Inschriftenkatalog: Stadt Essen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 81: Stadt Essen (2011)

Nr. 80 London, National Gallery um 1490

Beschreibung

Tafelbild aus der Abtei Werden.1) Öl auf Eichenholz. Das Gemälde zeigt die Bekehrung des heiligen Hubertus. Im Vordergrund kniet Hubertus vor einem Hirsch, in dessen Geweih ein Kruzifix mit Kreuztitulus steht. Im Nimbus des Heiligen sind Reste einer punzierten Inschrift in gotischer Minuskel zu sehen, die so stark überarbeitet ist, dass sie nicht mehr entziffert werden kann.2) Bei der Tafel handelt es sich um die Innenseite des linken Flügels eines Flügelaltars, von dem auch beide Seiten des rechten Flügels, auf Leinwand übertragen, noch erhalten sind. Auf der Innenseite des rechten Flügels ist die Messe des heiligen Hubertus dargestellt; auf den Außenseiten die Heiligen Antonius, Liudger (?), Hubertus und Gereon (linker Flügel) sowie Hieronymus, Benedikt (?), Aegidius und Bernhard (?). Die Gemälde wurden im Zuge der Säkularisation des Klosters Werden 1803 verkauft. Aus dem Besitz des Regierungsrats Krüger (seit etwa 1847) gelangten sie 1854 in die National Gallery in London.

Maße: H. 123 cm; B. 83,2 cm; Bu. ca. 0,4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. I N R I3)

Kommentar

Die vier Tafelbilder des Flügelaltars stehen stilistisch den Werken des Kölner Meisters des Marienlebens nahe und wurden ihm lange zugeschrieben.4) Hans Martin Schmidt identifizierte sie dagegen 1978 als Werke des ebenfalls nach Köln lokalisierten Malers mit dem Notnamen ‚Meister des Bonner Diptychons’ und ordnete sie zeitlich um 1490 ein.5)

Die Verehrung des heiligen Hubertus in Werden ist erstmals in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts belegt: Reliquien des Heiligen werden in der Inschrift am sog. Nap des heiligen Liudger erwähnt.6) In der im 16. Jahrhundert von Grund auf neu errichteten Stephanuskirche war der heilige Hubertus einer der Altarpatrone.7) Ein Hubertuspatrozinium hatte auch die Kapelle in Heiligenhaus, die zur Werdener Pfarrei St. Clemens gehörte und damit dem Kloster Werden unterstellt war.8)

Vielleicht wurde der Flügelaltar von Abt Anton Grimmolt (1484–1517) in Auftrag gegeben.9) Er ließ in seiner Amtszeit die Kirche neu ausstatten und bestellte z. B. auch bei dem Weseler Maler Jan Joest neue Tafeln für den Hochaltar.10)

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. NG 252.
  2. Schmidt, Meister des Marienlebens, S. 246, Nr. 46.
  3. Io 19,19.
  4. Levey, German School, S. 89.
  5. Schmidt, Meister des Marienlebens, S. 103ff.
  6. Vgl. Nr. 49.
  7. Vgl. Nr. 107.
  8. Schmidt, Meister des Marienlebens, S. 280.
  9. Levey, German School, S. 89; Schmidt, Meister des Marienlebens, S. 163, Anm. 669; Kat. Essen 1999, S. 354 (R. S[tephan-]M[aaser]).
  10. Anonymus, Annales, S. 77. Zu den Werdener Tafeln von Jan Joest vgl. Wallmann, Schöpfer, passim.

Nachweise

  1. Levey, German School, S. 88.

Zitierhinweis:
DI 81, Stadt Essen, Nr. 80 (Sonja Hermann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di081d007k0008008.