Inschriftenkatalog: Ehemaliger Landkreis Querfurt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 64: Querfurt (2006)

Nr. 13† Großosterhausen (Gem. Osterhausen), ev. Kirche (St. Wigbert) 12.–13. Jh. (?)

Beschreibung

Glocke. Im ältesten Großosterhausener Kirchenbuch ist die Abzeichnung einer Inschrift überliefert, die sich ehemals auf einer vier Zentner schweren Mittelglocke befand.1) Da die Leimbacher Chronik bereits eine von Joachim Jancken im Jahre 1661 gegossene Mittelglocke angibt, dürfte der Verlust der früheren vermutlich kurz zuvor, spätestens aber 1825 eingetreten sein, als das gesamte Geläute ersetzt wurde.2)

Inschrift nach PfA Großosterhausen, Kb. 1.

Orig.: PfA Großosterhausen (Foto: I. Bartusch) [1/1]

  1. S R C Ta) Pb) Ac) + O D Td) Ce) Ff) Jg) Ih)

Kommentar

Buchstaben und Zeichen wurden teilweise konturiert wiedergegeben. Die Form des trapezförmigen A, dessen Schrägschäfte leicht nach innen gekrümmt und an den unteren Enden umgebogen sind, findet sich auf mehreren Glocken des 12. bzw. 13. Jahrhunderts.3) In Verbindung mit der teilweise vorgenommenen Konturierung der Lettern ist dabei – sollte die Zeichnung originalgetreu sein -vor allem auf die mittlere Seeburger Glocke (Lkr. Mansfelder Land) zu verweisen.4) Zu dem an zwei Ecken mit Häkchen oder Bögen verzierten Quadrat bilden hingegen die geometrischen Figuren auf der kleineren Alberstedter Glocke die nächste Parallele.5)

Versuche, aus Buchstabenfolgen solcher Art einen abgekürzten Text zu entschlüsseln, blieben bisher ergebnislos oder führten zu wenig überzeugenden Spekulationen.6) Es handelt sich hierbei um eine der frühen Alphabet- oder Kryptogrammglocken, denen durch Buchstabenmagie eine apotropäische Wirkung verliehen werden sollte.7)

Textkritischer Apparat

  1. T] Deckbalken geschwungen, Schaft unten nach links gebogen.
  2. P] Retrograd, Schaft durch gebogene Sporen verziert. Könnte auch ein unziales Q sein. Danach ein langer, die gedachte Zeile oben und unten überragender senkrechter Strich, gefolgt von einem großen, die gesamte Zeilenhöhe einnehmenden Quadrat, dessen obere und untere linke Ecke ein bzw. drei gekrümmte Häkchen verzieren, vgl. Fig./Stz./M. 7.
  3. A] Trapezförmig, mit zwei parallelen Mittelbalken. Schrägschäfte leicht nach innen gekrümmt und unten stark umgebogen; starke Rechtsneigung. Eine Deutung als geometrische Figur ist nicht auszuschließen, vgl. Fig./Stz./M. 8 und eine ähnliche Figur in Nr. 4 Anm. f.
  4. T] Deckbalken weit nach rechts verschoben, so daß dieser den folgenden Buchstaben berührt. Identifikation unsicher.
  5. C] Der Bogen endet unten in einer langen Zierschleife.
  6. F] Die Balken stark geschwungen.
  7. J] Identifikation unsicher, auch als ein S deutbar.
  8. I] Unsicher. Das rechte Drittel des Buchstaben im Falz verborgen.

Anmerkungen

  1. Vgl. PfA Großosterhausen, Kb. 1, S. 1288. Im beigefügten Vermerk heißt es: „Die Mittelglocke muß sehr alt seyn welches aus der Auffschrifft erhellet.“
  2. Vgl. PfA Leimbach, Chronik 1714/17, S. 64; Kdm. (Querfurt) 1909, S. 188.
  3. Vgl. Nr. 3; die Gnölbziger Glocke (Stadt Alsleben, Lkr. Bernburg) in Grössler 1878, S. 28, Taf. 3 Nr. 23.
  4. Vgl. Kdm. (Mansf. Seekr.) 1895, S. 375.
  5. Vgl. Nr. 4 mit Anm. f.
  6. Vgl. Poettgen 1997/98, S. 94f. (Lit.) oder die Kritik an Schlippe 1975, S. 340–362 durch Hallof/Hallof in DI 39 (Lkr. Jena) 1995, S. XXXIX–XLII.
  7. Vgl. als vielleicht nächste Parallele die Teuditzer Glocke (Gem. Tollwitz, Lkr. Merseburg-Querfurt; um 1200?) in Kdm. (Merseburg) 1883, S. 232; als Beispiele für wohl spätere Kryptogrammglocken vgl. DI 39 (Lkr. Jena) 1995, Nr. 1115, 17, 18; Poettgen 1997/98, S. 96. Zur magischen Funktion der Kryptogramme vgl. Hallof/Hallof 1993, S. 21; zur Buchstabensymbolik und -mystik allg. Dornseiff 1925, S. 77; HdA 1, 1927, Sp. 15–17; TRE 7, 1981, S. 304–315 (Lit.); zu Alphabetglocken vgl. Nr. 4 mit Anm. 4.

Nachweise

  1. PfA Großosterhausen, Kb. 1, S. 1288.

Zitierhinweis:
DI 64, Querfurt, Nr. 13† (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di064l002k0001307.