Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 131 St. Marien M.14.–M.15.Jh., 1534

Beschreibung

Grabplatte für N. N. Rabode (A) und Gertrud Vargatz (B). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im zweiten Joch des nördlichen Seitenschiffs.1) Die Kanten sind ausgebrochen, an der rechten Langseite ist die Oberfläche stark abgetreten. Inschrift A für N. N. Rabode umlaufend zwischen einfachen Linien. An der oberen Schmalseite unterhalb von A ehemals eine weitere Inschrift. In der Plattenmitte Inschrift B für Gertrud Vargatz. In der linken unteren Ecke Nummerierung C. Alle Inschriften sind eingehauen.

Maße: H. 123 cm, Br. 85 cm. Bu. 8 cm (A, B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), mit Elementen der Fraktur (B).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    [h]ic requiescit / [ - - - ] rabode qui o[biit] [ - - - ] / [ - - - ] / [ - - - ] [m]athie ap(osto)li ˑ felicis me(m)orie

  2. B

    gardrut vorgas / 1534a)

  3. C

    28

Übersetzung:

Hier ruht (...) Rabode, der (...) des Apostels Matthias starb, seligen Gedächtnisses.  (A)

Kommentar

Der erste Vertreter der Ratsfamilie Rabode, der den späteren Familiennamen als Rufnamen trug, trat 1321 in den Rat ein und war von 1326 bis zu seinem Tod 1338 Bürgermeister.2) Er wurde unter einer anderen Grabplatte in der Marienkirche begraben (Kat.-Nr. 16) und kommt somit als Besitzer dieser Platte nicht infrage. Welchem seiner Nachkommen, unter denen sich bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts vier Ratsherren befanden,3) Inschrift A gewidmet wurde, lässt sich wegen des umfangreichen Textverlustes nicht mehr feststellen. Auch die Ausführung der Inschrift bietet keinen Anhaltspunkt, da die hier verwendete Form der eingehauenen gotischen Minuskel von der zweiten Hälfte des 14. bis etwa zur Mitte des 15. Jahrhunderts belegt ist.4) 1534 kam die Grabplatte in den Besitz von Gertrud Vargatz (B), vielleicht eine Tochter des Ratsherrn (1467–1503) Stephan Vargatz sowie Schwester von Hans und Joachim Vargatz, die zur gleichen Zeit ebenfalls eine Grabplatte in St. Marien besaßen (Kat.-Nr. 13).5) Später gelangte die Platte in den Kirchenbesitz (C).

Textkritischer Apparat

  1. 1534] 1514 Pyl.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 113. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 158.
  2. Pyl, Genealogien 4, S. 67 (Nr. 99).
  3. Everhard Rabode, Ratsherr 1358–1364; Gottschalk Rabode (I), Ratsherr 1373–1382; Nikolaus Rabode, Ratsherr 1397–1400; Gottschalk Rabode (II), Ratsherr 1405–1434; Pyl, Genealogien 4, S. 125 (Nr. 159), S. 155f. (Nr. 181); Pyl, Genealogien 5, S. 216 (Nr. 218), S. 231 (Nr. 233).
  4. Siehe Kat.-Nr. 22, 136.
  5. Pyl, Genealogien 5, S. 294 (Nr. 306).

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 550 (A), 569 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 131 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0013100.