Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 110 St. Marien 1418, 1613, 2.H.17.Jh., 1677

Beschreibung

Grabplatte für Hinrich Vlesch und seine Ehefrau Walburgis (A) sowie für Peter Engelbrecht (B), Christoph Schultz (C) und Christoph Dannehl (D). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im vierten Joch des nördlichen Seitenschiffs.1) Die linke untere und die rechte obere Ecke sind gebrochen. Inschrift A für Hinrich Vlesch und Walburgis zwischen einfachen Linien umlaufend. Bei Hinrichs Inschrift ist vor und nach dem Namen Raum für das Nachtragen der Sterbedaten und Titel freigelassen, die später aber nicht ergänzt wurden. In den Ecken Achtecke mit den Evangelistensymbolen. Schriftverlust beiderseits der rechten oberen Ecke, am unteren Ende der rechten sowie am oberen Ende der linken Langseite. Im Innenfeld ein zu A gehöriges, abgetretenes Vollwappen. Direkt unterhalb des Wappenschildes Inschrift B für Peter Engelbrecht. Unmittelbar darunter ist eine Hausmarke (H35) eingehauen. Oberhalb von B wurden zwei jüngere Inschriften angebracht, die gegenüber den älteren auf dem Kopf stehen. Unterhalb der Zeilenmitte Inschrift C für Christoph Schultz. In der Mitte der oberen Plattenhälfte Inschrift D für Christoph Dannehl. Auf der in Leserichtung rechten Seite wird sie durch eine weitere Hausmarke (H34) gestört. Von den beiden letzten Zeilen ist nur der Anfang lesbar. Sie werden in der Mitte durch eine dritte Hausmarke (H36) unterbrochen, die von der später angebrachten Nummerierung E überformt ist. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, die übrigen eingehauen.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 204 cm, Br. 138 cm. Bu. 5,5 cm (A–C), 6 cm (D).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien (A), Fraktur mit Elementen der gotischen Minuskel (B), Kapitalis (C, D).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    Anno ˑ d(omi)ni ˑ M ˑ cccc 〈 - - - 〉 / 〈 - - - 〉 hinricus ˑ vleesch 〈 - - - 〉 / Anno ˑ d(omi)ni ˑ M ˑ cccc ˑ xviii ˑ d(omi)nica / reminisce(re) ˑ o(biit) wal[burgis v]xor ˑ eius ˑ orate [pro eis]

  2. B

    Peter Engelbrecht vnd sinen erven 1613

  3. C

    DIESER STEIN VND BE/GRAEBNIS VON 2 LEICHEN / BREIT GEHÖRET HERREN / CHRISTOF SCHULTZ

  4. D

    DIESER STEIN VND BE/GREBNIS GEHÖRT / CHRISTOFFER DANNEHLEN / ANNO 1677 / DEN [ - - - ] / IVLIVS

  5. E

    19

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 14(..) (...) Hinrich Vlesch (...). Im Jahr des Herrn 1418 am Sonntag Reminiscere (20. Februar) starb Walburgis, seine Ehefrau. Betet für sie.  (A)

Wappen:
Vlesch

Kommentar

Hinrich Vlesch war der Sohn des Greifswalder Ratsherrn Johannes Vlesch, der um 1415 nach Stralsund übersiedelte und in den dortigen Rat aufgenommen wurde. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Walburgis († 1418), die er unter dieser Grabplatte bestatten ließ, ging Hinrich ebenfalls nach Stralsund und heiratete Wobeke Kummerow, Tochter von Hinrich Kummerow.2) Sein Plan, sich später ebenfalls in Greifswald bestatten zu lassen, kam nicht zur Ausführung, und der ihn betreffende Teil der Inschrift blieb unvollständig. Hinrich rechnete, als er die Platte anfertigen ließ, anscheinend damit, seinem Vater als Ratsherr zu folgen, und reservierte in der Inschrift nach seinem Namen für den entsprechenden Titel (oder den eines Bürgermeisters) den notwendigen Platz. Peter Engelbrecht (B) erwarb diese Platte 1613 aus Privatbesitz, wie eine ältere Hausmarke (H35) belegt, die durch seine Inschrift gestört wird.3) 1677 kam sie an Christoph Dannehl (D). Zuvor oder danach gehörte sie Christoph Schultz (C).4) Zwischenzeitlich oder später war sie im Kirchenbesitz (E).

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 147. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 134.
  2. Pyl, Genealogien 5, S. 209–211 (Nr. 212).
  3. Im selben Jahr erwarb er eine weitere Grabplatte in der Marienkirche, Kat.-Nr. 173, dort auch Angaben zu seiner Person.
  4. Am 8. September 1652 vermählte sich Elisabeth Otte, die Witwe eines Christoffer Schulz, mit Burchardt Voges (Schubert, Trauregister 9, S. 9, Nr. 331). Am 24. Januar 1687 heiratete der Fischer Christoffer Schultz Maria Meykow, Tochter von Bartolt Meykow (Schubert, Trauregister 9, S. 30 Nr. 225).

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 427 (B), 565 (A), 600 (C, D).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 110 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0011001.