Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 48 Kreuzherrenkirche vor u. um 1515?, 1518

Beschreibung

Gewölbemalerei in den Gewölbefeldern der Turmkapelle und des Süd- und Nordschiffes der zweischiffigen Kreuzherrenkirche. Die im Nordschiff in Kalkfreskotechnik um 1518, im Südschiff in Seccotechnik vielleicht schon um 1515 aufgebrachte Malerei fand ihren Gesamtabschluss im Jahr 1518. Das Gewölbe zeigt auf weißem Grund durch Tiere und Phantasiewesen ergänzte Rankenornamente vor allem rund um die Schlusssteine und in den Zwickeln. Die Malereien weisen viele Fehlstellen auf. Nach ersten Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen zwischen 1958 und 1968 wurden ab 1986 weitere Maßnahmen durchgeführt, die 1990 endgültig abgeschlossen wurden.1) Im ersten Joch des Südschiffs westlich unmittelbar neben dem Schlussstein die Namensangabe (A) und im östlichen Gewölbefeld zwei Hausmarken in einem Wappenschild, im zweiten Joch westlich des Schlusssteins auf einem Schriftband der erste Teil des Datums (B), im östlichen Gewölbefeld des dritten Jochs das sächsische Wappen, im östlichen Gewölbefeld des vierten Jochs das Wappen Herzog Johanns I. von Jülich-Berg (noch vor Übernahme des klevischen Titels). Die Schlusssteine im ersten und vierten Joch zeigen das Düsseldorfer Stadtwappen mit dem Anker.2) Im nördlichen Schiff im zweiten Joch im westlichen Feld der zweite Teil des Datums mit der Jahreszahl (C), im östlichen Feld eine nicht mehr vollständig lesbare Inschrift auf einem Schriftband (D). Die Schlusssteine im Nordschiff trugen Wappen, von denen lediglich im dritten Joch das Wappen von Jülich-Berg noch zu erkennen ist.

Im Gewölbe der Turmkapelle sind die Symbole der vier Evangelisten zu sehen, jeweils mit der Namensbeischrift auf einem Schriftband (E–H), im fünften Gewölbefeld die segnende Hand Gottes.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien. <sup>3)</sup>

  1. A

    Theo//dericus

  2. B

    Anno · // d(omi)ni ·

  3. C

    · 1 · 5 // · 18 ·

  4. D

    [– – –]a) / [– – –]b) /[– – –]lanck

  5. E

    · s(anctus)c) Iohannes ·

  6. F

    · s(anctus)c) Lucas ·

  7. G

    · s(anctus)c) marcus ·

  1. H

    · s(anctus)c) matheus ·

Wappen:
Südschiff 1. Joch:unbekannt/unbekannt4)
Südschiff 3. Joch:Sachsen
Südschiff 4. Joch:Johann I. von Jülich-Berg5)
Südschiff Schlusssteine:Stadt Düsseldorf
Nordschiff Schlussstein 3. Joch:Jülich-Berg

Kommentar

Die Gewölbemalerei in den beiden Schiffen ist nicht vollständig erhalten; größere Lücken weist vor allem das Nordschiff auf. An zahlreichen Fehlstellen war die frühere Ausführung nicht mehr rekonstruierbar und die Farbwirkung ist erheblich eingeschränkt, „da nur noch vereinzelt rote, blaue und gelbe Pigmente erhalten sind“.6) Mit wenigen Einschränkungen wurde die Gewölbemalerei auf die älteste Schicht zurückgeführt. Sie unterscheidet sich in den beiden Schiffen nicht nur durch die Technik, sondern auch in der Gestaltung. Für die größere Vielfalt an Pflanzen im Nordschiff, die „sich ungeordneter, weniger symmetrisch“ ausbreiten, sind vermutlich botanische Vorlagen hinzugezogen worden. Zwar ist im Südschiff eine größere Zahl an Ornamenten noch zusammenhängend zu erkennen, doch sind die Pflanzen und Ranken einfacher, einheitlicher und symmetrischer als im Nordschiff dargestellt.7) Die unterschiedliche Ausführung könnte auch durch ein Nebeneinander unterschiedlicher Maler erklärt werden. Farbanalysen deuten jedoch eher darauf hin, dass die Schiffe in zeitlichem Abstand zueinander ausgemalt wurden.8) Die Verteilung der Ranken, einige Pflanzenformen und die Markierung der Scheitellinien belegen die Verwandtschaft der Gewölbemalerei in der Kreuzherrenkirche zu anderen spätgotischen Gewölbemalereien am Niederrhein. Feld ordnet sie der sogenannten Kalkarer Gruppe zu.9)

Ob den Unterschieden in der Ausführung der Malerei auch solche in der Ausführung der Inschriften entsprechen, lässt sich aufgrund des geringen Vergleichsmaterials zwischen den Schiffen nicht entscheiden. Es fällt jedoch auf, dass nur in D (Nordschiff) die Schaftenden bei l und k gegabelt sind. Das a ist stets zweistöckig. In B ist A mit zu beiden Seiten weit überstehendem Deckbalken und einem nach unten gebrochenen Mittelbalken ausgeführt, dessen Balkenenden zu beiden Seiten über die Schäfte hinausreichen. In den Inschriften der Turmkapelle (E–H) wirkt die Schrift zwar insgesamt runder als jene in den Schiffen, doch weichen die einzelnen Buchstabenformen nicht signifikant voneinander ab. Der Versal in E ist mit einem parallel zum Schaft verlaufenden Zierstrich und einem weit nach unten geführten, am Deckbalken ansetzenden Zierstrich ausgeführt. Zu Beginn und am Ende von E–H finden sich aus sieben Punkten gebildete Rosetten. B und C, auf die nebeneinander liegenden Joche beider Schiffe verteilt, bilden eine Einheit; allerdings dienen in B Quadrangel, in C Punkte als Trenner.

Während Schürmann die Jahreszahl 1518 im Nordschiff für die Datierung der Gewölbemalerei heranzieht,10) stützt sich Feld auf das herzogliche Wappen im südlichen Schiff und datiert die Malerei in die Jahre 1539–1543, da nur in dieser Zeit Herzog Wilhelm V. in den auf dem Wappen dargestellten Territorien Kleve-Mark, Jülich-Berg-Ravensberg und Geldern und Zutphen geherrscht habe. Sie vermutet, man habe „als Anlaß für die Ausmalung die Integrierung des Gnadenbildes der ehemaligen benachbarten Liebfrauen-Kapelle und als neuen Standort eben jenes … Joch des Südschiffes vorauszusetzen“.11) Kahnt konnte jedoch nachweisen, dass die Bestimmung einzelner Teile des Wappens bei Feld nicht zutreffend ist.12) Ansprüche auf Geldern und Zutphen werden nicht aufgegriffen. Vielmehr zeigt die Wappendarstellung im südlichen Schiff die Wappen der hessischen Grafschaften Katzenelnbogen und Diez und mithin ein Wappen, das Herzog Johann, der Sohn des klevischen Herzogs, ab 1511 Herzog von Jülich-Berg, von diesem Zeitpunkt an bis zum Tod seines Vaters und der Annahme auch des klevischen Herzogstitels 1521 führte.13) Kahnt schlägt allerdings noch ausgehend von der Annahme, dass Johann das Wappen bis 1539 geführt habe, vor, die Malerei im Südschiff in die Zeit zwischen 1511 und 1539 zu datieren, schränkt diesen Zeitraum aber unter zusätzlicher Berücksichtigung eines Schriftgutachtens14) bereits dahingehend ein, dass „eher von den früheren Regierungsjahren nahe 1515 auszugehen ist“.15) Da Herzog Johann nach 1521 jedoch ein anderes Wappen und Siegel führte,16) dürften die frühen Regierungsjahre des Herzogs mithin als gesicherter Entstehungszeitraum feststehen. Der Abschluss der Gewölbemalerei ist dann entsprechend B und C auf das Jahr 1518 anzusetzen

Die Wappendarstellungen und wahrscheinlich auch einige der Inschriften verweisen auf Förderer des Kreuzherrenkonventes. Inschrift A nimmt möglicherweise Bezug auf den Kölner Erzbischof Dietrich von Moers, der am 26. Oktober 1446 die Umwandlung der Kapelle und des Hospitals vor dem Ratinger Tor in das Kreuzherrenkloster bestätigte.17) Die Bedeutung von D lässt sich aufgrund der Fehlstellen nicht klären. Mit dem jülich-bergischen Wappen wird wohl an Herzog Gerhard II. (geb. um 1417, ab 1437 Herzog von Jülich-Berg, † 1475)18) als den Gründer des Konventes erinnert, der 1443 allerdings – so Schleidgen – auf Initiative des Ordens und zögerlich die Stiftung durchgeführt hat.19) Das Sächsische Wappen, das sich über der Stelle des ehemaligen Altars der hl. Anna befindet, verweist auf Herzogin Sophia von Sachsen-Lauenburg, die Gemahlin Herzog Gerhards II. von Jülich-Berg, die den Konvent förderte, den Annen-Altar in der Kirche stiftete und 1473 testamentarisch ihre Grablege in der Kirche festlegte sowie eine Memorienstiftung verfügte.20)

Textkritischer Apparat

  1. Es sind deutlich Bestandteile mehrerer Buchstaben zu erkennen; am Anfang vermutlich ein Versal.
  2. Deutlich erkennbar ist in diesem Abschnitt des Schriftbandes ein sicher nicht zeittypisches w, dessen linker und rechter Schaft eine Oberlänge besitzt.
  3. Kürzungszeichen fehlt.

Anmerkungen

  1. Kahnt, Kreuzherrernkirche, S. 61–63.
  2. Zu der Behauptung, der Schlussstein im Südschiff, der das Düsseldorfer Stadtwappen trägt, zeige die älteste bislang bekannte Darstellung dieses Wappens, vgl. Kahnt. Kreuzherrenkirche, S. 42.
  3. Maße konnten nicht ermittelt werden.
  4. Marken Nrn. 1 und 2.
  5. S. dazu ausführlich im Kommentar.
  6. Kahnt, Kreuzherrenkirche, S. 41. Vgl. auch Feld, Ranken, S. 289.
  7. Kahnt, Kreuzherrenkirche, S. 41; das Zitat ebd.
  8. Ebd., S. 47.
  9. Feld, Ranken, S. 143 u. 290.
  10. Schürmann, Düsseldorf, S. 81.
  11. Feld, Ranken, S. 143 (Zitat) u. 289f.
  12. Zum Folgenden Kahnt, Kreuzherrenkirche, S. 46–48.
  13. Ewald, Siegel, Bd. VI, Taf. 18 Nr. 14 u. Taf. 19 Nr. 1; Kat. Land im Mittelpunkt, S. 384, Nrn. E 2 u. E 4 (K[arl] B[ernd] H[eppe]); zu Johann vgl. G[regor] H[övelmann], Johann III., 10.11. 1490 – 6. 2. 1539, in: Kat. Land im Mittelpunkt, S. 383; Wilhelm Janssen, Art. Johann III., Herzog von Kleve-Mark (seit 1521) und Jülich-Berg (seit 1511), in NDB 10 (1974), S. 493f.
  14. Kahnt, Kreuzherrenkirche, S. 45, beruft sich auf ein Schriftgutachten, das der Restaurierungsdokumentation von 1986/87 beigefügt ist und in dem die Jahreszahl (C) mit Schriften der Kreuzherren aus der Zeit um 1515 verglichen wird.
  15. Kahnt, Kreuzherrenkirche, S. 47f., das Zitat S. 48.
  16. Ewald, Siegel, Bd. VI, Taf. 19 Nrn. 2–4.
  17. Höroldt, Inventar St. Lambertus, Nr. 34; vgl. Schleidgen, Kreuzherren, S. 26f. Vgl. dazu auch Kahnt, Kreuzherrenkirche, S. 42f.
  18. Vgl. zu ihm G[regor] H[övelmann], Gerhard II., um 1417 – 19. 8. 1475, in: Kat. Land im Mittelpunkt, S. 343f.
  19. Schleidgen, Kreuzherren, S. 18–22. Vgl. zur Gründung des Kreuzherrenklosters auch Brzosa, Geschichte, S. 241–246; Schleidgen, Düsseldorf-Kreuzherren, S. 50f., und Kap. 2.1.2 der Einleitung.
  20. Vgl. dazu zusammenfassend Schleidgen, Kreuzherren, S. 31–33.

Nachweise

  1. Kahnt, Kreuzherrenkirche, S. 42–44, 118 u. 120f.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 48 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0004807.