Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 176 St. Marien M.14.–E.15.Jh., E.15.–A.16.Jh., M.16.Jh., 1652

Beschreibung

Grabplatte für Joachim Balke (B), Nikolaus Berndt (C) und Michel Schultze (D). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im vierten Joch des Mittelschiffs, am Nordende des Quergangs vor dem Altar.1) Die Plattenmitte wird von der kreisförmigen, stark abgetretenen, auf der rechten Seite vollständig verlorenen Inschrift A eingenommen. Im Kreisinneren sind nebeneinander zwei Hausmarken und darunter die auf dem Kopf stehende Nummerierung E eingehauen. Die rechte Hausmarke (H8), zu Inschrift B gehörig, wurde durch Meißelstriche getilgt, die linke (H52) gehört zu C. Über A die querlaufende Inschrift B für Joachim Balke, darüber am oberen Rand Inschrift C für Nikolaus Berndt. Am unteren Rand auf dem Kopf stehend die stark abgetretene Inschrift D für Michel Schultze. Inschriften A und B erhaben in vertiefter Zeile, die übrigen sind eingehauen.

Maße: H. 174 cm, Br. 134 cm. Bu. 9 cm (A), 10 cm (B), 8,5 cm (C), 4,5 cm (D).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (B), mit Versal (A), mit Elementen der Fraktur (C), Mischschrift aus gotischer Minuskel und Fraktur (D).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    + Jste lapi[s - - - ]o[.]em ˑ [..]a[ - - - ]

  2. B

    iachgym balke

  3. C

    clawes berenth sin erue(n)

  4. D

    Michel Schultzen vnd seinen Erben / Anno ˑ 1652 ˑ

  5. E

    12

Übersetzung:

Dieser Stein (...). (A)

Kommentar

Die Datierung von Inschrift A erfolgt nach der Schriftart, Inschrift B gehört zur Bokholt-Gruppe (siehe Einleitung, Kap. 8).

Am Ende des 15. oder zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam die Grabplatte in den Besitz des Joachim Balke (B). Die Familie Balke erscheint zuerst 1426 mit Grundbesitz, als der Bäcker Johannes Balke ein Haus in der Kuterstraße (heute Baderstraße) erwarb. Johannes besaß eine Grabstelle in der Nikolaikirche (Kat.-Nr. 149). Ein Jakob Balke erscheint 1456 als Notar, der Geistliche Nikolaus Balke besaß 1484 ein Haus in der Langen Straße.2) Ein weiterer Jakob Balke erwarb 1614 eine Grabplatte in der Marienkirche (Kat.-Nr. 312). Vermutlich in der Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Platte an den Ratsherrn (1541–1559) und Provisor der Marienkirche Nikolaus Berndt (C), der auch einer der Patrone der Balke’schen Vikarie in der Nikolaikirche war3) und 1556 eine weitere Grabplatte in St. Marien (Kat.-Nr. 169) erwarb. Im Jahr 1652 kam sie in den Besitz von Michel Schultze (D).4) Wie Nummerierung E zeigt, gehörte sie davor oder danach der Marienkirche.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 170. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 112.
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 422f., Anm. 2.
  3. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 381, 387, 927; Pyl, Genealogien 5, S. 346 (Nr. 380). Zur Balke’schen Vikarie siehe auch Kat.-Nr. 149.
  4. Ein Michel Gustav Schulz, „Feldscher und Silberwärter“, vermählte sich am 11. April 1638 mit Magdalena Reiche; Schubert, Trauregister 9, S. 6 (Nr. 221).

Nachweise

  1. Kirchner, Grabsteine Marienkirche, S. 223 (B, C).
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 423, 568 (B, C), 474 (C), 600 (D).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 176 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0017609.