Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 99† Kreuzherrenkirche vor 1595?

Beschreibung

Wandmalerei in einer Kapelle, die an der nördlichen Langhausmauer der Kreuzherrenkirche neben dem Zugang vom Kreuzgang in die Kirche nach Westen hin gelegen war. Die Kapelle ist in den 1770er Jahren zugemauert und 1819 oder spätestens 1820, als wegen der Profanierung und des Umbaus der Kirche die dort befindlichen Epitaphe und Grabplatten entfernt und die Gebeine der dort Beigesetzten geborgen wurden, noch einmal freigelegt worden. Anschließend wurde sie bei der Umwandlung der Kirche zum Munitionsdepot jedoch abgebrochen.1) Von Haupt beschreibt „ein auf die Wand gemaltes Wasserfarben-Gemälde, eine Anbetung Christi darstellend“. Unter dem Gemälde nach von Haupt rechts das Wappen des Daniel Prinz von Buchau mit Wappenbeischrift (A), links unter dem Gemälde das Wappen des Landgrafen Ludwig zu Leuchtenberg, ebenfalls mit Wappenbeischrift (B).2)

Nach von Haupt.

  1. A

    Daniel Printz a Buchau sacrae caesareae majestatis consiliarius et in illustriss(imum) ducat(um) juliacensem legatus

  2. B

    Herr Lodwig landgrave zu Leuchtenberg grave zu Hals etc. etc.

Übersetzung:

Daniel Prinz von Buchau, der ehrwürdigen kaiserlichen Majestät Rat und Gesandter in das sehr erlauchte Jülicher Herzogtum. (A)

Wappen:
Prinz zu Buchau (?), Leuchtenberg (?)

Kommentar

Über diese sowie eine zweite Kapelle neben dem Eingang s. Nr. 98.

Georg IV. Ludwig Landgraf zu Leuchtenberg (1563–1613),3) 1586 Bayerischer Rat, 1594/95, 1601–1604 und 1607/1608 Reichshofratspräsident, 1597 auch als kaiserlicher Rat und Kämmerer belegt, 1609 kaiserlicher Geheimratspräsident, war seit 1584 verheiratet mit Jakobes Schwester Maria Salome. Er hatte 1585 während der Hochzeitsfeierlichkeiten Jakobe gemeinsam mit deren Bruder zur Trauung in die Schlosskapelle geführt.4) Der Landgraf zu Leuchtenberg galt als enger Vertrauter der Herzogin und stand ihr während der Zeit ihrer Gefangenschaft und des Prozesses5) bei. So reiste er im Jahre 1595 drei Mal nach Düsseldorf, wurde bei seinem zweiten Besuch allerdings nicht einmal zu Jakobe vorgelassen.6) Auch nach ihrem Tod hat er sich für die Herzogin eingesetzt und in einem an den Kaiser gerichteten Schreiben gefordert, die Mörder zu bestrafen, die Herzogin standesgemäß zu bestatten und das Erbe der einzigen noch lebenden Schwester, seiner Frau Maria Salome, zu erhalten.7)

Daniel Prinz von Buchau, Kammerrat und böhmischer Appellationsrat, war einer der beiden kaiserlichen Kommissare, die ab dem 23. September bis Mitte Dezember 1591 am Düsseldorfer Landtag, dem sogenannten Langen Landtag, teilgenommen haben.8) Er zählte ebenfalls zu den kaiserlichen Kommissaren, die ab dem 27. April 1595 den gegen die Herzogin angestrengten Prozess führten und die von der Gegenseite, insbesondere der Herzogin Sibylle, im Januar 1595 vorgebrachten 91 Anklagepunkte zu untersuchen hatten.9) Daniel Prinz, in der Zwischenzeit zum böhmischen Vizekanzler aufgestiegen, verließ Düsseldorf am 8. August 1595 wieder.10) Warum er, der mit weiteren Gesandten im April 1595 mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet gegen Jakobe das Verbot jedweder Amtshandlung aussprach, in der Nähe des Jakobe-Grabes abgebildet war, muss offen bleiben.

Anmerkungen

  1. Strauven, Mausoleen, S. 22. Vgl. zur Geschichte der Kreuzherrenkirche nach der Aufhebung des Düsseldorfer Konventes Kap. 2.1.2 der Einleitung.
  2. V. Haupt, Jacobe, S. 145, das Zitat ebd. Neben der Krippe mit dem Kind kniet die Gottesmutter, zu beiden Seiten stehen Hirten in Kleidung des 16. Jhs. sowie in einiger Entfernung die Hll. Drei Könige mit ihren Gaben. Einem der Könige trägt ein Diener die Schleppe seines Gewandes. Eine Überprüfung der Wappen ist nicht möglich.
  3. Europ. Stammtafeln, N. F. XVI, Taf. 97. Vgl. zu ihm auch die Einträge bei Füchtner/Preuss, Inventar, S. 693 (Register).
  4. Rümmler, Fürstlich Jülichsche Hochzeit, S. 44.
  5. Zu dem Prozess vgl. Ortlieb, Fürstin; mit Verweisen auf die Quellen und die ältere Literatur.
  6. Vgl. zu diesen Besuchen Muschka, Opfergang, S. 348–355; Ortlieb, Fürstin, S. 199f. Anm. 88.
  7. Muschka, Opfergang, S. 370; Ortlieb, Fürstin, S. 194 u. 215f.
  8. Muschka, Opfergang, S. 275–288.
  9. Ebd., S. 346–349; Ortlieb, Fürstin, passim. Vgl. zu ihm auch Füchtner/Preuss, Inventar, S. 730 (Register) u. Nrn. 55f, S. 42f.; Nr. 88, S. 61f. u. Nr. 96, S. 66f.; Höroldt, Inventar St. Lambertus, Nr. 80.
  10. Vgl. Muschka, Opfergang, S. 349.

Nachweise

  1. V. Haupt, Jacobe, S. 145.
  2. Strauven, Mausoleen, S. 21 (nach v. Haupt)

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 99† (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di089d008k0009904.