Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 1067† St. Katharinen 1657, 1670

Beschreibung

Grabplatte des Justus Hesse und der Ilsa Voss. Der Stein lag im südlichen Seitenschiff vor der Ostwand. Um den Rand der Platte verlief die Inschrift A, in einer zweiten Zeile zur Mitte hin die Inschrift B. Im Innenfeld oben zwei Wappen, darunter die Inschriften C und D.1)

Inschriften nach der Zeichnung in der Sammlung Sack.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    ANNO 1657 . DEN 28 . SEPTEM-/BER IST DER EHRWÜRDIGER VORACHTBAR UND WOLGELAHRTER HERR / JUSTUS HESSEN IN GOTT SEHLIG / ENTSCHLAFFEN SEINES ALTERS 58 . JAHR SEINES PREDIGAMTS IM 32 JAHR

  2. B

    ANNO 1670 . DEN 25 . OCTOBRIS / IST DIE EHR UND TUGENDSAME FRAUE ILSE VOS HERRN JUSTI HESSEN / SEHL(IGEN) NACHGELASSENE WITTWE / IN GOTT SEHLIG ENTSCHLAFFEN IHRES ALTERS [..] JAHR DEREN SEELEN GOTT GNEDIG

  3. C

    PSALM 99 . V . 13 . 14 . 15 . 16 . / DER GERECHTE WIRD GRÜNEN [ – – – ] 2)

  4. D

    PSALM 116 . V . 7 . 8 . 9 . / SEIJ NUN WIEDER [ – – – / – – – / – – – / – – – ] GERISSEN 3)

Kommentar

Es läßt sich nicht sicher entscheiden, ob die Grabplatte nach dem Tod des Ehemanns oder der Ehefrau ausgeführt wurde. Der Umstand, daß die Altersangabe der Ehefrau fehlt, könnte jedoch für eine Ausführung der Grabplatte nach dem Tod des Ehemanns sprechen. Dann hätte man beim Nachtrag des Todesdatums der Ehefrau vergessen, auch das Alter zu ergänzen.

Justus Hesse wurde am 9. Januar 1599 als Sohn des Bauern Veit Hesse und der Katharina Warneke in Drüber bei Einbeck geboren. Nach Schulbesuchen in Einbeck, Wolfenbüttel und Hildesheim begann er 1621 ein Studium an der Universität Helmstedt.4) Nachdem er bei dem Einfall der Wallensteinschen Truppen in die Stadt 1625 schwer am Kopf verletzt worden war, ging Justus Hesse nach Einbeck zurück, wo er als Hauslehrer die Söhne des Bürgermeisters Jobst Raven5) unterrichtete. Gleichzeitig bekleidete er die Stelle eines Konrektors an der städtischen Schule. Im Jahr 1628 begab er sich nach Leiden, wo er sein Studium fortführte.6) 1631 nahm er in Hamburg eine Stelle als Hauslehrer an, 1635 wurde ihm das Amt eines Pastors an St. Katharinen in Braunschweig übertragen. Zwei Jahre später heiratete er Ilsa Voss, die Tochter des Braunschweiger Ratsherrn Heinrich Voss.7) Das Ehepaar hatte drei Kinder, die alle jung starben (vgl. deren Grabplatte Nr. 1038). 1656 stifteten Justus Hesse und Ilsa Voss zusammen mit deren Eltern der Kirche St. Katharinen das Gitterwerk, das die Taufe umgab (vgl. Nr. 1054). Justus Hesse starb an der im Jahr 1657 in Braunschweig grassierenden Pest.8)

Anmerkungen

  1. Beschreibung nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 136, Teil 1, p. 285.
  2. Falsche Angabe der Bibelstelle. Es handelt sich um Ps. 92,13–16. Die Inschrift ist in der Sammlung Sack, ebd., nur auszugsweise wiedergegeben.
  3. Ps. 116,7–9. Die Inschrift ist in der Sammlung Sack, ebd., nur auszugsweise wiedergegeben oder das Bibelzitat war in der Inschrift nur unvollständig ausgeführt, da die hier wiedergegebene Stelle nur Vers 7 und 8 umfaßt. Sinngemäß zu ergänzen zu: Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr tut dir Gutes. Denn du hast meine Seele aus dem Tode gerissen.
  4. Matrikel Helmstedt, Bd. 1, S. 286, Nr. 142.
  5. Zu Jobst Raven vgl. DI 42 (Einbeck), Nr. 157.
  6. Matrikel Leiden, Bd. 1, S. 211.
  7. Die biographischen Angaben nach der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 5395.
  8. Spieß, Geschichte, S. 205.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 136, Teil 1, p. 110 (A, B) u. p. 285 (Zeichnung).

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1067† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0106704.