den Generalsuperintendenten Barthold Krakewitz. Ölgemälde1) in einem mit reicher Ornamentik versehenen Holzrahmen, zuletzt 1885 von Pyl beschrieben. Zu dieser Zeit befand es sich in der östlichsten Kapelle des südlichen Seitenschiffs. Im Jahr 1725 war es noch an seinem ursprünglichen Standort an einem Pfeiler gegenüber dem Professorengestühl, also vor der vierten Kapelle des südlichen Seitenschiffs, angebracht.2) Im Jahr 1948 waren die hölzerne Rahmung und die Inschriftentafel bereits stark beschädigt; danach ist das Epitaph nicht mehr nachzuweisen.3)

Der Rahmen bestand aus zwei Säulen, die ein Gebälk trugen; darauf zwischen Engelsfiguren das Wappen Krakewitz. „An den über den Seulen vorspringenden Flügeln des Gebälkes“ die Wappen seiner Ehefrauen. Darüber Figuren des Moses mit den Gesetzestafeln und Christi als guter Hirte. Auf dem Ölbild war der Verstorbene als stehende Ganzfigur in geistlicher Kleidung mit langem Haar und Vollbart dargestellt. Er wies mit einer Hand auf einen auf dem Tisch liegenden Totenschädel, in der anderen hielt er die Bibel. Zwischen zwei mit Engelsköpfen verzierten Konsolen befand sich eine „nach unten halbkreisförmig abgeschloßne Tafel“, auf der die Inschrift angebracht war.

Inschrift nach Balthasar.

  1. Admodum Reverend(us) Nobiliss(imus) ac Incomparabilis Vir D(OMI)N(US) BARTHOLDUS KRAKEVITZ S(acro)s(anctae) Theol(ogiae) D(octor) et Prof(essor) Primar(ius) Consistorii Ducalis Praeses Templi huius Pastor citerioris Pomeraniae et Rugiae Superintendens generalis hereditarius in Praesentz Fritzo Upatel et Drigge praemissis uxore prima MARGARETHA JAEGERS qvatuor filiis VICTORE signifero JOACHIMO in Academiaa) Sorana Theologiae Professore EMANUELE et HENRICO militiae deditis ac filia SOPHIA AGNISA pie ac placide obiit in praedio Driggae 7 Nov(embris) anno Christi 1642 aetatis 61 In cujus memoriam monumentum hoc exstrui curaruntb) vidua relicta REGINA SCHVVARTZEN et ex priori matrimonio superstites filii Albertus et Bartholdus tresque filiae CATHARINA D(omi)n(o) Balth(asar) Rhawen S(acro)s(anctae) Theol(ogiae) Lic(entiato) et Super(intendenti) Stralsundensi Ilsabe D(octori) Moevio Völschovio soceri in officio general(is) Superintendentiae successori et MARGARETHA D(omi)n(o) Abrah(amo) Elvern civitatis hujus Senatori nuptae

Übersetzung:

Der sehr ehrwürdige, hochedle und unvergleichliche Mann Herr Barthold Krakewitz, Doktor der hochheiligen Theologie und Erster Professor, Präses des herzoglichen Konsistoriums, Pfarrer dieser Kirche, Generalsuperintendent von Vorpommern und Rügen, Erbherr auf Presentzke, Fritzow, Upatel und Drigge, starb, nachdem ihm seine erste Ehefrau Margarete Jäger und vier Söhne, der Fähnrich Viktor, Joachim, Professor der Theologie an der Akademie Sorø, Emmanuel und Heinrich, im Militärdienst stehend, und die Tochter Sophia Agnes vorangegangen waren, fromm und friedlich auf dem Gut Drigge am 7. November im Jahr Christi 1642, im Alter von 61 Jahren. Zu seinem Andenken haben dieses Denkmal die hinterbliebene Witwe Regina Schwarz und die aus der früheren Ehe überlebenden Söhne Albert und Barthold sowie die drei Töchter Katharina, (Ehefrau des) Herrn Balthasar Rhaw, Lizentiat der hochheiligen Theologie und Superintendent von Stralsund, Ilsabe, (Ehefrau des) Doktor Mevius Völschow, Schwiegersohn und Nachfolger im Amt des Generalsuperintendenten, und Margarete, Ehefrau des Abraham Elver, Ratsherr dieser Stadt, errichten lassen.

Kommentar

Pyl bezeichnete im späten 19. Jahrhundert das Denkmal als das bedeutendste der Nikolaikirche.

Barthold Krakewitz wurde am 17. Februar 1582 auf dem Gut Presentzke (Halbinsel Wittow, Ldkr. Vorpommern-Rügen) geboren. Seine Eltern waren Viktor Krakewitz und Katharina von der Osten. Nach dem Schulbesuch in Magdeburg, Lüneburg und Stettin (Szczecin) war er von 1599 bis 1603 in Greifswald immatrikuliert, 1604 in Rostock. Im Jahr 1605 wurde er zum Generalsuperintendenten berufen, trat dieses Amt jedoch erst nach einem vom pommerschen Herzog finanzierten Stipendium für die Universität Wittenberg und einer längeren Bildungsreise durch Süddeutschland an. Im Jahr 1607 nahm er seine Amtsgeschäfte als Generalsuperintendent und Präses des Konsistoriums in Greifswald auf, wurde in Rostock zum Doktor der Theologie promoviert und das erste Mal Rektor der Greifswalder Universität.4) Im Jahr 1608 heiratete er Margarete Jäger (1589 – 7. Februar 1630), Tochter des Rostocker Kaufmanns Joachim Jäger und der Ilsabe Stengel, die der Inschrift auf ihrer gemeinsamen Grabplatte zufolge (Kat.-Nr. 369) am 12. Februar 1630 in St. Nikolai bestattet wurde.5) Nach ihrem Tod vermählte sich Barthold Krakewitz mit der wesentlich jüngeren Regina Schwarz (Kat.-Nr. 426). „Im Herbst 1627 erhielt er das Rektorat. Kurz darauf, am 20. November 1627, rückten Wallensteins Truppen in Greifswald ein (...). Inmitten des feindlichen Kriegsvolkes hielt Krakewitz öfter Disputationen über die päpstliche Lehre und feierte in Gegenwart der kaiserlichen Truppen mit der Universität das Jubiläum der Augsburgischen Konfession.“6) Er beriet Herzog Bogislaw XIV. und verfasste zahlreiche Schriften. Vor der zweiten kaiserlichen Besetzung Greifswalds 1637 floh er nach Stralsund. Wegen einer schweren Krankheit schließlich amtsunfähig, vertrat ihn der auf dem Epitaph genannte Schwiegersohn Mevius Völschow. Barthold Krakewitz starb am 7. November 1642 auf seinem Gut Drigge (Ldkr. Vorpommern-Rügen) und wurde am 21. November in St. Nikolai (Greifswald) bestattet.7)

Textkritischer Apparat

  1. Academia] Academia Daniae Dähnert.
  2. curarunt] Fehlt Dähnert.

Anmerkungen

  1. Maße des Ölgemäldes: H. 400, Br. 200 cm (Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 455). Alle Angaben zu diesem Epitaph, sofern nicht anders vermerkt, nach ebenda, S. 455f.
  2. Vgl. Balthasar, Sammlung 2, S. 686; auch Biederstedt, Nikolaikirche, S. 47. Zum Gestühl der Professoren in St. Nikolai, von dem unklar ist, seit wann es sich in der später sog. Akademischen Kapelle befand, vgl. auch Kat.-Nr. 142, Anm. 2.
  3. Als stark restaurierungsbedürftig wird das Epitaph in einem Schreiben vom 21.4.1948 bezeichnet (PfA St. Nikolai, XXIII 9, Arbeitsplan für die Instandsetzungsarbeiten an den Epitaphien des Domes und der Marienkirche zu Greifswald).
  4. Vgl. Buske, Jacobikirche, S. 78; Ältere Matrikel Greifswald 1, S. 367, 405, 443 und öfter. Ein Glückwunschgedicht zu seinem ersten Rektorat in UB Greifswald, Vitae Pomeranorum, Bd. 153.
  5. Geburtsjahr Margarete Jäger nach Lange, Vitae Pomeranorum, S. 158. Ihr Leichenprogramm und zwei Trauergedichte in UB Greifswald, Vitae Pomeranorum, Bd. 20.
  6. Zitat Alvermann/Dahlenburg, Köpfe, S. 119.
  7. Alle Angaben zur Person, sofern nicht anders vermerkt, nach Alvermann/Dahlenburg, Köpfe; vgl. auch DI 55 (Landkreis Rügen), Nr. 136; Heyden, Greifswald-Land, S. 133. Besonders ausführlich zu Leben und Werk des Barthold Krakewitz Balthasar, Sammlung 2, S. 657–688.

Nachweise

  1. Balthasar, Sammlung, 2, S. 686f.
  2. Dähnert, Denkmale, S. 286 (Nr. XXXII).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 419† (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0041906.