Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 214 St. Marien 1489–1510, 2.V.16.Jh., 1619, 1786

Beschreibung

Grabplatte für Cosmas Zittorp (A), N. N. Sukow (C) und Christoph Brandt (D). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im ersten Joch des südlichen Seitenschiffs.1) Die rechte obere Ecke ist abgebrochen, eine umlaufende Inschrift mit Eckmedaillons nicht mehr lesbar. Im oberen Bereich des Innenfeldes Inschrift C für N. N. Sukow. Nur die dritte Zeile mit der Jahreszahl ist unversehrt, die beiden oberen wurden getilgt, sind aber noch teilweise lesbar. Darunter eine zu C gehörige Hausmarke (H65) und unter dieser Inschrift A für Cosmas Zittorp. In der Plattenmitte ein zu A gehörendes, beschädigtes Wappen, rechts davon Nummerierung E. Unterhalb der Plattenmitte die querlaufende Inschrift D für Christoph Brandt, die im mittleren Bereich von einer weiteren Hausmarke (H67) gestört wird. Unter D auf dem Kopf stehend die einzeilige Inschrift B, von der nur noch das Ende erhalten ist. Inschrift C mit Ausnahme der eingehauenen Jahreszahl erhaben in vertiefter Zeile, die übrigen Inschriften eingehauen.

Maße: H. 236 cm, Br. 136 cm. Bu. 10,5 cm (A), 6,5–7 cm (B, D), 5 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A, B), Kapitalis (C, D).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    her cosmas zittorp

  2. B

    [ - - - ] vn(de) sine(n) erve(n)

  3. C

    DISSE S[....] HORET [.....] / SVKOW [...]E S[....] E[....] / 1619a)

  4. D

    DIESE BEGREBNIS GEHO/RET NVN CHRISTOPHER / BRANTEN ZV UND SEINEN / EIGENEN ERBEN 9 JUNIJ / 1786

  5. E

    30

Wappen:
Zittorp

Kommentar

Durch die Zerstörung der ältesten Inschrift lässt sich nicht mehr feststellen, wem die Platte ursprünglich gewidmet war. Später hat sie mindestens sechs Besitzwechsel erfahren. Ende des 15. oder zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam sie an Cosmas Zittorp (A), der 1489 in den städtischen Rat aufgenommen wurde. Er war Provisor des Georgenhospitals, besaß zwei Häuser in der Kuhstraße und starb 1509 oder 1510.2) Da unter den Greifswalder Bürgern nur Ratsmitgliedern die Anrede ‚Herr‘ zustand und Cosmas Zittorp als solcher in der Inschrift bezeichnet wird, ergibt sich für diese aus den genannten Jahreszahlen der Datierungsrahmen. Durch den Verlust des Namens in Inschrift B ist nicht mehr nachvollziehbar, an wen die Platte anschließend – der Schriftform nach im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts (Vargatz/Völschow-Gruppe, siehe Einleitung, Kap. 8) – kam. 1619 wurde die Platte von einem Mitglied der Familie Sukow erworben, bei dem es sich vielleicht um Joachim Sukow handelt, der zwei weitere Grabplatten in der Marienkirche besaß (Kat.-Nr. 211, 284), die er außer mit einer Inschrift auch jeweils mit derselben Hausmarke (H65), wie sie auch auf dieser Platte zu finden ist, versehen ließ. Auf einen weiteren Besitzer verweist die Hausmarke unterhalb des Wappens, an deren Stelle Christoph Brandt 1786 seine Inschrift anbringen ließ (D). Zuvor gehörte die Platte der Marienkirche (E).

Textkritischer Apparat

  1. Die gesamte Inschrift kann ergänzt werden zu DISSE S[TEEN] HORET [.....] SVKOW [VND]E S[INEN] E[RVEN] 1619.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 248. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 46.
  2. Pyl, Genealogien 5, S. 309f. (Nr. 329).

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 570 (A), 601 (D).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 214 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0021404.