Inschriftenkatalog: Ehemaliger Landkreis Querfurt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 64: Querfurt (2006)

Nr. 127 Dornstedt, ev. Kirche (St. Pankraz) 1580

Beschreibung

Glocke, Bronze. Die Krone, die nur noch fünf Seitenöhre hat, sitzt auf einer umfangreichen, 2 cm dicken Deckplatte, unter der die gewölbte Haube und die Schulter fließend ineinander übergehen. Hier verlaufen ringsum das Bibelzitat (A) und darunter der Gußvermerk (B). Die Inschriften werden von sieben Stegen unterschiedlicher Stärke begleitet, wobei drei davon zwischen den Zeilen liegen und zwei Paar den äußeren Rahmen bilden. Auf der Flanke ist ein ca. 10 cm großes Kruzifix1) im Halbrelief angebracht, unter dem ein undeutlich ausgegossenes Ornament (Pilgerzeichen?) hervortritt. Dieses besteht aus einem hochrechteckigen Rahmen, der horizontal in zwei Hälften geteilt ist. In den unteren Bereich scheint ein Wappenschild eingestellt zu sein. Der Wolm trägt weitere drei, der Schlag zwei Stege.

Maße: H.: 53 cm; Dm.: 71 cm; Bu.: 2,1 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Ilas Bartusch) [1/3]

  1. A

    ·a) LVCAS · IX · DISER IST MEIN LIBER SON DEN SOLT IR HOREN ·b)2)

  2. B

    GORGE BEINROTH GOS MICH ZV ESLEBEN ·b) M · D LXXX ·b)

Wappen:
unkenntlich.

Kommentar

Die wohlproportionierten Buchstaben sind durch schwache Bogen- und Linksschrägenverstärkungen sowie kräftige Serifen geprägt. Das O ist kreisrund wiedergegeben, die Cauda des R geschwungen. Die vereinzelten Worttrenner sind teils als Dreiecke, teils in Form eines waagerecht liegenden Farnkrautblattes ausgeführt, das Grössler/Brinkmann als Gießerzeichen deuten.3)

Dem Schaffen George Beinroths lassen sich neben der Grabplatte für den Grafen Reinhard von Mansfeld (gest. 1569) in der Stadtkirche zu Mansfeld (Lkr. Mansfelder Land)4) nur noch zwei verlorene Glocken aus Trebitz (1583; Lkr. Wittenberg)5) und der St.-Anna-Kirche zu Eisleben (1585; Lkr. Mansfelder Land)6) zuordnen.7)

Textkritischer Apparat

  1. Blume. Am senkrecht gestellten Stengel und an den vier symmetrisch daran ansetzenden Zweigen sitzen dreipaßförmige Blüten.
  2. Farnkrautblatt.

Anmerkungen

  1. Der Korpus an einem T-Kreuz.
  2. Lk 9, 35.
  3. Vgl. Kdm. (Mansf. Seekr.) 1895, S. 54.
  4. Vgl. Kdm. (Mansf. Gebirgskr.) 1893, S. 157. Hier der Hinweis, daß darauf kein Gießerzeichen erkennbar sei.
  5. Vgl. Kdm. (Mansf. Seekr.) 1895, S. 390. Die Glocke lag bereits 1895 zerschlagen in der Vorhalle.
  6. Vgl. Kdm. (Mansf. Seekr.) 1895, S. 166 Anm. 1. Diese Glocke wurde 1895 zur Einschmelzung freigegeben. S. a. Grössler 1883, S. 37.
  7. Vgl. zum Gießer und seinem Werk AKL 7, 1994, S. 337 (Lit.); Eichler 2003, S. 44; Walter 1913, S. 691.

Nachweise

  1. Kdm. (Mansf. Seekr.) 1895, S. 54.
  2. LfD Halle, Glockenbestandserfassung 1. Wk., Aufnahmebogen zu Dornstedt vom 15. 3. 1917.

Zitierhinweis:
DI 64, Querfurt, Nr. 127 (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di064l002k0012706.