Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 83† Kreuzherrenkirche 1589

Beschreibung

Grabplatte mit Sterbevermerk für den Junker Jürgen von der Horst; nach Redinghoven „gegen“ den Marienaltar gelegen. Auf der Platte befanden sich in der Mitte die Wappen1) der Familien vom Hauss und von der Horst, an den vier Ecken die vierfache Ahnenprobe. Die Art der Aufzeichnung lässt darauf schließen, dass die Familiennamen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht als Wappenbeischriften ausgeführt waren. Ob die Platte bereits in Folge der Überschwemmung des Jahres 1784 verloren ging oder im Zuge der Räumung und Profanierung der Kirche entfernt worden ist, konnte nicht geklärt werden.2)

Nach Redinghoven.

  1. Anno 1589 den 17 iunii starb der edler und ehrnuest juncker Jurgen von der Horst

Wappen:
Horst3)Hauss4)
Horst3)Hauss4)
Hauss4)Wittenhorst5)

Kommentar

Redinghoven notierte den Sterbevermerk am Rand seiner Zeichnung ohne Angaben, wo er auf der Platte angebracht war. Die Angaben über den Toten und das Sterbedatum legen nahe, dass Redinghoven sie auf der Platte gesehen hat. Ob er sie im genauen Wortlaut und vollständig wiedergegeben hat, ist nicht zu klären. Den Wappenschild der Familie von der Horst füllt er in beiden Fällen nicht aus, vielleicht weil eine schematische Darstellung zu schwierig erschien.6)

Die Ahnenprobe sowie die Verzeichnung der vorliegenden Platte bei Redinghoven stehen in unmittelbarem Anschluss an seine Angaben zur Grabplatte der Elisabeth vom Hauss (Nr. 66), denn Jürgen von der Horst war ein Sohn der Elisabeth und ihres Ehemannes Dietrich von der Horst.7) Sein Bruder Johann von der Horst zu Rosau ist 1585 bei der Düsseldorfer Hochzeit als Turnierteilnehmer belegt.8)

Redinghoven verzeichnet neben dieser Platte „noch ein Grab deren von der Horst darauff vier kupffere platten mit den helmen“9), für das er die Skizzen von vier Wappenschilden mit Helmzier10) überliefert. Ob die vier von ihm dazu eingetragenen Familiennamen, die in anderer Orthographie auch van Spaen11) überliefert, als Wappenbeischriften ausgeführt waren, erscheint sehr fraglich.12) Einen Hinweis auf einen auf der Platte angebrachten Sterbevermerk geben weder Redinghoven noch van Spaen. Die vier wohl an den Ecken angebrachten Wappen der vierfachen Ahnenprobe entsprechen denen der Ahnenprobe für Jürgen von der Horst, sodass neben ihm noch eines seiner Geschwister in der Kreuzherrenkirche beigesetzt worden ist. Für Niederau, der neun bzw. zehn Kinder aus der Ehe der Elisabeth vom Hauss und des Dietrich von der Horst13) nennt, „darf [es] als sehr wahrscheinlich gelten“14), dass an dieser Stelle der am 19. April 1589 verstorbene Münsteraner Domherr Maximilian von der Horst15) bestattet wurde. Da Elisabeth jedoch bei der zwölften Niederkunft verstarb,16) kann an diesem Ort durchaus ein anderes Mitglied der Familie seine Ruhestätte erhalten haben.17)

Die nicht nachzuweisende Angabe, dass auch der ebenfalls 1589 verstorbene Dietrich von der Horst in der Kreuzherrenkirche zu Düsseldorf beigesetzt worden sein soll,17) beruht vielleicht auf einer Verwechslung mit der Grabplatte seines Sohnes Jürgen.

Anmerkungen

  1. Da Redinghoven in direktem Anschluss an diese eine weitere Platte für die Familie von Horst beschreibt und dort ausdrücklich die Helmzierden erwähnt, dürften auf der Platte für Jürgen von Horst keine Vollwappen angebracht gewesen sein.
  2. Zu den Schäden an den Gräbern, Grabplatten und Epitaphen in der Kreuzherrenkirche vgl. Kap. 2.1.2 der Einleitung.
  3. Redinghoven lässt den Schild leer und nennt den Namen in einer Beischrift. Zu dem Wappen Fahne I, S. 175; Müller-Westphal, Wappen, S. 477.
  4. Fahne I, S. 142.
  5. Ebd., S. 460.
  6. Blasonierung nach Müller-Westphal, Wappen, S. 477: In Silber fünf blaue Balken, überdeckt von einem roten, gekrönten und doppelschwänzigen Löwen, als Helmzier zwischen einem silbernen, mit fünf blauen Balken belegten Flug wachsend ein Löwe.
  7. Zu Elisabeth vom Hauss und Dietrich von der Horst, Sohn des Johann von der Horst und der Margarete vom Hauss, Erbin zu Müdlinghoven, vgl. Kommentar zu Nr. 66. Zu deren Sohn Jürgen/Georg s. Schleicher, Slg. Oidtman, Bd. 8, S. 771.
  8. Weitere Angaben unter Nr. 76, Kupferstich 15, Ahnentafel 2.
  9. BSBM, Cgm 2213 (Slg. Redinghoven), Bd. 24, fol. 202r.
  10. Die sehr einfache Zeichnung zeigt als Helmzier für das Wappen der Familie von der Horst nur einen Flug.
  11. Hoge Raad van Adel, Coll. Spaen, Nr. 74 B, fol. 229r; führt nur die vier Namen auf. S. auch LAV NRW R, Hss. M X 3, fol. 80v (nach v. Spaen).
  12. Auch hier ist bei Redinghoven der Schild der Familie von der Horst leer.
  13. Neun Kinder: Niederau, Bemerkenswertes, S. 233; auch Fahne I, S. 176. Zehn Kinder: Niederau, Herren, S. 164; auch Jegodtka, Grabstätten, S. 138f., nennt zehn Kinder.
  14. Niederau, Bemerkenswertes, S. 233.
  15. Das Bistum Münster 4,2. Das Domstift St. Paulus zu Münster, im Auftrage des Max-Planck-Instituts für Geschichte bearb. von Wilhelm Kohl (Germania Sacra NF 17,2), Berlin/New York 1982, S. 645.
  16. S. oben Nr. 66.
  17. Jegodtka, Grabstätten, S. 140, nennt im übrigen mit Erasmus (verstorben 1650) und Christian Freiherr von der Horst (verstorben 1673) zwei weitere Mitglieder der Familie, die in der Kreuzherrenkirche ihre letzte Ruhestätte gefunden haben sollen. Entsprechende Angaben sind auch in BSBM, Cgm 2213 (Slg. Redinghoven), Bd. 67, fol. 373r verzeichnet.
  18. Vgl. dazu den Kommentar zu Nr. 66.

Nachweise

  1. BSBM, Cgm 2213 (Slg. Redinghoven), Bd. 24, fol. 202r.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 83† (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di089d008k0008305.