Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 15† Wittlaer, St. Remigius 1223

Beschreibung

Altarsepulchrum. Es wurde 1708 entdeckt, als ein neuer Altar errichtet und beim Abbruch des Vorgängeraltares eine darin eingeschlossene „capsula“ gefunden wurde. Diese war im Innern bezeichnet („intus signata“) mit dem Weihevermerk. Erhalten ist lediglich ein Pergamentbildchen, auf dessen Rückseite der damalige Pfarrer von Wittlaer, Christoph Syberg, die Auffindung des Behältnisses, den Text der Weiheinschrift sowie die Auflistung der Reliquien aufgezeichnet hat. Dieses Bild wurde 1708 in einer hölzernen Kapsel unter dem Altarstein hinterlegt und 1839 beim Abbruch des Altares aufgefunden. Heute befindet es sich im Archiv der Pfarrkirche St. Remigius.1)

Nach PfA St. Remigius Wittlaer, Nr. 11 Rückseite.

  1. Anno M CC XXIII XIII cal(endas) septembris consecratum est hoc altare in honorem sancti Remigii

Übersetzung:

Im Jahr 1223 am 13. Tag vor den Kalenden des September wurde dieser Altar zu Ehren des heiligen Remigius geweiht.

Datum: 20. August.

Kommentar

Über das Material des 1708 entdeckten Kästchens bzw. der Kapsel werden keine Angaben gemacht. Solche unscheinbaren Behältnisse aus Metall (Blei), Holz, Keramik oder anderem Material wurden mit den Altarreliquien gefüllt in die Altarmensa eingelassen. Eine größere Anzahl solcher Behältnisse ist für Essen aufgearbeitet. Die Essener Inschriften geben jedoch keine Weihevermerke, sondern eine Aufzählung der enthaltenen Reliquien wieder.2) Pfarrer Syberg leitet im Anschluss an den Weihevermerk aber die Aufzählung der in Wittlaer enthaltenen Reliquien3) mit den Worten „Reliquiae erant signatae“ ein, vermutlich ein Hinweis auf Authentiken. Eine inschriftliche Ausführung erscheint aufgrund der Formulierung Sybergs eher unwahrscheinlich, da er andernfalls den Wortlaut der Inschrift unterbrochen hätte. Ein Vergleich mit den Weiheinschriften für die Nebenaltäre in St. Georg in Kaiserwerth zeigt zudem, dass dort die Aufzählung der Reliquien, die Bestandteil der Inschrift ist, mit CONTINENT(VR) AVT(EM) HIC eingeleitet wird.4)

Die Weihe eines Altars zu Ehren des Patrons, des hl. Remigius, im Jahr 1223 legt nahe, dass um diese Zeit eine Erweiterung der Kirche vorgenommen worden ist.5) Die Wittlaerer Kirche wird erstmals 1144 erwähnt, als dem Kloster und späteren Kanonissenstift Vilich durch Konrad III. umfangreiche Besitzrechte bestätigt wurden, darunter auch jene an der Kirche zu Wittlaer.6) St. Remigius war Eigenkirche des Wittlaerer Hofes.

Anmerkungen

  1. PfA St. Remigius Wittlaer, Nr. 11 (Findbuch Nr. 282). Syberg schließt seine Notizen mit einem Gebet. Vgl. dazu z. B. auch Escher, Altar, S. 10; Gisela Vollmer, Art. Remigius, Pfarrpatron, Verehrung, in: Escher, Altar, S. 84–86, 84.
  2. DI 81 (Essen), Nrn. 11, 17, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 51, 52. Vgl. auch Hedwig Röckelein, Essener Reliquienbehältnisse aus Blei, in: … wie das Gold den Augen leuchtet. Schätze aus dem Essener Frauenstift, hg. von Birgitta Falk, Thomas Schilp u. Michael Schlagheck (Essener Forschungen zum Frauenstift 5), Essen 2007, S. 111–149.
  3. Aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der Sybergschen Aufzeichnungen sind nicht alle Bezeichnungen lesbar. Genannt werden u. a. Reliquien der Heiligen Fortunatus, Laurentius und Lucia.
  4. Vgl. dazu die Formulierungen in Nrn. 3 u. 4.
  5. Scheiermann, Düsseldorf-Wittlaer, S. 6; Kraemer-Noble, St. Remigius, S. 4.
  6. Giersiepen, Kanonissenstift, S. 172 u. 272f.; vgl. auch Scheiermann, Düsseldorf-Wittlaer, S. 3; Kraemer-Noble, St. Remigius, S. 2.

Nachweise

  1. PfA St. Remigius Wittlaer, Nr. 11 (Findbuch Nr. 282).
  2. PfA St. Remigius Wittlaer, Nr. 35 (Findbuch Nr. 426), S. 216 (Chronik der Pfarre).
  3. PfA St. Remigius Wittlaer, Nr. 555 (Findbuch Nr. 52).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 15† (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di089d008k0001502.