Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 139 St. Andreas 1622

Beschreibung

Grundstein der Andreaskirche; ein viereckiger Behälter aus Marmor, der am 5. (oder 3.?)1) Juli 1622 als erster Stein in die Erde gelegt wurde und an dessen Seiten nach Reiffenberg die Anrufung eingehauen war.2) In diesen Behälter wurden zwei Münzen von ansehnlicher Größe gelegt, um ihn herum wächserne Lämmer, Kügelchen aus geweihter Erde, Reliquien und die Namen der Mitglieder des Jesuitenkollegs. Als nächste Steine wurden folgende gesetzt: zuerst ein Stein mit dem Namen des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm, der zweite mit dem Namen der Herzogin Magdalena und der dritte mit dem Namen des Prinzen Philipp Wilhelm, alle mit Wappen.3) Als vierter folgte der Stein mit den Namen des herzoglichen Rates, als fünfter der Stein der Ritterschaft, als sechster der der Vornehmen und des Klerus, dann die Steine der Vorsteher des Archivs sowie des Rates und des Volkes der Stadt Düsseldorf; der Wortlaut der Inschriften auf diesen Steinen ist nicht überliefert.4)

Nach Reiffenberg.

  1. Visita domine domum istam5)

Übersetzung:

Besuche, o Herr, dieses Haus!

Kommentar

Den Ablauf der feierlichen Grundsteinlegung unter Leitung des Kölner Weihbischofs Otto Gereon von Gutmann zu Sobernheim hat Reiffenberg in seiner Geschichte der Jesuiten im Rheinland detailliert beschrieben.6) Obwohl die Arbeiten sehr zügig begannen, wurde erst am Andreastag des Jahres 1629 erstmals eine Hl. Messe in der Kirche gefeiert. In den Folgejahren wurde die Kirche weiter ausgeschmückt7) und diente, beginnend mit der Beisetzung der ersten Gemahlin des späteren Pfalzgrafen Philipp Wilhelm, Anna Catharina Constantia (Nr. 208), ab 1651 als Grablege des pfalz-neuburgischen Hauses in Düsseldorf. Sie erhielt den Ehrentitel einer Hofkirche.8)

Die Grundsteinlegung der Kirche ist letztlich eine Konsequenz der einige Jahre zuvor getroffenen Entscheidung Pfalzgraf Wolfgang Wilhelms, zur Durchführung der Gegenreformation in Düsseldorf und der Neuordnung des Schulwesens9) Jesuiten in die Stadt zu holen.10)

Bei den beiden hinterlegten Münzen dürfte es sich um zwei Exemplare der zur Grundsteinlegung von St. Andreas geprägten Medaille gehandelt haben.11)

Anmerkungen

  1. Auf der anlässlich der Grundsteinlegung geprägten Medaille (dazu Stemper, Medaillen, Bd. 2, Nr. 709) und im Bruderschaftsbuch der Marianischen Bürgersodalität (dazu Brzosa, Geschichte, S. 293 Anm. 292) wird der 3. Juli angegeben, bei Reiffenberg (Historia I, S. 517) der 5. Juli.
  2. Reiffenberg, Historia I, S. 517: „Capsae lateribus hoc insculptum legebatur lemma.“
  3. Ebd.
  4. Vgl. Reiffenberg, Historia I, S. 517 mit einer ausführlichen Darstellung der Feierlichkeiten und – darauf beruhend – z. B. Bayerle, Kirchen, S. 130–132; Ferber, Wanderung, Bd. 1, S. 76; Buschmann, Geschichte, S. 17; Schulte, Schwestern, S. 39.
  5. CAO IV, Nr. 7908: „Visita, quaesumus, domine, habitationem istam et omnes insidias inimici ab ea longe repelle.“ Ebenso Breviarium Romanum. Editio princeps (1568). Edizione anastatica, Introduzione e Appendice a cura di Manlio Sodi/Achille Maria Triacca (Monumenta Liturgica Concilii Tridentini), Vatikan 1999, S. 109, Nr. 465.
  6. Vgl. die Angaben in Anm. 4.
  7. Vgl. zusammenfassend Brzosa, Geschichte, S. 292–295.
  8. Dazu Brzosa, Geschichte, S. 295. Für eine in der Literatur gelegentlich erwähnte, förmliche Erhebung zur Hofkirche im Jahr 1708 fehlt der Beleg. Vgl. dazu die Angaben ebd., S. 295f. Anm. 307.
  9. Vgl. dazu auch den Kommentar zu Nr. 147.
  10. Vgl. zu den Anfängen der Jesuiten in Düsseldorf Brzosa, Geschichte, S. 277–286.
  11. Diese Medaille zur Grundsteinlegung ist ediert bei Stemper, Medaillen, Bd. 2, Nr. 709; die Beschreibung der Münzen bei Reiffenberg, Historia I, S. 517, stimmt allerdings nicht vollständig mit der bei Stemper veröffentlichten überein. Vgl. zum abweichenden Datum auch oben Anm. 1.

Nachweise

  1. Reiffenberg, Historia I, S. 517.
  2. Bayerle, Kirchen, S. 131 (wohl nach Reiffenberg).
  3. Ferber, Wanderung, Bd. 1, S. 76 (nur Übersetzung, unter Berufung auf Bayerle).
  4. Schulte, Schwestern, S. 39.
  5. Schnell, Düsseldorf. St. Andreas, S. 10.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 139 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di089d008k0013906.