Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 6† Gerresheim, † St. Margareta 1142

Beschreibung

Stein (Bauglied?) mit Datum. Nach von Trostorff (1898) befand sich ein Stein mit dieser Inschrift eingemauert in der 1810 profanierten und 1892 abgerissenen Pfarrkirche.1)

Nach Binterim/Mooren 1828.

  1. Annoa) MCXLII indict(ione) IIIIb) XXII epacta VII idusc) januarii

Übersetzung:

Im Jahr 1142, in der 4. Indiktion, der Epakte 22, am 7. Tag vor den Iden des Januar.

Datum: 7. Januar.

Kommentar

Die Inschrift ist nur sehr unzuverlässig und wahrscheinlich unvollständig überliefert. Lediglich von Trostorff macht 1898 Angaben zum Träger, der bei Erscheinen seiner „Beiträge“ bereits verloren war. Dass von Trostorff den Stein noch vor Ort gesehen hat, wird nicht ausdrücklich erwähnt, ist aber zumindest möglich. Binterim/Mooren, auf die sich alle anderen Autoren berufen, geben das Datum ohne Nachweis der Quelle als Weihedatum für die alte Gerresheimer Pfarrkirche an, so dass nicht erkennbar ist, ob das Datum einer Inschrift oder einer Urkunde entnommen wurde. Kessel erwähnt in seiner 1877 erschienen, sehr ausführlichen Abhandlung über den „seligen Gerrich“ und die Gründung von Gerresheim zwar unter Berufung auf Binterim/Mooren das Weihedatum, bei seinen Angaben über die zu seiner Zeit profane Nutzung des Kirchengebäudes den Stein jedoch nicht.2)

Der Wortlaut ist unvollständig. Die an diesem Tag erfolgte Handlung (Baubeginn, Weihe?) ist nicht genannt und auch nicht anderweitig belegt. In der jüngeren Literatur wird die Inschrift als „angebliche Altarinschrift“3) oder „verlorengegangene Altarinschrift“4) bezeichnet.

Zunächst ungewöhnlich erscheint die Datierung nach Epakten. In den von Funken zusammengetragenen „Bauinschriften des Erzbistums Köln bis zum Auftreten der gotischen Majuskel“ findet sich kein Beispiel für eine solche Datierung. Vereinzelt ist jedoch im 12. Jahrhundert durchaus die Jahresangabe in Epakten in Weiheinschriften nachzuweisen,5) so z. B. auf dem Freckenhorster Taufstein, der die Weiheinschrift für die Kirche von 1129 trägt.6) In Trierer Weihenotizen sind Epakten, in Verbindung mit Concurrenten, „weit verbreitet“ und auch für das 12. Jahrhundert belegbar.7) Auch das – allerdings nicht inschriftlich überlieferte – Datum der nur wenige Monate vor der hier genannten Handlung durch den Kölner Erzbischof Arnold I. erfolgten Weihe der Klosterkirche zu Marienthal an der Ahr enthält die Angabe der Epakten.8) Die Anzahl der Epakten ist für das Jahr 1142 zutreffend; die Angabe der Indiktion müsste hingegen V lauten.9)

Die Untersuchungen von Schubert über „Die ersten Kirchen in Gerresheim“ haben ergeben, dass eine Weihe dieser Gerresheimer Kirche, die einen vielleicht schon vorhandenen Vorgängerbau10) ersetzt hat, für 1142 „möglich“11) ist. Die dem Gründer des Stiftes Gerresheim geweihte Kirche St. Gerricus lag neben der Stiftskirche und diente als Pfarrkirche. Nachdem im 14. Jahrhundert12) die in ihr aufbewahrten Gebeine des Gerrich in die Stiftskirche überführt worden waren, ging das Gerrichpatrozinium zugunsten des Patroziniums der hl. Margareta verloren. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die Kirche so baufällig, dass der Gottesdienst in die Stiftskirche verlegt wurde.13) 1810 profaniert, wurde nach Abriss des Ostteils das Mittelschiff zu Wohnungen umgebaut und schließlich 1892 abgerissen.14)

Textkritischer Apparat

  1. A. D. v. Trostorff.
  2. III Kessel, Clemen, v. Trostorff.
  3. idus] fehlt v. Trostorff.

Anmerkungen

  1. V. Trostorff, Beiträge, Bd. 1, S. 41.
  2. Kessel, Seliger Gerrich, S. 66 mit Anm. 2.
  3. Kubach/Verbeek, Baukunst, Bd. 1, S. 320.
  4. Brzosa, Geschichte, S. 71.
  5. Vgl. dazu Glaser/Bornschlegel, Datierungen, S. 537.
  6. Zum Taufstein vgl. Renate Neumüllers-Klauser, Fragen der epigraphischen Schriftentwicklung in Westfalen (1000–1300), in: Inschriften bis 1300, S. 47–84, S. 68f. u. S. 55 Abb. 5; Johannes Bauermann, Zu Freckenhorster Inschriften, in: Warendorfer Schriften 3 (1973), S. 1–17, 1–5; zu der Datierung bes. ebd., S. 1f.
  7. DI 70 (Stadt Trier I), Nr. 151; das Zitat ebd., S. 310.
  8. REK II Nr. 398 mit den weiteren Nachweisen. Die Weihe erfolgte am 24. September 1141.
  9. Mithin wären aufgrund der abweichenden Jahresangaben die Jahre 1141 oder 1142 als Auflösung möglich, nicht jedoch 1142 oder 1143, wie Buhlmann, Düsseldorf-Gerresheim – Stift Gerresheim, S. 123 angibt.
  10. Zu entsprechenden Überlegungen Achter, Stiftskirche, S. 88.
  11. Schubert, Kirchen, S. 174.
  12. Vgl. zuletzt zur Datierung des Gerricus-Sarkophags in der ehemaligen Stiftskirche Guido Rotthoff, Zur Datierung des Gerricus-Sarkophags in der Gerresheimer Basilika, in: DJb 79 (2009), S. 311–314.
  13. Vgl. zur Gerresheimer Pfarrkirche Achter, Stiftskirche, S. 86–88; Brzosa, Geschichte, S. 71f.
  14. Achter, Stiftskirche, S. 87.

Nachweise

  1. Binterim/Mooren, Erzdiözese, Teil 1, S. 223 (1828).
  2. Kessel, Seliger Gerrich, S. 66 Anm. 2 (nach Binterim/Mooren).
  3. Binterim/Mooren, Erzdiöcese Mittelalter, S. 281 (1892).
  4. Clemen, KDM Düsseldorf, S. 94 (nach Binterim/Mooren bzw. Kessel).
  5. v. Trostorff, Beiträge, Bd. 1, S. 41.
  6. Schubert, Kirchen, S. 166 (nach Binterim/Mooren).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 6† (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di089d008k0000603.