Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

A3, Nr. 349 Städtisches Museum / Schützenhaus 1512

Beschreibung

Drei Balkenstücke1) von der Schwelle des ersten vorkragenden Obergeschosses des Hauses Wendenstr. 62). Bei dem Haus Wendenstr. 6, das im Jahr 1890 abgebrochen wurde, handelte es sich um ein traufenständiges Gebäude mit massivem Untergeschoss und zwei vorgekragten Obergeschossen in Fachwerk mit hohem, dreigeschossigen Dach.3) Die Schwellbalken des ersten und zweiten Obergeschosses waren mit einem Treppenfries verziert. Auf den heute im Besitz des Städtischen Museums befindlichen Balkenstücken, die als Schwelle des ersten Obergeschosses angebracht waren, das über die gesamte Front verteilte Baudatum, das in elf oben durch einen Rundbogen abgeschlossenen, vertieften Feldern zwischen dem Treppenfries steht. Ein Balkenstück mit drei Inschriftenfeldern (A) hängt heute als Dauerleihgabe im Schützenhaus, Hamburger Str. 53; links am Beginn des Balkens ein weiteres Feld mit einem Wappenschild darin. Das daran anschließende Balkenstück mit fünf Inschriftenfeldern (B) hängt heute im Ausstellungsbereich des Städtischen Museums, ein weiteres mit drei Inschriftenfeldern (C) und einem Feld mit einem darin befindlichen Wappenschild am Ende der Inschrift befand sich zum Zeitpunkt der Bearbeitung im Magazin des Museums. Einzelne Bestandteile der erhabenen Buchstaben sind auf das glatte Brett aufgesetzt und nicht aus diesem herausgeschnitzt.4)

Maße: H.: 46 cm; B.: 484 cm (A), 490 cm (B); Bu.: 27,5 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

Sabine Wehking [1/3]

  1. A

    A(N)NO // · D(OMI)NI // M · VC

  2. B

    XII // INa) // VI//GIL//IA

  3. C

    LA//VRE//NTII 5)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1512 am Tag vor Laurentius.

Wappen:
Brandenhagen?6) ?7)

Kommentar

Die Buchstaben der Inschrift zeigen charakteristische Merkmale der frühhumanistischen Kapitalis. Die I tragen i-Punkte und sind einseitig oder beidseitig mit Halbnodi besetzt. Die i-Punkte sind in Form kleiner in der Mitte vertiefter Dreiecke mit im Bogen ausgezogenen unteren Spitzen oder als in der Mitte vertiefte Kreise gestaltet. Das G erscheint in eingerollter Form, die A weisen breite Deckbalken auf, ein N eine ausgebuchtete Schräghaste, ein weiteres N retrograd, E epsilonförmig. Eine besondere Plastizität gewinnen die Buchstaben dadurch, daß ihre Hasten und Bögen jeweils einen den Verlauf der Schattenachse betonenden Grat aufweisen. Das A in A(N)NO hat einen durch die Schräghasten gesteckten, gebrochenen Balken, dessen Enden eingerollt sind; in gleicher Weise ist auch ein in das spitzovale O eingestelltes S-förmiges Zierelement gleichsam in die Bögen eingehängt.

Textkritischer Apparat

  1. Die Buchstaben sind offensichtlich zumindest teilweise auf die glatte Fläche aufgesetzt und nicht aus dieser herausgeschnitzt; dies zeigt die heute abgefallene Schräghaste des N, auf deren ehemaliges Vorhandensein noch eine dunkle Kontur in dem Feld hinweist.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. Ccc 93.
  2. Nro. 1415.
  3. Vgl. die Zeichnung bei Fricke, Bürgerhaus, S. 87.
  4. Vgl. Anm. a.
  5. 9. August.
  6. Wappen Brandenhagen? (springendes Pferd, darunter eine Marke in Form eines schrägrechts gestellten V ). Nach Meier/Kämpe, Heraldische Untersuchungen 1903, S. 29. Laut Meier/Kämpe, ebd., läßt sich im Jahr 1518 Antonius Brandenhagen als Besitzer des Hauses nachweisen.
  7. Wappen ? (Hausmarke H84).

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 90, Teil 1, fol. 93.
  2. Steinacker, Häuserkatalog.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, A3, Nr. 349 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009a3034905.