Inschriftenkatalog: Stadt Essen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 81: Stadt Essen (2011)

Nr. 75 Ruhr Museum 1483

Beschreibung

Ratsglocke.1) Bronze. Die flache Haube ist einfach profiliert. Um die Schulter verläuft zwischen Stegen die Glockeninschrift mit Herstellungsvermerk. Darunter befindet sich das schräggestellte Wappen der Stadt Essen. Der Wolm ist mit drei Stegen ausgestattet. Die Glocke hing bis 1840 im ersten Essener Rathaus und danach vermutlich auch im 1840 erbauten zweiten Rathaus.2) Nach dessen Abriss 1873 gelangte sie in Privatbesitz.3) Über den ‚Historischen Verein für Stadt und Stift Essen’, der die Glocke 1901 in seiner ‚Ortsgeschichtlichen Ausstellung’ zeigte, kam sie schließlich zur Sammlung des heutigen Ruhr Museums.

Maße: H. 43 cm; Dm. 47 cm; Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/6]

  1. · m cccc l xxx iij assendensis consulat(us) campana co(n)structa ·

Übersetzung:

1483 (wurde) die Glocke des Essener Rats angefertigt.

Wappen:
Stadt Essen.

Kommentar

Zur Markierung von Anfang und Ende der Inschrift dienen Kreise mit einem Punkt in der Mitte. Bei u ist zur Unterscheidung vom n der rechte Schaft oben linksschräg geschnitten. Der Linksschrägschaft des x ist senkrecht gestellt, der Rechtsschrägschaft ist im oberen Abschnitt als Fahne ausgeführt, der untere Abschnitt ist auf einen Haarstrich reduziert, der hakenförmig nach rechts umgebogen ist. Hakenförmig umgebogene Zierlinien finden sich auch bei e, r und s sowie bei der us-Kürzung bei consulat(us). Die Ober- und Unterlängen reichen deutlich über das Mittelband hinaus.

Das Recht des Glockenschlags wurde der Stadt Essen bereits 1372 von Kaiser Karl IV. verliehen und von dessen Nachfolgern mehrfach bestätigt.4) Eine Glocke zum Zusammenrufen des Rats wird beispielsweise 1422 genannt.5) Weitere Anlässe, die Ratsglocke zu läuten, waren die Verlesung von Ratsbeschlüssen, die Aufforderung zur militärischen Gefolgschaft und die Ausführung von Prangerstrafen auf dem Marktplatz.6) Die Tatsache, dass die städtischen Nachtwächter auf dem Turm des Rathauses postiert waren, weist darauf hin, dass die Glocke möglicherweise auch als Brandglocke diente.7)

Das Essener Stadtwappen mit dem schräggestellten Schwert entwickelte sich im 15. Jahrhundert in Anlehnung an die Essener Siegel, auf denen bereits seit dem 13. Jahrhundert Maria und die Stiftspatrone Cosmas und Damian abgebildet waren.8) Spätestens zu Beginn des 15. Jahrhunderts war man sich sicher, mit dem ottonischen Schwert im Stiftsschatz das Hinrichtungswerkzeug der Heiligen zu besitzen.9) Das schräggestellte Schwert im Schild ist zum ersten Mal 1479 im Essener Briefsiegel überliefert, seit dem 15. Jahrhundert dient es außerdem als Beschauzeichen der Stadt.10) Es ist bis heute Bestandteil des Essener Stadtwappens.

Anmerkungen

  1. Kulturhistorische Sammlungen / Mittelalter und Frühe Neuzeit; Altbestand.
  2. Vgl. Kat. Essen 2004, S. 50, Nr. 8 (J. Gerchow).
  3. Vgl. Arens, Siegel, S. 16, Anm. 2.
  4. Feldens, Glocken, S. 78.
  5. Geuer, Stadtrat, Anlage VIII, S. 95.
  6. Feldens, Glocken, S. 79.
  7. Kat. Essen 2004, S. 50, Nr. 8 (J. Gerchow).
  8. Arens, Siegel, S. 13ff.
  9. Vgl. Nr. 90.
  10. Arens, Siegel, S. 14; Kat. Essen 2004, S. 50, Nr. 8 (J. Gerchow).

Nachweise

  1. Arens, Siegel, S. 16.
  2. Feldens, Glocken, S. 79.
  3. Jahn, Geschichte, S. 185.
  4. Kat. Essen 1995, S. 96, Nr. 75, mit Abb. und Übersetzung.
  5. Fehse, Stadtgeschichten, S. 201, mit Abb. und Übersetzung.
  6. Kat. Essen 2004, S. 50, Nr. 8, mit Abb. S. 51 und Übersetzung (J. Gerchow).

Zitierhinweis:
DI 81, Stadt Essen, Nr. 75 (Sonja Hermann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di081d007k0007507.