Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 108† St. Marien 1415, 16.–1.D.17.Jh.

Beschreibung

Grabplatte für Jakob N. N. (A) und Andreas Schele (B). Nach Pyl (1885) lag die Platte im dritten Joch des südlichen Seitenschiffs,1) heute verloren. Als Grundlage der Beschreibung dient die Abbildung bei Pyl. Zwischen einfachen Linien umlaufend Inschrift A für Jakob N. N. In den Ecken Medaillons mit den Evangelistensymbolen. Schriftverlust an der gesamten oberen Schmal- und der rechten Langseite sowie im oberen Bereich der linken Langseite. Im Innenfeld ein zu A gehörendes Vollwappen.2) Außerdem im Innenfeld Inschrift B für Andreas (Drewes) Schele.3)

Inschriften nach Pyl.

Maße: H. 250 cm, Br. 148 cm (Pyl).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A).

  1. A

    Anno d(omi)ni m cccc xv [...] obiit iacobus [...]

  2. B

    Drewes Schele syn erven

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1415 (...) starb Jakob (...). (A)

Kommentar

Pyl hat anhand des allerdings nur noch undeutlich erkennbaren Adlers im zu Inschrift A gehörigen Wappen darauf geschlossen, dass die Platte ursprünglich einem Angehörigen der Familie von dem Bughe oder Hilgemann gewidmet war. Für die Familie von dem Bughe lassen sich für das 15. Jahrhundert mehrere Personen, darunter aber kein Jakob, nachweisen: ein Henning Bughe als Besitzer eines Hauses in der Steinbeckerstraße (1440), der Guardian des Franziskanerkonvents Nikolaus von dem Bughe sowie dessen Bruder Hans (1481). Allerdings wird für das Jahr 1410 im Stadtbuch ein Magister Jakob Hilgemann genannt.4) Später ging die Platte an Andreas (Drewes) Schele über (B). Einen Hinweis auf die Datierung dieser Inschrift gibt nur die Verwendung des Niederdeutschen, die in Greifswald auf Grabplatten des 16. bis zum ersten Drittel des 17. Jahrhunderts zu beobachten ist.

Anmerkungen

  1. Siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 74.
  2. Nach Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 555f., handelte es sich um das Wappen Bughe (Adler) oder Hilgemann (gespalten, vorn halber Adler, hinten halbe Lilie).
  3. Nach Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 601, war auf der Grabplatte auch für Anna Schele eine Inschrift angebracht, die aber nicht im Wortlaut wiedergegeben wird.
  4. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 566f.

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 555f., 566, Tf. IV.6 (A), S. 601 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 108† (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0010801.