Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 209† Itter, St. Hubertus 1652

Beschreibung

Grabstein. Unterhalb einer Hausmarke mit Initialen (A)1) der Sterbevermerk (B). Nach Aufzeichnungen von Frechen befand sich der heute verlorene Stein im April 1943 „an der katholischen Pfarrkirche zu Itter“. Damals war der untere Teil bereits unterhalb der fünften Zeile so abgebrochen, dass von den beiden folgenden Zeilen nur noch das jeweils letzte Wort erhalten geblieben war.

Nach Frechen. 2)

  1. A

    H // S / AK

  2. B

    A(nn)o 1652, den 25. decem/ber Ist henrich scheiffers, / son Auff Kircher hoff / von wilhelm Dam pet=/ters son zu Himmel=/[- - -] Todt / [- - -] Altersa)

Kommentar

Inschrift A dürfte als „Henrich Scheiffers Auff Kircher hoff“ aufzulösen sein. Im Sterbebuch der Pfarre Itter findet sich der Eintrag, dass am 29. Dezember 1652 der von Jungen aus der Pfarre Himmelgeist erschossene Junggeselle Heinrich Schippers auf dem Kircherhof in Itter beigesetzt worden ist.3) In einem ausführlichen Vermerk dazu werden die Umstände des Todes genauer beschrieben.4) Demnach war der Verstorbene am Weihnachtstag, dem 25. Dezember, nach dem Besuch der Gottesdienste mit weiteren fünf jungen Männern aufgebrochen, um für einen Umzug am folgenden Tag, dem Stephanustag, einen Spielmann zu holen. Als die jungen Männer abends gegen 8 Uhr hinter Wersten auf Mettmanner Gebiet am „buschs holt“ angekommen waren, trafen sie auf junge, bewaffnete Männer aus Himmelgeist, die ebenfalls den Spielmann holen wollten. Letztere schossen auf die Männer aus Itter, wobei sie Heinrich mit „Hageln und geschnitten stuckern von einer Kogeln durch die brost“ trafen, „das sich uber funfftig locher im leib gefunden“. Heinrich, der vor Ort verstarb, hat dort noch zwei Tage und Nächte gelegen, ehe sich die Obrigkeit von Mettmann den Toten angesehen hat.

Während im Eintrag im Sterbebuch keiner der Himmelgeister namentlich genannt wird, ist auf dem Stein Wilhelm Dam als (mutmaßlicher, von der Familie verdächtigter?) Todesschütze für die Nachwelt festgehalten worden. Als Peter und Wilhelm „Dhamen“ sind Vater und Sohn im Lagerbuch von St. Nikolaus Himmelgeist aufgeführt.5)

Textkritischer Apparat

  1. Frechen hat in seinen Aufzeichnungen am Text entlang eine Linie eingezeichnet, die zeigen soll, an welcher Stelle der Stein abgebrochen ist.

Anmerkungen

  1. Marke Nr. 30.
  2. Zur Übernahme der Angaben bei Frechen zu Schriftart, Zeilenwechsel, Abkürzungen und Worttrennern s. Kap. 3 der Einleitung.
  3. Gedruckt bei Strahl, Trauregister, Bd. 8, S. 333.
  4. Vgl. zum Folgenden die Aufzeichnungen StA Düsseldorf, 7-0-3 10 0001 (= Kirchenbücher, St. Hubertus Itter), Bl. 90f., sowie die Angaben, die Frechen seiner Skizze des Grabsteins nach Angaben des Kirchenbuchs von Itter beigefügt hat.
  5. Udo Oerding, Das Lagerbuch von St. Nicolaus in Düsseldorf-Himmelgeist, in: Strahl, Trauregister, Bd. 8, S. 353–366, S. 358.

Nachweise

  1. StA Düsseldorf, Nr. XXIII 1161, Bl. 118 (Frechen, 10. April 1943).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 209† (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di089d008k0020901.