Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 294† St. Nikolai 1606

Beschreibung

Epitaph für Joachim Schuhmacher d. J. und seine Ehefrau Katharina Corswant. „Im Laufe der Zeit in Trümmer zerfallen“, vor der Umgestaltung von St. Nikolai (begonnen 1823) entfernt. Die drei Geschosse des Epitaphs wurden von Halbsäulen getragen, oben eine Attika mit einer Statue. Auf dem Epitaph „in mehreren Nischen Darstellungen der biblischen Geschichte“, unten die Inschrift.1)

Inschrift nach Dähnert.

  1. Quis cubat hoc tumulo? nostrae Camerarius urbisEx Schumacherisa) qui Joachimus eratOcto lustra novemque expleverat insuper annosCum sua decedens funera stravit humi5Millenus sextusque et sexcentesimus aeraeNostrae Lux Maii sexta dedere necemCivis erat patriae frugib) sancteque colebatIlle sua verum pro pietate DeumNon sua privatis profudit in usibus usus10Sanctus erat larga sacra iuvare manuPauperibus templis ope subveniente scholisqueProfuit hoc multae nomine laudis habetMille quater sacros florenos pendit in ususHosque una praeter cetera dona vice15Ad latus in tumulo Catharinaque iungitur uxorCorschwanto sata quae Consule patre PetroIlla viro peperit mater foecunda gemellosQui lethi in partu mox obiere diemAnnos addiderat quinquagenaria binos20Mortua cum placida membra quieta iacentQuinque salus mille et sexcentos fuserat annosVicena Octobris primaque morte necatQuae legis heredes ponunt monumenta JochimiUtque tuae sortis sis memor inde monent

Übersetzung:

Wer ruht in diesem Grab? Der Kämmerer unserer Stadt, der Joachim aus (der Familie) Schuhmacher war. Acht mal fünf und dazu neun Jahre (49 Jahre) hatte er erreicht, als er verscheidend seinen Leichnam auf den Boden hinstreckte. Das tausendsechshundertsechste (Jahr) unserer Ära, der sechste Tag des Mai brachten (ihm) den Tod. Er war seiner Vaterstadt ein rechtschaffener Bürger, und gottgefällig verehrte er in seiner Frömmigkeit den wahren Gott. Er verschleuderte sein Vermögen nicht für private Zwecke; der fromme Zweck war, mit freigiebiger Hand die Religion zu unterstützen. Den Armen, den Kirchen und den Schulen nützte er mit helfender Kraft – dadurch hat er hohes Lob (erworben). Viermal tausend Gulden zahlte er auf einmal neben weiteren Stiftungen. An seiner Seite im Grab ist ihm auch verbunden seine Ehefrau Katharina, die eine Tochter des Bürgermeisters Peter Corswant (war). Sie gebar ihrem Mann fruchtbar Zwillinge, die bei der Geburt bald den Tod fanden. Fünzigjährig hatte sie zwei Jahre hinzugelegt, da ihre toten Glieder in friedlicher Ruhe liegen. Tausendsechshundert und fünf Jahre hatte das Heil hinfließen lassen, der einundzwanzigste Oktober bringt den Tod. Was du da liest, haben die Erben hier als Denkmal dem Joachim gesetzt. Damit mahnen sie (dich), deines Schicksals eingedenk zu sein.

Versmaß: Elegische Distichen.

Kommentar

Joachim Schuhmacher d. J., seit 1591 Ratsmitglied2) und städtischer Kämmerer, wurde der Inschrift zufolge im Jahr 1557 geboren und starb am 6. Mai 1606.3) In der Inschrift wird ausdrücklich auch auf seine Wohltätigkeit hingewiesen (ab V. 9): Er vermachte sowohl dem ehemaligen Franziskanerkonvent, dessen Gebäude seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Schule, Armenhaus und Altersheim dienten,4) und dem Georgenhospital Geld.5) Seine Eltern waren Joachim Schuhmacher d. Ä. und dessen erste Ehefrau Christina Meier (Kat.-Nr. 141). Joachims d. J. Ehefrau Katharina, Tochter des Bürgermeisters Peter Corswant (1545–1551) und der Barbara Bünsow (Kat.-Nr. 278),6) wurde im September 1552 geboren und starb am 21. Oktober 1605.7)

Textkritischer Apparat

  1. Ex Schumacheris] Erster Teil des Pentameters fehlerhaft.
  2. frugi] frugis Dähnert.

Anmerkungen

  1. Alle Angaben nach Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 292, 386, Anm. 1, 1414. Wenn die Angabe Pyls zutrifft, dass das Epitaph auf einem Kupferstich des Jahres 1811 zu sehen ist (vgl. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 292f., Anm. 3; der Kupferstich bei Buske, Voraussetzungen, S. 61), kann es sich nur um dasjenige am linken Bildrand, d. h. an der Nordseite des Kirchenschiffs handeln.
  2. Pyl, Genealogien 5, S. 377 (Nr. 426).
  3. Vgl. auch Lange, Vitae Pomeranorum, S. 308. Eine Abschrift seines Testaments, ein Leichenprogramm und eine handschriftliche Lebensbeschreibung in UB Greifswald, Vitae Pomeranorum, Bd. 35.
  4. Dazu Fassbinder, Kloster, bes. S. 158f.
  5. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 1104, Anm. 1, S. 1293.
  6. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 1414. Vgl. Wernicke, Greifswald, S. 527f. (Liste der Greifswalder Bürgermeister), hier S. 537.
  7. Vgl. auch Lange, Vitae Pomeranorum, S. 63. Das Leichenprogramm für Katharina Corswant in UB Greifswald, Vitae Pomeranorum, Bd. 7.

Nachweise

  1. Dähnert, Denkmale, S. 279 (Nr. XVIII).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 294† (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0029409.