Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 92† † Schloss vor 1592

Beschreibung

Fahne. Sogenannte Rennfahne, die 1592 beim Begräbnis Herzog Wilhelms V. (des Reichen) im Trauerzug mitgeführt wurde. Die Trauerfeierlichkeiten sind mehrfach beschrieben worden: ausführlich durch Dietrich Graminäus, dessen Druck zur Illustration Kupferstiche beigefügt sind,1) und Johann Leuenheuer2) sowie knapp und unter Verweis auf die Darstellung von Graminäus in der Chronik des Adelarius Erichius.3) In diesen Beschreibungen finden sich auch Angaben zum Aussehen der Fahne, die zudem auf mehreren Kupferstichen abgebildet ist. Demnach war auf dieser von dem bergischen Rittmeister Heinrich von Lülsdorf zum Haen geführten Fahne in einem grünen Lorbeerkranz auf schwarzem Damastgrund in goldenen Buchstaben beidseitig die Devise des Herzogs ausgeführt;4) die Verteilung der Worte auf die Zeilen variiert auf den Abbildungen.

Nach Graminäus.

Schriftart(en): Kapitalis.<sup>5)</sup>

  1. IN DEO SPES MEA6)

Übersetzung:

In Gott (liegt) meine Hoffnung.

Kommentar

Die Beisetzung des am 5. Januar 1592 verstorbenen Herzogs Wilhelm V. fand am 10. März in der Lambertuskirche statt.7) Die bei Graminäus und Leuenheuer als Rennfahne bezeichnete Fahne8) mit der Devise des Herzogs wurde an der Spitze des Leichenzuges, der vom Schloss zur Kollegiatkirche St. Lambertus zog, mitgeführt und in der Kirche oberhalb des dort errichteten Trauergerüstes angebracht.9)

Die Devise findet sich auch auf einem Wappenstein am Haus Ratinger Str. 6 (Nr. 62), einem Becher (Nr. 93) und dem zu Ehren des Herzogs in der Lambertuskirche errichteten Grabdenkmal (Nr. 106).

Zu Graminäus vgl. Kap. 2.1.5 der Einleitung. Johann Leuenheuer aus Gladbach ließ sich als Pfarrer von St. Martinus Bilk (1587–1611) vertreten10) und war der Hofprediger des Herzogs.

Anmerkungen

  1. Graminäus, Spiegel.
  2. Leuenheuer, Encomion.
  3. Erichius, Chronic, 6. Buch, S. 280f.
  4. Leuenheuer, Encomion, fol. 62v (Text der Devise und alle Angaben zur Ausführung); Graminäus, Spiegel, S. 85 (nennt Text und nur goldene Buchstaben in Lorbeerkranz); Erichius, Chronic, 6. Buch, S. 281 (nennt Text, der in einem Lorbeerkranz auf ein schwarzes Tuch „gemahlt“ sei).
  5. Die Fahne ist auf mehreren Kupferstichen, die der Schilderung des Begräbnisses von Graminäus beigefügt sind, abgebildet. Auf allen Abbildungen ist die Devise in Kapitalis ausgeführt. Vgl. z. B. die Abb. in Kat. Land im Mittelpunkt, Nr. F 51, S. 419–422, 420f. (I[nge] Z[acher]).
  6. Nach PsG 61,8: „Deus auxilii mei et spes mea in Deo est.“ Zur Verwendung als Devise des Herzogs vgl. den Kommentar zu Nr. 62.
  7. Vgl. zu den Beisetzungsfeierlichkeiten neben den erwähnten Beschreibungen die Zusammenfassungen bei Bayerle, Kirchen, S. 45–48; Nagel, Spiegel, S. 199–201; Kat. Land im Mittelpunkt, Nr. F 51, S. 419–422 (I[nge] Z[acher]), u. Heppe, Wandel, S. 3–7.
  8. Nach Bayerle, Kirchen, S. 46, die Fahne der Leibwache.
  9. Vgl. die Abb. der Kupferstiche aus Graminäus, Spiegel, in Kat. Land im Mittelpunkt, Nr. F 51, S. 419–422, hier 420f. (I[nge] Z[acher]). Zu dem Trauergerüst vgl. Buschow, Castra, S. 135f.
  10. Strahl, Trauregister, Bd. 7,1, S. V.

Nachweise

  1. Graminäus, Spiegel, S. 85 u. die dazugehörigen Kupferstiche.
  2. Leuenheuer, Encomion, fol. 62v.
  3. Erichius, Chronic, 6. Buch, S. 281.
  4. Bayerle, Kirchen, S. 46.
  5. v. Mering, Geschichte, Heft 11, S. 20.
  6. Nagel, Spiegel, S. 200.
  7. Kat. Land im Mittelpunkt, Nr. F 51, S. 419–422, 422 (I[nge] Z[acher]).
  8. Heppe, Wandel, S. 5.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 92† (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0009204.