Die Inschriften des Enzkreises

5. Die Schriftformen

Frühe Majuskelschriften

Im Kloster Maulbronn ist eine der bis zum Hochmittelalter noch seltenen datierten Bauinschriften an einer Lisenenbasis der Westseite des steinernen Klausurgebäudes eingemeißelt; sie bezeichnet den Baubeginn mit dem Jahre 1201 (nr. 3). Schriftgeschichtlich ist sie bemerkenswert, weil sie den Übergang von der romanischen Majuskelschrift zur späteren ausgebildeten gotischen Majuskel deutlich erkennen läßt62). Die Inschrift ist sehr feinstrichig ausgehauen, ihre Buchstaben sind schmal und gestreckt. Sie orientieren sich am Alphabet der Kapitalis, ohne deren klassische Formen anzustreben. A hat einen langen Deckstrich mit zwei abschließenden Querstrichen und ist einmal bereits in einer Form ausgehauen, die zum halbunzialen A überleitet: die linke Haste ist gewellt und leicht ausgebaucht, ihr Ende schneckenförmig eingerollt. Das M hat die unziale Form mit dem links geschlossenen Bogen, N ist einmal der Kapitalis entnommen, das folgende N dagegen der Unzialis. Bei M, N und R sind die Enden der Hasten eingerollt, fast alle Buchstaben haben Serifen an den Enden oder an dem Winkel, den zwei aufeinandertreffende Hasten bilden. Ausgehend von dieser datierten Inschrift läßt sich auch die Nachzeichnung der Inschrift am romanischen Portal der ehemaligen Wallfahrtskirche in Bilfingen (nr. 2) beurteilen: sie zeigt eine ganz ähnliche Feinstrichigkeit der Schrift und gibt vergleichbare Serifen an den Hasten von M und N wieder. Alle Buchstaben haben Kapitalis-Charakter; das berechtigt dazu – soweit eine Nachzeichnung als verläßliche Grundlage angesehen werden darf – die Inschrift noch ins 12. Jahrhundert zu datieren.

nr. 2 Bilfingen

Die Inschrift der Maulbronner Glocke des Conrad von Fulda ist ebenfalls noch als romanische Majuskel anzusprechen (nr. 4). Die Buchstaben sind in zwei Zeilen untereinander in den Mantel eingeschnitten, sie folgen (mit Ausnahme von D und E) immer dem Alphabet der Kapitalis, haben breite Sporenansätze und gelegentlich Doppelstriche. Der Gedenkstein für Bischof Ulrich von Speyer in Maulbronn (nr. 9) steht ebenfalls noch in der Tradition der romanischen Majuskel; die Schrift ist feinstrichig ausgeführt, die Tendenz zur Flächigkeit der Einzelbuchstaben ist aber bereits deutlich erkennbar. Das C ist einmal durch einen vorderen Abschlußstrich geschlossen. Als neue Unzialbuchstaben treten E, T und U (je einmal) auf. Die Aufschwellung der Bögen bei C, (unzialem) N, O, P und S und der Hastenenden bei E, H. I und V verraten die neu eindringenden Stilelemente. Im Ganzen wirkt die Schrift noch sehr linear. Dabei zeigt eine genaue Betrachtung Ungleichheit in den einzelnen Wörtern. Die Beschriftung der rechten Leiste verwendet keinen einzigen unzialen Buchstaben. Möglicherweise waren zwei verschiedene Steinmetzen an der Arbeit beteiligt.

[Druckseite XXIV]

Die gotische Majuskel

Im Verlauf des 13. Jahrhunderts geht die Entwicklung der Monumentalschrift deutlich zur ausgebildeten gotischen Majuskel weiter. Sie ist im Bearbeitungsgebiet mit 24 erhaltenen Beispielen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts gut zu belegen, obwohl in Maulbronn gerade die ältesten Grabsteine aus dem Kapitelsaal (insgesamt 10) bei Baumaßnahmen verloren gingen, die nachweislich in gotischer Majuskel beschriftet waren. Das starke Gewicht der Maulbronner Überlieferung im Hinblick auf die Geschichte der Monumentalschrift verdeutlicht ein Vergleich mit der Überlieferung des benachbarten Bearbeitungsgebietes: im Großkreis Karlsruhe setzt die Überlieferung datierter Inschriften erst mit 1358 ein, die gotische Majuskel ist nur mit 9 Beispielen zu belegen63). Die günstige Überlieferungslage erlaubt einen Überblick über die verschiedenen Formen dieser Schriftart.

nr. 3 Maulbronn

nr. 9 Maulbronn

nr. 11 Maulbronn

Die Figurengrabsteine der Speyerer Bischöfe können dabei als Ausgangsbasis herangezogen werden64). War der Gedenkstein für Bischof Ulrich noch in romanischer Majuskel beschriftet, so erweist sich demgegenüber die Schrift des Günther-Steins (nr. 11) als deutlich fortgeschritten. Alle Buchstaben sind dem unzialen Formenkanon entnommen; die ‚Ausrundung’ von innen her und damit die Verselbständigung des Einzelbuchstabens ist augenfällig. C und E sind nunmehr durch Abschlußstriche rechts abgeschlossen. M ist symmetrisch und hat einen Fußstrich, der beide Bögen zusammenschließt, das unziale U hat einen Deckstrich. Die Tendenz der Entwicklung ist an dem unzialen T im Namen des Bischofs besonders gut sichtbar: der an sich nach rechts offene Bauch des T ist mit einem Abschlußstrich versehen, so daß eine dem unzialen U sehr ähnliche Kontur entstanden ist, von ihm zu unterscheiden im Grunde nur durch den leicht geschweiften Deckstrich des T. Damit ist um 1275/80 in Maulbronn die gotische Majuskel voll ausgebildet. Weitere undatierte Denkmäler aus dem Klosterbereich lassen sich nach den beschriebenen Kennzeichen der Schrift ebenfalls noch in die letzten Jahrzehnte des 13. Jahrhunderts einreihen. Die mit sichtbarem Bemühen um ornamentale Wirkung gemeißelte Grabschrift für die Ritter Conrad und Ludwig von Luneburg (letzterer urkundlich 1241 genannt), läßt sich vom Schriftbefund her am ehesten um oder kurz nach 1270 datieren (nr. 17). Neigung zur Flächigkeit wird in den sehr stark betonten Dreieckssporen an den Enden der Hasten oder an deren Schnittpunkten sichtbar, weit ausschwingende Auf- und Abstriche (L, M, R, vs-Kürzung) zeichnen auch den einzelnen Buchstaben als ornamentales Gebilde nach. Eine sehr stark verwitterte oder abgetretene Grabplatte für Conrad von Bernhausen (nr. 6), durch sein Todesjahr auf 1271 festzulegen, zeigt in den noch erkennbaren Schriftzügen starke Ähnlichkeit mit der Inschrift des Figurengrabsteins für Bischof Günther von Speyer. Fortgeschrittener ist die Schrift der Baumeisterkonsolen im Kreuzgang (nrr. 19, 20). Alle Möglichkeiten unzialer Formen werden – auch mit Abwandlungen – ausgenutzt, [Druckseite XXV]  die Wirkung der Schrift als oberes Abschlußband der Konsole ist deutlich berechnet. Einzelne Buchstaben zeigen bereits die Tendenz zur Streckung, die später zur hohen Form der gotischen Majuskel führt. Die dadurch bedingte ungleichmäßige Höhe der Schrift ist offensichtlich nicht Unvermögen, sondern soll Bewegung in das Schriftbild tragen, um so eine Art bandförmiges Ornament zu schaffen. Stellvertretend für die hohe Form der gotischen Majuskel, bei der das Verhältnis von Höhe zu Breite fast 2 : 1 beträgt, stehen in Maulbronn die Grabsteine des Johannes Hormich aus Speyer (nr. 29) aus dem Jahre 1358 und der Pela, Guta und Irmela (Phennerin?) aus dem Jahre 1387 (nr. 39). Die schmalen Buchstaben haben verdickte Schaftenden, I einen Knoten in der Mitte des Schaftes, P erscheint mit weit herabgezogenem Bauch, die Buchstaben C und D sind spiegelverkehrt nahezu identisch gebildet. Kapitale Buchstabenformen neben möglichen Unzialen sind nur noch bei T und V verwendet. Gleiche Eigentümlichkeiten lassen sich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts fast überall in der Monumentalschrift nachweisen, eine gewisse Vereinheitlichung setzt sich durch65). Abweichend davon zeigen aber Denkmäler aus Heimsheim (1366, nr. 30), Kieselbronn (1383, nr. 35) und Königsbach (1386, nr. 38) noch eine eher breite Form der Majuskel bei durchaus flächiger Ausführung der Einzelbuchstaben.

Die Gewölbemalereien in Schützingen und Großglattbach, für deren Beischriften gotische Majuskel verwendet wurde, können allein von der Schrift her kaum zuverlässig datiert werden (nrr. 13, 48). Gemalte Schriften unterliegen bei der Freilegung und Restaurierung leicht einer Veränderung, die spezifische Schrifteigentümlichkeiten ungewollt verwischt. Kunsthistorische Gesichtspunkte sprechen bei der Ausmalung in Schützingen für Entstehung noch im 13. Jahrhundert. Da Freskeninschriften in der Entwicklung den Steininschriften – durch die Technik bedingt – immer um einige Jahrzehnte vorangehen, widerspricht die schon voll ausgebildete gotische Majuskel diesem Zeitansatz nicht66). Deutlich später ist die Schrift der Großglattbacher Malereien, für die eine Entstehung in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wahrscheinlich ist. Kennzeichnend sind vor allem die tropfenartigen Verdickungen an den Bögen und Hasten. Die Beischriften des Maulbronner Wappenfrieses im Langhaus der Klosterkirche (nr. 41) sind mehrfach übergangen und entziehen sich deshalb schriftgeschichtlicher Beurteilung.

Die gotische Minuskel

Das früheste Denkmal mit einer Inschrift in gotischer Minuskel findet sich im Bearbeitungsgebiet wiederum in Maulbronn. Es ist die in einen Strebepfeiler des Chores außen eingemeißelte Grabschrift des Abtes Johannes von Rottweil, der 1377 verstorben ist und die Beisetzung auf dem Herrenkirchhof hinter dem Chor wünschte (nr. 33). Der Anbringungsort ist ebenso ungewöhnlich, wie die Einmeißelung der Schrift in mehrzeiligem Block – mit Rücksicht auf die Versform – und die Wahl der Schrift. Zwar ist die Verwendung der gotischen Minuskel seit dem zweiten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts in der Monumentalschrift nachweisbar, aber ihre weitere Verbreitung setzte erst in den siebziger Jahren des Jahrhunderts ein. Bis zu diesem Zeitpunkt wird sie eher singulär für Denkmäler von hohem Rang und künstlerisch hervorragender Qualität benutzt: so 1320 und 1328 in Mainz, 1340 im mainzischen Fritzlar, 1341 in Lübeck und 1342 in Göttingen67). Auch die weiteren Daten bis über die Jahrhundertmitte hinaus (1342 Frauenburg, 1349 Erfurt, 1351/53 Lauf/Pegnitz, 1354 Freiburg) stehen im Zusammenhang mit Weihe- oder Bauinschriften, die Bauten von besonderer Bedeutung bezeichnen68). Das muß als Indiz dafür gewertet werden, daß die Rezeption einer neuen Schriftart in der Monumentalschrift nicht unabhängig von der Frage nach dem Material und der handwerklich-künstlerischen Technik zu betrachten ist. Für Maulbronn dürfte die noch relativ frühe Anwendung der Minuskel unmittelbar auf die Anregung aus der Buchschrift zurückzuführen sein. Charakteristisch ist bei der Strebepfeilerinschrift die deutliche Einbindung in ein Zweilinienschema, wie es der gotischen Majuskel entsprochen hätte; bei einer Minuskel bedingt es den fast völligen Verzicht auf Ober- und Unterlängen, wie es bei den Buchstaben d, g, p, q und t deutlich sichtbar ist. Die eingemeißelten Zeilenbegrenzungen erzwingen diese Einschränkung noch zusätzlich. Versalien sind nicht verwendet, [Druckseite XXVI] die Worte stehen eng aneinandergedrängt, sind aber durch Punkte in Zeilenmitte voneinander getrennt.

Bis zum Ende des Jahrhunderts bleibt die Minuskel noch auf vereinzelte Anwendung beschränkt (1386 in Maulbronn; nr. 37, nicht erhalten; 1393 in Remchingen; nr. 40). Unmittelbar nach der Jahrhundertwende ist die Rezeption der Minuskel in der Monumentalschrift fast übergangslos vollzogen. Die in Maulbronn zeitlich folgenden Denkmäler mit Minuskelbeschriftung zeigen eine meist eng gedrängt stehende Schrift ohne Versalien, sie ist stark gekürzt. Diesen Typus vertreten die Denkmäler aus den Jahren 1408 (nr. 52), 1414 (nr. 55) und 1419 (nr. 56). Erst nach 1420 ist eine freiere Umsetzung der aus der Buchschrift übernommenen Minuskel in die Monumentalschrift zu beobachten; in den Jahren 1427, 1428 und 1429 (nrr. 59, 60, 61) finden sich Versalien verwendet, zunächst in der Form vergrößerter Minuskelbuchstaben (M), dann aber auch in Formen, die auf zeichnerische Vorlagen hinweisen könnten (E, S), die aber in einer Minuskel fast als Fremdkörper wirken. Versalien aus der gotischen Majuskel kommen in nr. 61 zur Anwendung. Für alle drei Schriften kann vielleicht der gleiche Steinmetz in Anspruch genommen werden. Typisch ist das Majuskel-A mit links weit ausgreifender Haste und das Minuskel-s, dessen rechter Bauch weit vorgeschoben ist. Danach könnte auch der Stein für den Abt Boyngus von Menterna (nach 1432, nr. 67) in die gleiche Reihe gehören. Eine völlig ungewohnte Schriftanordnung wurde bei einem Grabstein des Jahres 1438 (nr. 68) gewählt: der Name ist in drei überdimensionalen Zeilen auf die Plattenfläche verteilt, zwischengeschoben sind jeweils zweizeilig in kleinerer Minuskel Sterbetag, -jahr und -ort. Bei einem Maulbronner Sühnekreuz von 1422 (nr. 57) bedeckt eine erhaben herausgemeißelte Inschrift zwischen Linien kompakt die ganze Plattenfläche. Ober- und Unterlängen der Minuskeln sind weitgehend weggefallen oder zwischen die Zeilen gedrängt, die Buchstaben sind mit außergewöhnlicher Sorgfalt gearbeitet. Eine ähnliche Schrift in der gleichen erhabenen Technik zeigt der Grabstein des Priesters Conrad Sunlin aus dem Jahre 1438 in Schützingen (nr. 69); Werkstattgleichheit scheint nicht ausgeschlossen. Die Bauinschriften aus Großglattbach und Ellmendingen (1403 und 1404; nrr. 50, 51) schließen sich in der geringen Ausbildung der Ober- und Unterlängen noch dem frühen Typus der Minuskel in der Denkmalschrift an. Die Großglattbacher Schrift ist erhaben gemeißelt, sie verwendet bereits eine Versalie aus dem Alphabet der gotischen Majuskel; die Oberlänge des h unterbricht – bei sonst fast gleichbleibender Schrifthöhe – auffallend die Zeilenbegrenzung des eingetieften Inschriftenfeldes. Eine im Formular eher knappe Inschrift auf dem Wappengrabstein des Conrad Gilt (von Gültlingen) aus Neuenbürg (1412; nr. 53) schließt sich mit einer sehr gepreßten Schrift ganz diesen Vorbildern an; die Buchstaben sind in nahezu einheitliche Zeilenhöhe gestellt.

Etwa um die Jahrhundertmitte wird das Schriftbild der Minuskel deutlich bewegter und aufgelockerter. Die Verwendung von Versalien aus der gotischen Majuskel wird häufiger (nrr. 77, 84, 92, 93), die Buchstaben werden eng aneinandergeschoben und zeigen vielfach Ligaturen (nrr. 77, 79). Typisch für Steininschriften aus der Maulbronner Werkstatt sind zahnschnittartige Verzierungen an den Hasten der Buchstaben am Wortbeginn (nrr. 79, 98, 102, 111).

Wie bei der gotischen Majuskel gehen auch bei der gotischen Minuskel die Beischriften von Wandgemälden infolge einer der Schreibschrift verwandteren Technik den gemeißelten Inschriften in der Entwicklung voran. Das ist deutlich sichtbar an dem auf kurz nach 1424 zu datierenden Stifterfresko und dem zugehörigen Dreikönigsbild mit Beischriften im Querhaus der Maulbronner Klosterkirche (nr. 58): die durchgehende Verwendung von Versalien zur Hervorhebung der Versanfänge korrespondiert mit gut ausgeprägten Ober- und Unterlängen und zahlreichen Abkürzungen, die schreibschriftlichem Gebrauch folgen. Die Versalien entstammen ausnahmslos der gotischen Majuskel und zeigen deren ausgebildete Formen69). Die Minuskelbeischriften der Fresken in Niefern, Kieselbronn und Gräfenhausen (nrr. 71, 142, 143) lassen in ihrem derzeitigen Erhaltungszustand, der durch Restauration teilweise entstellt ist, nur über den allgemeinen Schrifttypus eine Aussage zu. Versalien kommen nur hin und wieder zur Anwendung, sie wurden offenbar selbst bei den Eigennamen kaum benutzt. Die fadenförmigen Anschwünge bei den Buchstaben a, r, t bei den Beschriftungen in Gräfenhausen (nr. 43) sprechen für eine Entstehungszeit um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Deutlich noch später entstanden ist die Lettner-Ausmalung der Kirche in Niefern; die Minuskel ist ornamental aufgelockert durch weit ausschwingende und aufgespaltene Hasten (g, h, l, p, s). Die Versalien haben den Charakter der gotischen Majuskeln, zeigen aber auch schon Kapitalis-Einflüsse. Dabei kann nicht sicher entschieden werden, wie weit gerade die Großbuchstaben durch Zutaten der Restaurationen Veränderungen erfahren haben.

Im beginnenden 16. Jahrhundert übernimmt die Minuskel der Steinschrift zunehmend fremde Einflüsse. Die Schrift auf einem Priestergrabstein des Jahres 1501 (nr. 150) läßt diesen Prozeß der ‚Aufweichung’ der [Druckseite XXVII] Textura in den gemeißelten Schriften gut deutlich werden. Nicht nur die Versalien (Grundformen der Kapitalis) zeigen Veränderungen durch ornamentale Zierlinien, sondern auch die Gemeinen der Minuskel werden dem strengen Rhythmus der gleichmäßigen Hasten entfremdet: die Oberlängen sind gabelförmig aufgespalten, das runde s bekommt durchgehend einen fadenförmigen Diagonalstrich, gerade Hasten sind mit fein auslaufenden Haarstrichen besetzt. Ähnlichen Charakter zeigen die Schriften der Grabsteine in Langenalb (1521: nr. 175), Dürrmenz (1524: nr. 184) und Königsbach (1535: nr. 196). Nur in Maulbronn hält sich eine zwar aufgelockerte und durch Fraktur-Versalien bereicherte Minuskel, bei der diese Tendenzen noch in einen strengen Formenkanon gebunden sind (1506: nr. 156, 1521: nr. 176; 1525: nr. 186). Auch in Tiefenbronn sind die Schriften der frühen Denkmäler der Gemmingen in sehr klassischer gotischer Minuskel gemeißelt (nrr. 110, 159, 174). Bemerkenswert ist eine Schrift von 1510 (nr. 159) mit feinfädiger Schleifenbildung an den Enden der Hasten und Versalien der Fraktur in ornamentaler Ausführung; das zweite n im Wort Anno ist bei dieser Schrift in Form der frühhumanistischen Kapitalis mit Ausbuchtung im Schrägstrich gemeißelt. Völlig aufgelöst erscheinen dagegen Minuskelschriften aus der Jahrhundertmitte: zu den Versalien aus der Kapitalis treten Gemeine, die auf die Grundform reduziert erscheinen (Gräfenhausen 1544: nr. 200). Solche Übergangsschriften, denen man – ohne terminologische Festlegung – eher den Charakter einer Notula zusprechen möchte, haben zwar die formalen Kennzeichen der gotischen Minuskel nicht aufgegeben, das a bleibt einstöckig, f und langes s stehen auf der Zeile, aber in der weiteren Ausführung weichen sie weit von der Grundform der Minuskel ab. Nach der Jahrhundertmitte findet sich in Stein eine Schrift, die fast schon Elemente kursiver Buchstaben hat (1564: nr. 226): auch hier ist a noch einstöckig gebildet, rundes r und das sog. Schulter-r wechseln regellos, f und langes s stehen meist auf der Zeile, schneiden sie aber auch. Wie weit bei solchen Schriften der Spätzeit gerade in abgelegenen Orten auch Unkenntnis oder Unbeholfenheit des ausführenden Handwerkers eine Rolle gespielt haben, wird sich kaum je entscheiden lassen, muß aber immer mit in Betracht gezogen werden.

Die Fraktur

Als Monumentalschrift hat die Fraktur – obwohl sie seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts die meist verwendete Type des Buchdrucks für deutschsprachige Texte wurde – niemals eine der Kapitalis gleichrangige Stellung erreichen können70). Die sehr individuelle und differenzierte Form dieser Schrift stellte an den ausführenden Handwerker oder Künstler besonders hohe Anforderungen. Angesichts dieser bereits mehrfach hervorgehobenen Situation ist die Anzahl von Fraktur-Schriften im Bearbeitungsgebiet des Enzkreises überraschend hoch: für 44 Denkmäler wurde die Fraktur für die führenden Texte verwendet, weitere 6 geben deutschsprachige Bibeltexte oder Wappen-Beischriften in Fraktur wieder, die Haupt-Texte in Kapitalis. Dieser Bestand übertrifft die Zahl der im benachbarten Großkreis Karlsruhe – bei fast gleicher Zahl an erhaltenen Inschriften – ganz beträchtlich71). Kennzeichnend ist wiederum ein Blick auf die räumliche Verteilung: Maulbronn ist an der Überlieferung nur mit einer einzigen Fraktur-Inschrift beteiligt (1605: nr. 313), während der Bereich der Gemmingenschen Herrschaft im Hagenschieß (Tiefenbronn-Neuhausen) allein 15 erhaltene Fraktur-Inschriften aufzuweisen hat. Im Kloster war mit der Umwandlung in eine evangelische Schule die künstlerische Tradition der Mönche und Konversen zum Erliegen gekommen, während die Gemmingen gerade um diese Zeit ihre Herrschaft ausbauten und in den Familiengrablegen zu Tiefenbronn und Neuhausen ihren Verstorbenen Grabsteine und Epitaphien setzen konnten, für die qualifizierte Werkstätten herangezogen wurden72).

Die Rezeption der Schrift im Bearbeitungsgebiet setzt erst 1562 ein (nr. 218); bis nach der Jahrhundertwende bleiben Fraktur-Inschriften eher selten. Von den überlieferten Inschriften sind nur insgesamt 8 noch vor der Jahrhundertwende entstanden, für zwei weitere ist die Entstehung nach diesem Datum wahrscheinlich zu machen. Eine Bauinschrift aus Mühlhausen aus dem Jahre 1553 (nr. 211) hat zwar bereits das für die Fraktur kennzeichnende einstöckige a, kann aber nicht als Fraktur angesprochen werden, sondern steht insgesamt noch in der Tradition der gotischen Minuskel: f und langes s sind nicht über die Zeile nach [Druckseite XXVIII] unten geführt, o hat deutlich die gebrochenen Schäfte73). Ganz anders die Mühlhausener Fraktur von 1562 auf einem Epitaph für einen früh verstorbenen Sohn der Thumb von Neuburg: die Schrift ist hervorragend ausgeführt; ihre Proportionen wurden durch vorgezogene Begrenzungslinien (für den Buchstabenkörper bzw. Ober- und Unterlängen) genau festgelegt. Die Unterlängen von g und h zeigen Schleifenbildung, ebenso die Oberlängen von b, h, k und l. Die Versalien, insbesondere das S in Form einer abwärts gekehrten Schleife (s. Abb.), haben ihre Muster in zeitgenössischen Schreibmeisterbüchern. Zu denken ist vor allem an die Arbeiten von Johann Neudörffer aus Nürnberg von 1533 und 153874). Auch im Versalien-Alphabet des Neudörffer-Schülers Wolfgang Fugger (1553) ist diese Variante des S angeführt75). Eine Bauinschrift aus Bruchsal aus dem gleichen Jahr 1562 zeigt eine ganz ähnlich gestaltete Fraktur76). Dagegen wurde in der Bauinschrift der Niefernburg des badischen Kanzlers Martin Achtsynit (nach 1592: nr. 271) bei der Fraktur auf eine Stilisierung im Sinne einer Monumentalschrift fast ganz verzichtet. Die Schrift macht den Eindruck, als sei sie aus einer handschriftlichen Vorlage unmittelbar in Stein umgesetzt worden. Der im Vergleich zu anderen Bauinschriften der Zeit wenig repräsentative Inhalt – im Grunde nur eine Art von Protokoll über Bauhergang und -vollendung nach dem Tode Achtsynits – könnte die Form mitbestimmt haben.

Kurz vor der Jahrhundertwende sind im Bereich des Enzkreises die ersten aufwendigen Grabmäler und Epitaphien entstanden, deren deutschsprachige Inschriften vorwiegend in Fraktur ausgeführt wurden. Hier sind einzubeziehen die Denkmäler der Thumb von Neuburg in Mühlhausen (nrr. 284, 346), der Leutrum von Ertingen in Niefern (nrr. 318, 329, 332), der Gemmingen in Tiefenbronn und Neuhausen (nrr. 255, 301, 309) und der Venningen in Königsbach (nr. 305). Auch die Grabsteine dieser Familien zeigen zahlreiche Texte in Frakturschrift. Für die Gemmingen lassen sich in Tiefenbronn und Neuhausen aufgrund der dekorativen Elemente vier Kindergrabsteine der gleichen Werkstatt zuweisen (nrr. 328, 344, 345, 350): sie zeigen die gleiche Ausführung mit einem breiten Beschlagwerkrahmen, einem Kreuz im Mittelfeld in flachem Relief und zeilenweise angeordneter Schrift im Feld, die jeweils das Kreuz ausspart. Zwei Grabsteine in Niefern für Ehefrauen der Leutrum von Ertingen (nrr. 331, 339) in ausgewogener Komposition sind ebenfalls unter sich werkstattgleich; die Fraktur dieser beiden 1615 und 1617 entstandenen Denkmäler ist schmal und gestreckt mit leichten Schwellungen der Schäfte und weiten Anschwüngen bei den Versalien. Die lateinische Devise in nr. 339 ist in einer humanistischen Minuskel wiedergegeben, die sich sonst im Bearbeitungsgebiet nicht findet.

Für die großen Denkmäler mit vollplastischen Figuren stehen Werkstattzuweisungen (Jakob Müller in Heilbronn, Jeremias Schwarz aus Leonberg) zur Diskussion; endgültige Aussagen können bisher noch nicht gewagt werden, weil nur eine eingehende Untersuchung aller vergleichbaren Werke im weiteren Umkreis verläßliche Kriterien erbringen könnte77). Die Frakturen dieser Denkmäler sind in ihren Grundelementen alle eng miteinander verwandt, sie zeigen in den Formen kaum Unterschiede und divergieren nur in der Ausführung der Versalien und Gemeinen. Die Benutzung gleicher Schriftvorlagen in den verschiedenen Werkstätten könnte diese Ähnlichkeiten erklären. Auffallend ist eine auf den Denkmälern des Enzkreises mehrfach wiederkehrende Variante der Fraktur-Versalie D, die in der Form nahezu dem einbauchigen S der Fraktur in umgedrehter und spiegelverkehrter Ausführung gleicht (s. Abb.).

1562 Fraktur-Versalien D und S 1597–1617

[Druckseite XXIX] In den sehr zahlreichen Fraktur-Inschriften der Nürnberger Grabschriften und Epitaphien ist diese Variante bisher nicht nachweisbar78). Sie findet sich aber in einem ‚Fundamentbuch’, das der Neudörffer-Schüler Jacob Jacobelli 1575 in Heidelberg im Druck erscheinen ließ79). In der Monumentalschrift der Denkmäler des Enzkreises wurde sie benutzt für das Grabmal der Agatha Thumb von Neuburg (1597: nr. 284) in einer recht eng gedrängten und ohne großen Aufwand gearbeiteten Fraktur, ferner für die beiden mit Sicherheit werkstattgleichen Gemmingen-Epitaphien in Tiefenbronn (nach 1601 entstanden: nrr. 255, 301), deren Schrift sehr gut proportioniert und dekorativ wirkt und wenig später für das große Doppel-Epitaph der Eheleute Wolf Ulrich von Venningen und Barbara von Flersheim in Königsbach (1602: nr. 305) in einer ausgesprochen großzügig und fließend angelegten Fraktur mit eingestreuten Kapitalis-Versalien, die insgesamt der für die lateinischen Texte verwendeten Kapitalis an Feinheit der Ausführung und Ebenmäßigkeit der Ausführung nicht nachsteht80). Die gleiche Form des D findet sich auch in Niefern auf Denkmälern der Leutrum von Ertingen (1614, 1615: nrr. 329, 331, 332). Diesen Frakturen ist auch ein in Königsbach nur fragmentarisch erhaltener Grabstein für Raphael von Helmstatt (1610: nr. 322) anzureihen. Die Schrift ist nur auf der rechten Längsseite noch erhalten. Die Versalien und Gemeinen stehen der Schrift der Tiefenbronner Epitaphien sehr nahe. Eine generelle Werkstattidentität läßt sich für die genannten Denkmäler nach kunsthistorischen Stilkriterien nicht vertreten; die enge Verwandtschaft ihrer Frakturschriften muß sich aus den verwendeten Musterbüchern oder -blättern herleiten, die für größere Werkstätten mit entsprechendem Auftraggeberkreis vorausgesetzt werden können. Das läßt sich deutlich an zwei ganzfigurigen Epitaphien für wohlhabende Frauen aus dem bürgerlichen Stand in Lomersheim (1616: nrr. 336, 337) belegen, deren Schriften mit den beschriebenen Frakturen nahezu identisch sind, die aber in den Figuren wie im dekorativen Detail eher wie karg-bescheidene Nachahmungen der reichen Adelsdenkmäler wirken. Wieweit Steinbildwerkstätten des 16. und 17. Jahrhunderts eine Arbeitsteilung kannten – getrennte Arbeitsgänge für dekorative Architektur und Plastik und für Schrifttafeln – ist bisher ungeklärt; ein Beleg über die Entlohnung nach der Zahl der angefertigten Buchstaben läßt aber diese Trennung durchaus möglich erscheinen81).

Deutlich zu unterscheiden von den Frakturen der monumentalen Epitaphien des Adels sind die Schriften der Bürgerdenkmäler, deren meist deutsche Texte an sich für die Fraktur prädestiniert waren. Ein Epitaph für den Bürger und Gastwirt Johannes Pfeifer aus Mönsheim (1589: nr. 286) folgt in seiner Darstellungsweise durchaus dem Typus der Adelsepitaphien – Kruzifix mit Darstellung der Familienmitglieder im Adorationsgestus, als Hintergrund eine Stadtsilhouette –, die Schrift ist aber weit weniger dekorativ gestaltet. Ihre Zeilenlängen sind ungleichmäßig, die Wörter teils eng gedrängt, teils weit spationiert. Sehr regelmäßige, wenn auch im Gesamteindruck einfachere Frakturschriften zeigen die Denkmäler für evangelische Geistliche in Großglattbach (1612: nr. 324) und Niefern (1635: nr. 372). Soziologische Gegebenheiten dürften bei diesen Differenzierungen mitsprechen, weil die Schriftformen das spezifische Können des ausführenden Handwerkers oder Künstlers (und damit letzten Endes die Höhe ihrer jeweiligen Vergütung!) in der Ausführung ihrer Arbeit widerspiegeln.

Drei Gemälde-Epitaphien aus Stein und Neuhausen aus den Jahren 1601 (nr. 303) und 1614 bzw. 1619 (nrr. 327, 343) haben längere Frakturinschriften. Ihre weitgehende Überarbeitung macht jedoch eine Beurteilung der Schrift fragwürdig.

Singulär in der hervorragenden Schriftgestaltung ist schließlich die Schrift des ‚Herzogsteins’ der als Flurdenkmal auf dem Enzvorland bei Mühlacker seinen ursprünglichen Standort hatte (nr. 311). Die Inschrift datiert Beginn und Ende einer Grenzbereisung Herzog Friedrichs I. von Württemberg. Das erklärt die Qualität der enggestellten und nach besten Vorbildern gemeißelten Fraktur.

Die Kapitalis

Seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert vollzieht sich in der Monumentalschrift im deutschen Sprachbereich die Rezeption einer Kapitalis, die an den klassischen Schriften der Antike orientiert ist. Diese Rezeption erfolgt frühzeitig überall da, wo Anregungen aus humanistisch gebildeten Kreisen einerseits und die [Druckseite XXX] Berührung mit der Kunst des Buchdrucks andererseits wegbereitend waren82). Von daher ist die in Maulbronn auf das Jahr 1493 datierte Bauinschrift am Wendeltreppenturm im Parlatorium (nr. 122) durchaus als Zeugnis des geistigen Lebens im Kloster zu werten, dessen Niederschlag in der Bibliothek oder im Skriptorium kaum faßbar wird83). Die vollendet geformte Kapitalis nach besten antiken Vorbildern einer Capitalis quadrata zeigt ein kreisrundes O, ganz leicht konisch gebildetes M, dessen Mittelteil unten die Zeile erreicht, ein E mit nahezu gleich langen Balken; der Bogen des P ist nicht ganz geschlossen, alle Hasten haben Dreieckssporen. Die naheliegende Frage nach der Vermittlung für die Vorbilder solcher Schrift führt mit einiger Gewißheit zu Conrad Leontorius, der um 1480 als Mönch in Maulbronn eingetreten war, später Generalsekretär des Ordens wurde und in dieser Eigenschaft 1489 in Rom nachzuweisen ist84). Ihm könnten sowohl die sprachliche Formulierung wie auch die Vorlage für die Bauinschrift in ihrer äußeren Gestaltung zuzuschreiben sein. Dabei dürfte Leontorius als Schriftmuster die Nachzeichnung einer römischen Inschrift gedient haben. In seiner Baseler Zeit (Beichtvater im Zisterzienserinnenkloster Engental 1503–1511) war er Lehrer des Bonifatius Amerbach und Mitarbeiter in den Druckerwerkstätten von Johann Petri und Johannes Amerbach; sein Interesse für humanistische Schrifterneuerung ist belegt85). Auf die gleichen Anregungen wird auch die griechische Inschrift zurückgehen, die einem – im heutigen Zustand unscheinbaren und bisher völlig unbeachteten – Sockel für ein Steinkreuz eingemeißelt ist (nr. 127). Die Buchstaben zeigen deutlich die gleiche Schlagweise wie die der Bauinschrift (H, I, N, O, T). Mit diesen Zeugnissen einer ganz klassisch geprägten Kapitalis rückt Maulbronn unter die Orte, in denen die Renaissance-Kapitalis schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts in der Monumentalschrift rezipiert wird. Die Annäherung an antike Vorbilder ist allerdings weder in Augsburg (1482) noch in Mainz (1484) so weit geführt wie in Maulbronn86).

Über die weitere Rezeption der Schriftart im Bearbeitungsgebiet ist mit diesem singulären Vorkommen nichts ausgesagt. Sie vollzieht sich schrittweise und erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wird die Kapitalis zur Gebrauchschrift, die bei lateinischen Texten fast generell, bei den deutschen Texten weitgehend die gotische Minuskel ablöst; die Fraktur bleibt demgegenüber immer in einer untergeordneten Stellung. Ähnlich wie bei der gotischen Minuskel sind auch die vor der Mitte des Jahrhunderts vorkommenden Kapitalisschriften deutlich an künstlerisch hervorragende Ausführung des Inschriftenträgers gebunden. Das gilt für die Bauinschrift des Hans Wunderer (?) von 1513 in Iptingen (nr. 167), die trotz eines ovalen O und eines Minuskel-d deutlich das Bemühen um eine auch in den Proportionen gereinigte Renaissance-Schrift zeigt; es gilt ebenso für die Maulbronner Bauinschriften vom Jahre 1521 (nr. 177), die sich durch das Steinmetzzeichen als das Werk des gleichen Meisters ausweisen, während Schnitzinschriften aus diesem Umkreis von 1514 und 1526 eher die Charakteristica einer frühhumanistischen Kapitalschrift haben87). Vor der Mitte des Jahrhunderts ist das silberne Rauchfaß der Pfarrkirche in Tiefenbronn entstanden (nr. 190), das gravierte Kapitalisinschriften trägt88). Auf dem Epitaph seines Stifters Dietrich VIII. von Gemmingen (nr. 199) wurde das Sterbedatum des Jahres 1542 in Kapitalis im Bildfeld eingemeißelt, während die Umschrift in gotischer Minuskel ausgeführt ist.

Aus dem Jahr 1551 ist die Bauinschrift des Erasmus von Venningen am Schloß Königsbach datiert (nr. 258), die den Baubeginn bezeichnet. Sie ist in einer Kapitalis ausgeführt, die sich bereits an den Formenkanon der Renaissance hält; nur das Minuskel-q wirkt als Fremdkörper. Dabei zeigt diese Schrift bereits viele charakteristische Einzelheiten der späteren qualitätvollen Kapitalisschriften des Bearbeitungsraumes89). Das O ist kreisrund, E hat kurzen Mittelbalken und betont längere Deck- bzw. Fußbalken, M ist geradegestellt [Druckseite XXXI] und hat einen kurzen Mittelteil, die Hasten sind mit Dreieckssporen versehen. Deutlich ungelenker und tastender in der Formgebung einer neuen Schrift bzw. ihrer Umsetzung auf den ‚Beschreibstoff’ Stein sind die zeitlich folgenden Denkmäler: Grabinschriften aus Tiefenbronn aus den Jahren 1553 (nr. 208), 1562 und 1564 (nrr. 219, 225); in der ersteren fallen gestreckte Proportionen auf, das A hat einen geknickten Querbalken, ovale Form des O und das D einen beidseitig über die Haste hinausgreifenden Bogen; auch der Gebrauch des unzialen M für das Zahlzeichen zeigt noch eine gewisse Unsicherheit in der Stilisierung, die auch bei den beiden Steinen von 1562 und 1564 augenfällig ist. Einzelne Buchstaben (D und S) sind schräg nach rechts geneigt, M ist stark konisch gestellt, A hat über spitzem Winkel einen Deckstrich, G ist unten eckig geführt. Sehr bizarr wirken zwei vermutlich werkstattgleiche Steine aus den Jahren 1563 und 1568 (nrr. 223, 231): die Buchstabengröße variiert, die Schriften stehen schmal und enggedrängt, D kommt häufig spiegelverkehrt (in Form eines G) vor, N hat eine sehr dünne und fadenförmige Schräghaste, T einen gewellten Schaft. Noch die Beschriftung des Straubenhardt-Epitaphs in Weiler (1569: nr. 233) schließt sich dieser Reihe an, die bei der Rezeption der Kapitalis mit Schwierigkeiten – vielleicht begründet durch den Mangel an geeigneten Vorlagen? – zu kämpfen hat. Bei der weiteren Verbreitung der Kapitalis seit etwa 1570 ist eine Differenzierung deutlich zu machen: die Denkmäler des Adels folgen in ihrer Schrift mit gewissen individuellen Abweichungen dem Typus einer ausgewogenen Renaissance-Kapitalis. Das gilt für die Gemmingen in Tiefenbronn (1572: nr. 240; 1573: nr. 142; 1586: nrr. 254, 255, 256), für die Schöner von Straubenhardt in Weiler (nr. 239: 1571), für Hans Sebold von Siglingen in Stein (1570: nr. 236, nr. 237) und für die Venningen in Königsbach (1586: nr. 258). Der Buchstabenverlauf aller dieser Schriften ist sehr ebenmäßig, A, M und N haben immer spitze Scheitel, M ist entweder gerade oder ganz leicht konisch mit kurzem Mittelteil, O leicht oval oder kreisrund, E hat kurzen Mittelstrich und längere Deck- und Fußbalken; alle Hasten tragen Dreieckssporen. Auffallend ist das G, dem der nach innen gezogene Querstrich im unteren Teil fehlt. Ein Maulbronner Abtsgrabstein aus dem Jahre 1594 (nr. 273) läßt sich dieser Reihe ebenfalls zuordnen, der Grundtypus ist nur geringfügig variiert; so hat das R eine nach innen gebogene Cauda, und der obere Bogen des B ist kleiner als der untere. Auch die großen Epitaphien in Tiefenbronn (1586 mit späterer Entstehungszeit: nr. 255; 1601: nr. 301) und Königsbach (1602: nr. 305) halten sich an diesen Schrifttypus; erhöhte Anfangsbuchstaben und I mit Punkt sind gelegentlich verwendet.

Eine abweichende Stilisierung hat die Kapitalis auf dem Epitaph des Eitel Dietrich von Gemmingen (1586: nr. 257) erfahren: das O ist spitzoval, M und N haben stumpfe Scheitel und A eine weit ausgreifende, leicht geschwungene linke Haste; große und spitz hochgezogene Dreieckssporen und Punkte in Rautenform verstärken den Charakter einer etwas unruhigen und gewollt dekorativen Schrift.

Der Schlußstein der Niefernburg des Martin Achtsynit (durch Chronogramm datiert auf 1553, vermutlich aber 1558 entstanden: nr. 210) ist in einer gestreckteren Kapitalis gemeißelt. A hat einen Deckstrich, Sporen sind nur in Ansätzen sichtbar, der Schrägstrich des N ist fadenförmig dünn und hat dreimal einen Knoten in der Mitte des Schaftes.

Die bürgerlichen Denkmäler zeigen eine sehr viel größere Variationsbreite der Kapitalis. Die Annäherung an das klassische Schriftbild ist selten erreicht. Ein Grabstein von 1571 in Nöttingen (nr. 238) hat zwar alle Buchstabenformen in Kapitalis ausgeführt, verrät aber im spitzovalen O, A mit Deckstrich und unregelmäßiger Sporenbildung deutliche Ungewandtheit. Ein Maulbronner Stein von 1583 (nr. 250) setzt eine gestreckte Kapitalis mit vielen Ligaturen eng gedrängt ins Mittelfeld; A hat einen auffallenden Deckbalken, X eine durchgebogene rechte Haste, B und R sind mehrmals abgesetzt und nicht zusammenhängend gemeißelt. Nach jedem Wort ist ein Punkt als Trennzeichen gesetzt, der Kürzungsstrich hat einen Siculus. Möglicherweise gaben hier ältere Schriften auf Maulbronner Steinen Anregungen.

Die meisten Auftraggeber bürgerlichen Standes für Inschriftträger – seien es Bauinschriften oder Grabsteine – begnügten sich sicher mit der Arbeit eines ortsansässigen Handwerkers, dessen Werkstatt nicht über Schriftmuster verfügte, der sich daher mit den Vorzeichnungen seines Auftraggebers oder mit eigenen Schriftnachzeichnungen behelfen mußte, vielfach sicher ohne eigene Kenntnis des Lesens und Schreibens. Für diese Kapitalisschriften ist bis in die ersten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts (1563: nr. 222; 1591: nr. 268; 1604: nr. 312; 1615: nr. 333; 1617: nr. 341) eine ungelenke Ausführung charakteristisch, die Buchstaben und ihr Verlauf sind ungleich, N steht häufig retrograd, M ist meist konisch geformt. In Neuenbürg ist seit 1602 eine Werkstatt zu lokalisieren, die offenbar in Serienfertigung Grabsteine lieferte, deren Kapitalis zwar um eine regelmäßige Schriftführung bemüht ist, deren Einzelbuchstaben aber die verschiedensten Formen zeigen: A kommt mit geknicktem und geradem Querbalken vor, mit geraden oder leicht durchgebogenen Hasten, M ist gerade oder konisch. Alle erhaltenen Steine (1602: nr. 298; 1609: nr. 319; 1609: nr. 321; 1610: nr. 323; 1615: nr. 334; 1620: nr. 348; 1627: nr. 366; 1629: nr. 368) folgen in der dekorativen Ausstattung einem ähnlichen Typus: die auf dem Rand umlaufende Grabschrift setzt sich nach Bedarf im Mittelfeld fort, das gewöhnlich ein oder zwei Wappen in Flachrelief zeigt. Bei ausreichendem Platz ist die Grabschrift durch einen Bibelvers ergänzt. Auf Gemmingen’sche Kindergrabsteine, die sich einer gemeinsamen Werkstatt zuweisen lassen, wurde bereits in anderem Zusammenhang hingewiesen90). [Druckseite XXXII]

Die skizzierten Beobachtungen lassen sich durch einen Vergleich mit der Schrift auf dem Epitaph des Heinrich Schidel in Großglattbach (1595: nr. 276) – sozusagen als Gegenprobe – stützen: die für ein bürgerliches Grabdenkmal noch ungewöhnliche Gattung zeigt eine im Ganzen sehr sorgfältig geschlagene Kapitalis mit überhöhten Versalien, das I hat durchgängig einen Punkt, das M steht gerade. Nur in der variierenden Buchstabenhöhe (erste Zeile klein und gedrängt) und den ungleich hohen Versalien verrät sich eine gewisse Unvertrautheit des Handwerkers mit seinem Auftrag, der auch in der Naivität der bildlichen Darstellung zum Ausdruck kommt.

Eine Sonderstellung – schon vom Material her gesehen – nimmt das Epitaph des Klosterschülers Friedrich Besthlin in Maulbronn (1597: nr. 285) ein, dessen Eisenguß in einer Hütte des Brenztals entstanden sein wird, wo der Vater des Verstorbenen Pfarrer war. Die gegossene Kapitalis ist sehr regelmäßig geschnitten, die Buchstaben sind mit knappen Wortzwischenräumen gleichmäßig auf die Zeilen verteilt.

Die frühhumanistische Kapitalis

Diese Schriftgattung ist für ihre Übernahme in die Epigraphik im weitesten Sinne an Voraussetzungen gebunden, die ihre geringe Verbreitung und ihre zeitliche Eingrenzung ebenso erklären wie ihre bevorzugte Verwendung in Werken der Malerei, der Goldschmiedekunst und der Holzplastik. Steindenkmäler mit Beschriftungen in frühhumanistischer Kapitalis sind selten belegt91). Die Schrift knüpft einerseits an die Formen der erneuerten Renaissance-Kapitalis an, zeigt aber anderseits auch deutliche Reminiszenzen an die gotische Majuskel. Kenntnis beider Schriftarten ist daher immer Voraussetzung, wenn es zu einer Anwendung in der Monumentalschrift kommen soll. Dabei sind die Indizien nicht so sehr in der Form einzelner Buchstaben zu sehen, sondern im Charakter der Übergangsschrift, die das Bemühen um Schrifterneuerung dokumentiert92).

In Maulbronn zeigt die gemalte – stark verblaßte und daher nicht abbildungsfähige – Inschrift des gotischen Dreisitzes im Chor der Klosterkirche (nr. 113) eine solche Schrift: A hat einen breiten Deckbalken und gebrochene Querhaste, E ist sechsmal in der runden Form der gotischen Majuskel wiedergegeben (auch rechts mit Abschlußstrich), zweimal zeigt es epsilonförmige Bildung. C und O haben Bogenschwellungen. Die Schnitzinschrift des Sakristeischrankes in Niefern (jetzt Badisches Landesmuseum Karlsruhe; nr. 146) mit ihren sehr mageren Proportionen, der durchgehenden Verwendung eines Minuskel-b und der VS-Ligatur ist dem gleichen Schriftbereich zuzuordnen. Die geschnitzte Inschrift der Sakristeitür in Mühlhausen (nr. 188) aus dem Umkreis des Hans Wunderer (?) hat ebenfalls sehr gestreckte Buchstaben, epsilonförmiges E neben Kapitalis-E, leichte Schwellformen der Bögen. Werkstattgleich ist vermutlich die auf den Resten einer ehemaligen Wandvertäfelung (?) in einem langen Spruchband eingeschnittene Inschrift eines Seneca-Zitats (1514: nr. 168). Auch hier wechseln epsilon-förmiges E und Kapitalis-E, N hat eine Ausbuchtung in der Mitte des Schaftes. Außer Betracht bleiben hier die Inschriften der Altarretabel, deren Bestand durch Restaurierungen beeinträchtigt ist (nrr. 66, 100, 172, 178). Die Beschriftungen des Maria-Magdalenen-Altares in Tiefenbronn (1432; nr. 65) haben in ihrer Vielfältigkeit singulären Charakter, auf den im Katalogteil näher eingegangen wird.

Zur besseren Orientierung sind die im Bearbeitungsgebiet vorkommenden Schriftformen in der folgenden Übersicht nach Jahrhunderten aufgeschlüsselt. Dabei sind auch die Beschriftungen eines Objekts in zwei verschiedenen Schriftgattungen berücksichtigt, wenn es sich nicht um Einzelbuchstaben oder vereinzelte Worte handelt.

Schriftart vor 1300 1300–1400 1400–1500 1500–1600 1600–1650
Romanische Majuskel 4
Gotische Majuskel 4 20
Gotische Minuskel 2 76 41
Fraktur 10 34
Frühhumanistische Kapitalis 2 2
Kapitalis 3 73 55
  1. Zur Schriftgeschichte allgemein Kloos, Epigraphik 125ff. »
  2. DI. XX (Großkreis Karlsruhe) Einleitung S. XXVIIIf. »
  3. Vgl. dazu auch Neumüllers-Klauser, Maulbronner Stifterdenkmäler passim. »
  4. Kloos, Epigraphik 132; ferner Bauer, Mainzer Epigraphik 39ff. »
  5. Dazu W. Koch, Paläographie der Inschriften österreichischer Fresken bis 1350, in: MIÖG. 77 (1969) 1ff. »
  6. Vgl. DI. II (Mainz) nr. 33 und nr. 37. – DI. XIV (Fritzlar) nr. 13. – DI. XIX (Göttingen) nr. 5. – In Lübeck und in Paderborn sind gravierte Bronzegrabplatten für die im Jahre 1341 verstorbenen Bischöfe Heinrich von Bocholt bzw. Bernhard von Lippe erhalten. »
  7. In Frauenburg bezeichnet eine Minuskelinschrift auf einer Kalksteinplatte die Weihe des Domchores. – In Erfurt ist der Baubeginn des Domchores in erhabener Minuskel dokumentiert. – In Lauf an der Pegnitz sind die Wappenbeischriften im Wappensaal der Burg Kaiser Karls IV. in einer Minuskel gemeißelt, die deutlich an Handschriften aus dem Umkreis des Kaisers orientiert ist. – Die Grundsteinlegung des Freiburger Münsterchores wurde 1354 in Minuskelschrift auf einem Sandsteinquader bezeugt. – Frühe Minuskelinschriften (vor 1400) hoffe ich demnächst mit Nachweisen und Abbildungen gesondert vorlegen zu können. »
  8. Vgl. die Bildung des unzialen T mit Deckstrich (Zeile 6 linke Kolumne) mit dem gleichen Buchstaben auf dem Grabstein für Bischof Günther von Speyer nr. 11»
  9. Kloos, Epigraphik 143. – Zahn, Beiträge zur Epigraphik 6ff. und 86. »
  10. DI. XX (Großkreis Karlsruhe) verzeichnet bei 305 erhaltenen Inschriften 28 Fraktur-Beispiele. – Zur Verbreitung vgl. auch DI. XVI (Mannheim-Sinsheim) Einleitung S. XXII. – DI. XXI (Kärnten 1) belegt bei 378 erhaltenen Inschriften 52 Fraktur-Beispiele und 117 Kapitalis-Inschriften. – Vgl. auch die tabellarische Übersicht auf S. XXXII. »
  11. Diese Beobachtung stimmt überein mit der bisher belegten Verbreitung der Fraktur als Monumentalschrift: zahlreiche Belege finden sich in Nürnberg und Rothenburg (DI. XIII bzw. DI. XV). Die vielschichtigen Fragen hängen einmal zusammen mit den handwerklich-künstlerischen Voraussetzungen für die Ausführung der Schrift in Stein, zum andern aber wahrscheinlich auch mit soziologischen Gegebenheiten (deutsche Sprache!); vgl. dazu W. Arnold, in: DI. XIX (Göttingen) 28f. »
  12. Ähnliche Mischschriften beschreibt Kloos aus dem Landkreis Bamberg: DI. XVIII Einleitung S. XXVI. »
  13. Vgl. W. Doede, Schön schreiben, eine Kunst. Johann Neudörffer und seine Schule im 16. und 17. Jahrhundert. München 1957, Abb. 17. »
  14. W. Fugger, Ein nutzlich und wolgegrundt Formular Mancherley schöner Schriefften. Vollständige Faksimileausgabe des Schreibmeisterbuchs von 1553 mit einem Nachwort von F. Pfafflin. München 1967, 43. »
  15. DI. XX (Großkreis Karlsruhe) nr. 223. – Eine vergleichbare Form begegnet 1575 in Nürnberg: DI. XIII nr. 1283 (Abb. 118). »
  16. Fleischhauer, Renaissance 358 (über Jeremias Schwarz und die Zuweisung der Mühlhausener Denkmäler). – Vgl. auch DI. XX (Großkreis Karslruhe) Einleitung S. XVIf. »
  17. Zahn, Beiträge zur Epigraphik Taf. II–X. – In den Schreibmeisterfrakturen Neudörffers von 1533 und 1538 kommt es in vereinfachter Form vor: ebd. Abb. 4 und 6. Im typographischen Druck des ‚Teuerdank’ von 1517 (Hans Schönsperger) ist eine ganz ähnliche Form wie in den epigraphischen Frakturen der Enzkreis-Denkmäler verwendet (Abb. 3 bei Doede, Schön schreiben, eine Kunst a. a. O.). »
  18. W. Doede, Bibliographie deutscher Schreibmeisterbücher von Johann Neudörffer d. Ä. bis 1800. Hamburg (1958), nr. 25/1, S. 49f. Abb. bei Doede, Schön schreiben, eine Kunst 31. »
  19. Vgl. unten S. XXXI. »
  20. J. C. Stracke, Die Bildnisgrabmale Ostfrieslands vom 15. bis 17. Jahrhundert. Aurich 1976, 14. »
  21. Kloos, Epigraphik 158ff. »
  22. W. Irtenkauf, in: Katalog Maulbronn (1978) S. 91f »
  23. Über Conrad Leontorius s. G. Wolff, Conrad Leontorius: Biobibliographie, in: Beiträge zur Geschichte der Renaissance und der Reformation (Festgabe Joseph Schlecht) München-Freising 1917, S. 363ff. »
  24. Vgl. M. Steinmann, Die humanistische Schrift und die Anfänge des Humanismus in Basel, in: Archiv für Diplomatik 22 (1976) 376ff., hier 435 mit Anm. 216. »
  25. Vgl. dazu Kloos, Epigraphik 159. – In Augsburg ist 1482 ein Grabstein für Leonhard Misching mit einer noch sehr schlanken Kapitalis beschriftet worden: A. Schröder, die Monumente des Augsburger Domkreuzgangs, in: Jahrbuch des Histor. Vereins Dillingen 10 (1897) 33–91; 11 (1898) 31–114; hier 10 (1897) 36. — Der Befund über die Schrift beruht auf Autopsie. Die frühe Kapitalis in Mainz (DI. II nr. 206) aus dem Jahre 1484 dürfte auf eine Druckschrift des Nicolas Jenson in Venedig zurückgehen. Ähnlich sind auch bei den Kapitalisschriften von 1415 (Konstanz), 1433 (Basel und Ulm) italienische Einflüsse nachweisbar; für Basel vgl. dazu Steinmann a. a. O. 387 mit Abb. 4. »
  26. Vgl. dazu unten S. XXXII. »
  27. Die Goldschmiedekunst hat die neue Schriftart – bedingt durch Material und Technik – sehr viel früher übernehmen können als die Monumentalinschriften: vgl. dazu Ausstellungskatalog Spätgotik am Oberrhein. Meisterwerke der Plastik und des Kunsthandwerks. Badisches Landesmuseum Karslruhe 1970; Nachweis von Goldschmiedearbeiten mit Inschriften in Renaissance-Kapitalis für 1496 in Straßburg (S. 266), 1515 in Basel (S. 235), 1519 in Speyer (S. 272). »
  28. Gleiche Beobachtungen macht Kloos im Landkreis Bamberg: DI. XVII Einleitung S. XXVIII. »
  29. Vgl. dazu oben S. XIX. »
  30. Für die Werke der Malerei vgl. Kloos, Epigraphik 154. – Eine sehr ausgeprägte Schrift der Goldschmiedekunst (1503, sog. Kußtafel aus Kloster Eberbach) abgebildet in: Die Zisterzienser. Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit. Ausstellungskatalog Aachen 1980, 593 (Abb. 594f.). »
  31. Kloos, Epigraphik 153f. »