Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 325 St. Marien 1605–1616

Beschreibung

Grabplatte für Joachim Bering (B). Kalkstein. Oberes Teilstück einer ehemals hochrechteckigen Platte in der nördlichen Turmseitenhalle.1) Eine unregelmäßige Bruchkante verläuft an der unteren Seite schräg nach rechts unten, die linke untere Ecke ist gebrochen. Die Platte reicht unter ein hölzernes Grabmal, das die Anfänge der Inschriften A und B verdeckt. Inschrift A erstreckt sich halbkreisförmig über den gesamten oberen Teil der Platte. Offensichtlich war sie als geschlossener Kreis konzipiert, denn sie bricht innerhalb des letzten Wortes unvermittelt ab (siehe Kommentar). Unterhalb des Scheitels im Inneren des Halbkreises Inschrift B für Joachim Bering, in der Plattenmitte die Nummerierung C. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B und C eingehauen.

Inschriften A und B ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 168 cm, Br. 193 cm. Bu. 5 cm (A, B).

Schriftart(en): Kapitalis (A), mit Versal (B).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    [NOTVM FAC MIHI DOMINE FINEM MEVM ET NVM]ERVM DIERVM MEORVM QVIS SITa) ˑ VT SCIAM QVID DESIT MIHI ECCE MENSVRABIb)2)

  2. B

    [M(AGISTRI) JOACHIMI] BERINGY ET HAEREDVM

  3. C

    90

Übersetzung:

Zeige mir, Herr, mein Ende und was die Zahl meiner Tage ist, damit ich weiß, was mir (noch) fehlt. Siehe, messbar (hast du meine Tage gemacht). (A)

(Grabstelle) des Magisters Joachim Bering und (seiner) Erben. (B)

Kommentar

Wahrscheinlich ist die Platte beim Anbringen von Inschrift A zerbrochen, die, wenn sie fertiggestellt worden wäre, als geschlossener Kreis über die Bruchkante hinausreichen würde. Inschrift B ist vermutlich gleichzeitig mit A angefertigt worden, da beide, obwohl in verschiedenen Techniken ausgeführt, die gleichen Schriftmerkmale aufweisen. Auffällig ist die in einen weiten Bogen auslaufende, stachelförmige Cauda des R, die häufig bis unter den nächsten Buchstaben reicht, besonders markant vor V und I. Auftraggeber wird in beiden Fällen der in Inschrift B genannte Joachim Bering (1574–1627) gewesen sein. Dieselben Buchstabenformen finden sich auch auf einer weiteren Grabplatte in der Marienkirche, die Bering 1613 erwarb und aufwändig gestalten ließ, vielleicht als Ersatz für diese zerbrochene Platte (Kat.-Nr. 308).3) Magister Joachim Bering wurde 1604 zum Pastor der Marienkirche und Professor der Theologie berufen. Im Jahr darauf heiratete er Barbara Preuß aus Stralsund. Da Inschrift B seine Erben nennt, liegt eine Datierung der beiden Inschriften in die Zeit nach seiner Eheschließung bis 1613 nahe, jedenfalls noch vor 1616, als er zum Doktor promoviert wurde, denn in B wird er nur mit dem Magistergrad genannt.4) Die Nummerierung C zeigt, dass die Platte sich zeitweilig im Kirchenbesitz befand.

Textkritischer Apparat

  1. QVIS SIT] quid est Pyl.
  2. MENSVRABI] Die Inschrift ist nicht zu Ende ausgeführt, das vollständige Wort ist MENSVRABILES, die Fortsetzung lautet nach Ps. (G) 38,5 posuisti dies meos.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 13. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 265.
  2. Ps. (G) 38,5.
  3. Zu seiner Person siehe dort.
  4. Kosegarten, Universität 1, S. 231; Alvermann/Dahlenburg, Köpfe, S. 49; Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 591.

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 397 (A), 591 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 325 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0032502.