Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 207† St. Lambertus 1651

Beschreibung

Sarg der Pfalzgräfin Catharina Charlotte, der zweiten Gemahlin Pfalzgraf Wolfgang Wilhelms, in der Fürstengruft.1) Aus Blei oder Zinn. Nach Redinghoven wurde sie „beigesetzt in einer zinnener laden, darauf ihr nam und tituln ausgestochen“2), nach einer wahrscheinlich um 1809 verfassten Beschreibung3) in einem inwändig aus Holz, außen bleiernen und polierten, mit Leisten gefertigten Sarg, der aufgrund der Feuchtigkeit des Holzes beschädigt war.4) Der Sarg wurde 1809 mit weiteren Särgen aus der Fürstengruft verkauft.5) Über Schrift und Gestaltung des Sterbevermerks sowie die Form und weiteren Schmuck des Sarges ist nichts bekannt.6)

Nach PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, fol. 77v.

  1. Catharina Charlotta conjux dilectissima Wolfgangi Wilhelmi comitis Palatini ad Rhenum ducis Bavariae Juliae Cliviae et Montium comitis Veldentiae Sponhemiaea) Marchiae Ravensburgib) domini in Ravenstein nata Biponti 1615 11ma ja(nu)arijc) denata Dusseldorpii a(nn)o 1651 21ta d) martij aetatis XXXVI

Übersetzung:

Catharina Charlotte, die innigstgeliebte Gemahlin Wolfgang Wilhelms, des Pfalzgrafen bei Rhein, Herzogs von Bayern, Jülich, Kleve und Berg, Grafen von Veldenz, Sponheim, der Mark, Ravensberg, Herrn in Ravenstein, geboren zu Zweibrücken 1615 am 11. Januar, gestorben in Düsseldorf im Jahr 1651 am 21. März im Alter von 36 [Jahren].

Kommentar

Zu Catharina Charlotte, ihrer Heirat mit Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm und ihrer Bedeutung für die reformierte Gemeinde in Düsseldorf vgl. oben Nr. 129.

Die Gebeine, die 1809 achtlos in der Gruft zurückgelassen wurden, wurden gemeinsam mit den Gebeinen der weiteren dort beigesetzten Personen 1820 in einen Bleisarg gelegt, der sich noch heute, mit einer entsprechenden Inschrift versehen, in der Gruft befindet.7)

Da sie wie ihre zehn Jahre zuvor verstorbene Schwester bis zu ihrem Tode zu ihrem reformierten Bekenntnis stand, wurde für ihre Beisetzung in der Fürstengruft eine erzbischöfliche Dispens eingeholt.8) Die am 21. März 1651 Verstorbene wurde am 4. April abends um 8 Uhr beigesetzt. Ihr Gemahl, der noch am Krankenbett versucht hatte, sie zum katholischen Glauben zu bekehren, richtete an ihrem Todestag die Bitte an alle Düsseldorfer Geistlichen, für die Verstorbene Fürbitte zu leisten, und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass Gott ihr in ihrer Sterbestunde die Gnade verliehen haben möge, „dass sie sich der allgemeinen heiligen Kirchen Gottes einverleibt zu werden, und in rechter Lieb und Forcht abzusterben geseuffzet haben wirdt“.9) Am Beisetzungstag hielt der reformierte Hofprediger Hundius vormittags im Predigthaus an der Bolker Straße die Leichenpredigt.10) Unmittelbar vor der Beisetzung am Abend predigte in St. Lambertus ein Franziskanermönch, der die morgendliche Predigt mit scharfen Worten angriff.11) Einzig Redinghoven erwähnt in seinen Aufzeichnungen, dass am Tag der Beisetzung „umb das portal haben gestanden ‚Catharina Charlotta pia humilis prudens benefica’“12), ohne weitere Angaben über Art und Dauer dieser Ehrung für die Herzogin zu machen.

Die Inschrift gilt als einer der Belege dafür, dass die Ehe der Catharina Charlotte mit dem Pfalzgrafen trotz der Konfessionsverschiedenheit und des hohen Altersunterschiedes sehr glücklich gewesen sein soll.13)

Textkritischer Apparat

  1. Sponheim Strauven, Heppe.
  2. Ravensberg Strauven, Heppe.
  3. Jan. Strauven, Heppe.
  4. Sic! 21ma nach Korrektur PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, fol. 81r; 21. Bayerle, Strauven, Heppe.

Anmerkungen

  1. Bei Dahm, Ruhestätten, S. 105; Heppe, Herzogin Catharina Charlotte, S. 51, und ihm folgend Ackermann, Geschichte, S. 96, findet sich die unzutreffende Angabe, sie sei im Mausoleum von St. Andreas beigesetzt worden. Ihre Beisetzung in der Fürstengruft von St. Lambertus ist aber auch verzeichnet in LAV NRW R, Hss. N I 6 Nr. V 1a, fol. 3r.
  2. Küch, Aufzeichnungen, S. 266f.
  3. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, foll. 76r–77v. Es werden insgesamt sechs in der Fürstengruft befindliche Särge in ihrem Erhaltungszustand beschrieben. Zum Sarg Herzog Wilhelms V. wird der Standort angegeben, außerdem die zugehörige Wandinschrift im Wortlaut aufgeführt. Der Verfasser scheint die Gruft persönlich gesehen zu haben. Ob die vorliegende Fassung die ursprüngliche ist oder auf einer Vorlage beruht, konnte nicht geklärt werden. Die weitere Überlieferung zu den Inschriften in der Gruft, die in keiner Fassung so ausführlich ist wie die vorliegende, beruht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf diesem Text.
  4. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, fol. 77v: „bleyernen sarg welcher sich ebenfalls wegen der feuchtigkeit des holtzs auseinander gegeben hat.“
  5. Zum Verkauf der Särge 1809 vgl. LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 13210, ohne Paginierung, mit der Rechnung aus dem Erlös in Höhe von 317 Reichstalern(?).
  6. Da sowohl der Sarg ihrer ebenfalls in der Fürstengruft beigesetzten Schwester Maria Amalia (Nr. 176) als auch die Särge ihrer Mutter und einer weiteren Schwester, die in der Meisenheimer Schlosskirche ihre letzte Ruhe fanden (dazu DI 34 [Bad Kreuznach], Nrn. 542 u. 543) verloren sind, fehlen Vergleichsbeispiele.
  7. LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 13210 zum Gesamtvorgang und mit dem Text der Inschrift von 1820.
  8. Eine Dispens wird erwähnt LAV NRW R, Hss. N I 6 Nr. V 1a, fol. 3r: „Haec ducissa acatholica fuit, et ideo cum dispensatione in ecclesia nostra sepulta.“
  9. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 170, ohne Paginierung. Gedruckt bei Heppe, Herzogin Catharina Charlotte, S. 52; vgl. auch Ackermann, Geschichte, S. 96.
  10. Vgl. zu der Predigt Mohr, Konfessionalisierung, S. 188–196; der gesamte Titel der gedruckt vorliegenden Predigt ebd., S. 185 Anm. 8; vgl. zu der Predigt auch Ackermann, Geschichte, S. 97–102; Kat. Erster Pfalzgraf, S. 74f., Nr. 39. Zu Johannes Hundius knapp Jaitner, Konfessionspolitik, S. 23 Anm. 7.
  11. Ackermann, Geschichte, S. 97.
  12. Küch, Aufzeichnungen, S. 267.
  13. Vgl. z. B. Heppe, Herzogin Catharina Charlotte, S. 49; Ackermann, Geschichte, S. 96.

Nachweise

  1. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, foll. 77v u. 81r.
  2. LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 13210, ohne Paginierung.
  3. Bayerle, Kirchen, S. 62f.
  4. Strauven, Mausoleen, S. 9.
  5. Natorp, Geschichte, S. 67 (nur Übersetzung).
  6. Heppe, Herzogin Catharina Charlotte, S. 51.
  7. Ackermann, Geschichte, S. 96 (nur Übersetzung).
  8. Mohr, Konfessionalisierung, S. 187 (nur gekürzte Übersetzung).
  9. Ackermann, Duldung, S. 105 (nur die ersten Worte der Übersetzung).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 207† (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di089d008k0020703.