Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 77 St. Marien 3.D.14.Jh., 1604

Beschreibung

Grabplatte für Hermann Werlemann (A) und Martin Simensdorf (B). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im ersten Joch des nördlichen Seitenschiffs, an der rechten Langseite zu etwa einem Viertel der Breite vom Gestühl verdeckt.1) In der Mitte die kreisförmige Inschrift A für Hermann Werlemann. Im Kreisinneren ein Schild mit Hausmarke (H20), der Rest einer zweiten Hausmarke sowie die Nummerierung C. Im oberen Drittel Inschrift B für Martin Simensdorf. Darunter eine dritte Hausmarke (H21), die B an der unteren Zeile schneidet. An der oberen und unteren Schmalseite je ein ausgemeißeltes Schriftfeld. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B erhaben in vertieftem Feld, C ist eingehauen.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 191 cm, Br. 76 cm (sichtbar), 91 cm (Pyl). Bu. 8 cm (A), 6,5 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal (A), Mischschrift aus gotischer Minuskel und Fraktur (B).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    Jste ˑ lapis ˑ p(er)tin(et)a) ˑ hermano ˑ werlem[an orate pro anima eius]

  2. B

    Merten Simensdorpp v[ - - - ]b) / a(nn)o 1604

  3. C

    56

Übersetzung:

Dieser Stein gehört Hermann Werlemann. Betet für seine Seele. (A)

Wappen:
Simensdorf

Kommentar

Die vielleicht aus Werl bei Soest (Westfalen) nach Greifswald eingewanderte Familie Werlemann besaß zu Beginn des 14. Jahrhunderts ein bebautes Grundstück (curia) am Nikolaikirchhof.2) Pyl (1885) nahm an, dass es sich bei Hermann um einen Sohn von Gerhard Werlemann handelt, der in den 1320er Jahren ein Haus in der Fischstraße bewohnte.3) Seine Ehefrau und somit Hermanns Mutter könnte nach Pyl 1360 gestorben und unter der Grabplatte Kat.-Nr. 44 in der Marienkirche bestattet worden sein.4) Unter dieser Voraussetzung ist eine Datierung von Inschrift A auf das letzte Drittel des 14. Jahrhunderts anzunehmen, was auch von den Schriftmerkmalen bestätigt wird. Später ist die Familie in Greifswald nicht mehr nachzuweisen, wenn sie sich nicht seit der Mitte des 14. Jahrhunderts ‚von Werle‘ nannte.

Im Jahr 1604 kam Martin Simensdorf (II) in den Besitz dieser Grabplatte. Eine zweite gehörte ihm ebenfalls (Kat.-Nr. 283). Seine Kinder Martin (III) und Ilsabe errichteten den Eltern 1617 in St. Marien ein heute nicht mehr erhaltenes Epitaph (Kat.-Nr. 326, dort mehr zu den Personen).

Textkritischer Apparat

  1. p(er)tin(et)] Am Wortende tironisches et.
  2. v[ - - - ]] Zu ergänzen zu vnde sinen erven.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 79. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 203.
  2. Poeck, Stadtbuch, S. 75 (Nr. 542, 1309), S. 89 (Nr. 614, 1311).
  3. Poeck, Stadtbuch, S. 156 (Nr. 945, 1322).
  4. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 559f.

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 560 (A), 580 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 77 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0007701.