Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 162 Hamm, St. Sebastianus-Schützenbruderschaft 1636

Beschreibung

Schild einer Schützenkette, gestiftet von Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm. Silber, teilweise vergoldet, getrieben, gegossen, graviert. Um den Rand des kreisrunden Schildes verläuft ein Lorbeerkranz mit Binden; in dem so gebildeten Feld ist umlaufend am Rand in drei Zeilen die Stifterinschrift mit Namen und Titel des Pfalzgrafen graviert. In der Mitte sein Wappen, umgeben von der Kollane des Ordens vom Goldenen Vlies. Der Kurhut reicht oben in die Zeilen der Inschrift, die jeweils rechts von ihm beginnen und links enden; das goldene Vlies der Kette unterbricht unten die beiden inneren Zeilen der Inschrift.

Maße: Dm. 11,5 cm; Bu. 0,2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Düsseldorf-Hamm [1/1]

  1. VON · GOTTES · GNADEN · WOLFFGANG · WILHELM · PFALTZGRAVE · BEY · RHEIN · IN · BAERENa) · / ZV · GVLICH · CLEVE · VND · BERGE · // GRAVE · ZV · VELDENTZ · SPONHEIM · D(ER) · MARCHb) / RAVENSBERG · VND · MOERS · HER · ZV // RAVENSTEIN · D(EN) · 12 · MAY · ANNO · 1 · 6 · 3 · 6 ·

Wappen:
Pfalz-Neuburg

Kommentar

Als Worttrenner dienen Punkte auf der Zeilenmitte. Die Kapitalis mit Linksschrägenverstärkung und Bogenschwellungen sowie Z mit Mittelbalken ist für die Zeit typisch und zum größten Teil sorgfältig ausgeführt. Auffallend und zu Fehlern im Titel des Pfalzgrafen führend ist jedoch der Platzmangel am Ende der ersten und zweiten Zeile. Die Buchstaben sind etwas kleiner und wirken gedrängt. Der letzte Buchstabe sowohl von BAEREN als auch MARCH wird teilweise von der Darstellung des Kurhutes überdeckt. Der Herzogstitel fehlt.

Der Schild weist deutliche formale Verwandtschaft zu zwei weiteren aus dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts auf, die der Düsseldorfer Sebastianus-Bruderschaft von Mitgliedern der herzoglichen Familie gestiftet worden sind. Sowohl der Schild, den Wilhelm V., ohne Angabe des Jahres, den Schützen der Düsseldorfer Altstadt geschenkt haben soll,1) als auch jener der Jakobe von Baden aus dem Jahr 1597 (Nr. 103) zeigen innerhalb eines Lorbeerkranzes mit Binden das jeweilige Wappen; der Anhänger der Jakobe trägt zudem eine Inschrift. Die Schilde des 16. Jahrhunderts wurden allerdings nachweislich durch denselben Goldschmied angefertigt und zeigen in Details wie der Gestaltung des Kranzes und der Begrenzung des Wappenfeldes bzw. der Inschrift durch mehrfache Linien eine größere Verwandtschaft untereinander als jeweils zu dem Schild des Pfalzgrafen. Die Übereinstimmungen im Aufbau lassen es jedoch wahrscheinlich erscheinen, dass die beiden älteren Anhänger als Vorlage gedient haben und Wolfgang Wilhelm sich mit diesem Schild für die Bruderschaft in Hamm bewusst in die Tradition seiner Vorgänger stellen wollte.

Im Bruderschaftsbuch der Hammer Schützenbruderschaft2) ist verzeichnet, dass beim Schützenschießen am 13. Mai 1636 Wilhelm Bouven im Auftrag des Landesherrn geschossen und die Königswürde errungen hat. Nachdem die Hammer Schützen vor das Düsseldorfer Schloss gezogen waren und dem Pfalzgrafen die Trophäe präsentiert hatten, nahm dieser die Königswürde an, hängte ein Zeichen an die Kette und händigte den Schützen 4 Reichstaler zum Verzehr aus.3) Der im Bruderschaftsbuch genannte Tag des Königschießens entspricht dem 1635 neu festgesetzten Termin, dem Pfingstdienstag.4) Das auf dem Schild angegebene Tagesdatum ist daher nicht korrekt. Der Pfalzgraf nahm mehrmals auch persönlich mit Gefolge am Königsschießen Düsseldorfer Bruderschaften teil.5)

Zur St. Sebastianus – Bruderschaft Düsseldorf-Hamm und dem Bruderschaftsbuch vgl. ausführlicher Nr. 112.

Textkritischer Apparat

  1. Sic statt BAIEREN. Es fehlt die Angabe des Herzogstitels.
  2. Bei H ist das untere Ende des rechten Schaftes durch den Kurhut beschnitten; hinter H vielleicht noch das obere Ende eines Schaftes zu erkennen.

Anmerkungen

  1. Kat. Land im Mittelpunkt, S. 415, Nr. F 39 (K[arl] B[ernd] H[eppe]).
  2. Vgl. zur St. Sebastianus-Bruderschaft Düsseldorf-Hamm Nr. 112.
  3. AHS, Bruderschaftsbuch 1458–1836, S. 24. Vgl. z. B. auch Heppe, Schützengeschichte, o. S.; Kat. Beiheft 475 Jahre Fürstentum Pfalz-Neuburg, S. 15, Nr. 325; Kat. Erster Pfalzgraf, S. 91f., Nr. 68.
  4. S. dazu Nr. 112.
  5. Heppe, Schützengeschichte, o. S.; Kat. Erster Pfalzgraf, S. 91f., Nr. 68.

Nachweise

  1. Hammer Schützenzeitung. Festausgabe 1959, o. S. (fehlerhaft).
  2. Etz, Geschichte S. 25 (fehlerhaft).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 162 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0016209.