Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 213 St. Marien vor 1510, 1640

Beschreibung

Grabplatte für Johannes Erich (A), Klaus Brunstein (B, C) und Katharina Brandes (B). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im fünften Joch des nördlichen Seitenschiffs.1) Die rechte untere Ecke ist abgebrochen. Eine ehemals umlaufende Inschrift ist nicht mehr lesbar. Die Metalleinlagen der zugehörigen Eckmedaillons sind verloren. Im unteren Drittel des Innenfeldes Reste eines gelehnten Wappenschildes. In der Mitte der Platte im rechteckigen Feld ein jüngeres Vollwappen, das zu einer nicht mehr lesbaren Inschrift am oberen Rand des Innenfeldes gehört. Am linken Rand Spuren einer weiteren Inschrift. Im oberen Teil des Innenfeldes entlang der rechten Langseite Inschrift A für Johannes Erich. Der Anfang ist abgetreten, aber noch lesbar. Links daneben eine Hausmarke (H22). Oberhalb des Wappens Inschrift B für Klaus Brunstein und Katharina Brandes. Unterhalb des Wappens ein zu B gehöriger Schild mit einer Hausmarke (H66) und den Initialen C. Am unteren Rand eine ausgemeißelte Inschrift. Darüber Nummerierung D. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, die übrigen eingehauen.

Maße: H. 252 cm, Br. 168 cm. Bu. 10 cm (A), 4,5 cm (B), 5 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), Kapitalis (C), mit Versal (B).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    her iohana) erick

  2. B

    CLAVS BRVNSTEIN VND ˑ / KATRINAE BRANDES VND ˑ / IRER BEIDER ERBEN ˑ ANNO ˑ 1640 ˑ

  3. C

    C Bb)

  4. D

    28

Wappen:
?2)
Brunstein

Kommentar

Wem die Platte ursprünglich gewidmet war, ist durch den Verlust der ältesten Inschrift nicht mehr feststellbar. Später kam sie an Johannes Erich, dessen Inschrift (A) zu einer Gruppe gleichartiger Inschriften vom Ende des 15. oder dem Beginn des 16. Jahrhunderts gehört (Bokholt-Gruppe, siehe Einleitung, Kap. 8). Der nächste Besitzer ließ eine heute nicht mehr lesbare Inschrift am oberen Rand des Innenfeldes einhauen und darunter ein Vollwappen anbringen, das jedoch keiner Greifswalder Familie zugeordnet werden kann. 1640 kam die Platte an Klaus Brunstein und Katharina Brandes, die vermutlich die Inschrift eines weiteren Vorbesitzers am unteren Rand ausmeißeln ließen.

Johannes Erich, Sohn des gleichnamigen Ratsherrn († 1458) und der Taleke Pederow, wurde 1463 in den Greifswalder Rat, 1482 zum Bürgermeister gewählt. Sein Wohnhaus befand sich am Markt an der Ecke zur Rakower Straße. Er besaß außerdem zwei Häuser in der Brüggstraße und starb 1510.3) Katharina Brandes war in erster Ehe mit Matthias Puker verheiratet. Nach dessen Tod vermählte sie sich 1630 mit dem Soldaten Bernhard Kemmer.4) Klaus Brunstein, der Häuser in der Langen Straße, der Knopf- und der Brüggstraße besaß,5) war demnach ihr dritter Ehemann (B, C). Zwischenzeitlich oder später war die Platte im Kirchenbesitz (D).

Textkritischer Apparat

  1. iohan] Jochim Pyl.
  2. Für ‚Claus Brunstein‘.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 161. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 132.
  2. Wappen ? (Arm von links, ein Schwert haltend).
  3. Pyl, Genealogien 5, S. 267 (Nr. 271), S. 290f. (Nr. 301).
  4. Schubert, Trauregister 9, S. 4 (Nr. 137).
  5. StA Greifswald, Grundstückschronik, Straße der Freundschaft (seit 1990 wieder Lange Str.) 104 (1653), Knopfstr. 25 (1658), Brüggstr. 7, 8 (1642/43, 1653).

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 472 (B) , 578 (A).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 213 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0021307.