Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 56 St. Nikolai 3.V.14.Jh.

Beschreibung

Grabplatte für Lambert und Hinrich Bruser (A). Hochrechteckige Platte im dritten Joch des nördlichen Chorumgangs.1) Die rechte untere Ecke und der untere Rand sind beschädigt. Inschrift A für Lambert und Hinrich Bruser kreisförmig, die gesamte untere Plattenhälfte ausfüllend. Durch die Beschädigung der Platte ist rechts unten etwa ein Drittel der Schriftleiste verloren. Im Kreisinneren ein gelehnter Wappenschild. Darüber das Oberwappen, fast die gesamte obere Plattenhälfte einnehmend. Der Helm unterbricht im oberen Scheitel des Kreises die Inschrift. In der Mitte der oberen Schmalseite ein eingehauenes Andreaskreuz, daneben ein auf dem Kopf stehender Bischofsstab. Links davon die ebenfalls auf dem Kopf stehende Nummerierung B. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B ist eingehauen.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 120 cm, Br. 81 cm. Bu. 6,5 cm (A).

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

Jürgen Herold [1/2]

  1. A

    ˑ hic iacet ˑ lam[bert(us) bruser et hinricus]a) ḅṛụṣer orate deu(m) pro eis

  2. B

    72

Übersetzung:

Hier liegen Lambert Bruser und Hinrich Bruser. Betet zu Gott für sie. (A)

Wappen:
Bruser

Kommentar

Die kreisförmige Inschrift als Rahmen eines Wappenschildes unter einem Oberwappen ist einzigartig im Greifswalder Inschriftenbestand.

Nach Pyl handelt es sich bei den unter dieser Grabplatte Bestatteten um die Brüder Lambert d. J. und Hinrich Bruser, Söhne Lamberts d. Ä. und der Berta.2) Lambert d. Ä. besaß je ein Haus in der Büch- und in der Rotgerberstraße, die er 1319 mit Zustimmung seiner Ehefrau und der beiden genannten Söhne verpfändete.3) Berta schloss jedoch, entgegen Pyls Angabe, 1323 nicht mit beiden Söhnen eine Erbteilung, sondern zahlte ihren Sohn Hinrich aus.4) Dass es sich bei diesem Hinrich um denjenigen handelte, der, so Pyl, erst seit 1368 Geistlicher war und 1371 zuletzt erwähnt wurde, ist wegen des großen zeitlichen Abstands ausgeschlossen. Da die Inschrift in gotischer Minuskel, die in Greifswald in den fünfziger Jahren des 14. Jahrhunderts in Gebrauch kam, ausgeführt wurde, ist zwar eine Datierung auf die Jahrzehnte nach der Jahrhundertmitte anzunehmen, die Datierung der Inschrift in das Jahr 1375 durch Pyl ist hingegen nicht plausibel. Wie der Bischofsstab und Nummerierung B belegen, war die Platte spätestens seit dem 16. Jahrhundert im Kirchenbesitz.

Textkritischer Apparat

  1. [hinricus]] [hin]ricus Pyl, Anfang des Namens ergänzt.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Nikolai, Nr. 122. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Nikolai, Nr. 27.
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 405.
  3. Poeck, Stadtbuch, S. 139 (Nr. 875, 1319).
  4. Poeck, Stadtbuch, S. 168f. (Nr. 993, 1323).

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 405, Tf. XII.2 (A).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 56 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0005602.