Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 644(†) Kloster Riddagshausen / Südklint 15 1591

Beschreibung

Zwei Steinportale.1) Das traufenständige Haus Südklint 15 mit zwei steinernen Geschossen und einem Obergeschoß in Fachwerk, das den Namen ‘Brauner Hirsch’ trug, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Einfassung des nicht mehr erhaltenen Einfahrtstores bestand aus einem von zwei Ornamentleisten gebildeten Rundbogen, in dessen Scheitel sich eine männliche Büste befand. Darüber eine von Pfeilern eingefaßte, oben von einem Spitzgiebel mit Kopf darin abgeschlossene Tafel mit einem plastisch herausgearbeiteten springenden Hirsch über einer kleineren Tafel mit der Inschrift A. Links und rechts unterhalb des Kopfes im Giebel zwei Marken (H22, H23). Das Eingangsportal wurde an das Haus der kirchlichen Dienste im Klosterbereich Riddagshausen versetzt. Es wird oben links und rechts des mehrfach profilierten und mit Zahnschnittleisten eingefaßten Rundbogens von einer Herme und einer Karyatide gerahmt, darunter links und rechts ein Löwenkopf mit einem Fruchtgehänge im Maul. Im Bogenscheitel ein Maskenkopf, in den Bogenzwickeln links und rechts je ein Wappen zwischen Beschlagwerk. Auf dem Fries über dem Rundbogen die Inschrift B in erhabenen Buchstaben; in der Bekrönung darüber wiederholt sich das Wappen des linken Bogenzwickels, oben links und rechts davon die Ziffern der Jahreszahl C, in dem Giebel über dem Wappen ein Kopf mit Helm. Die Worttrenner der Inschrift B in Form zweier übereinandergestellter, sich nicht berührender eingerollter Häkchen.

Inschrift A nach Photographie.

Maße: Bu.: 25 cm (B), 20 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A†

    DIS · HAVS · STEHET / IN GOTTES HANDT / VND · IST · ZVM · BRAV/NEN · HIRS · GENANDT ·

  2. B

    NISI · DOMINVS · FRVSTRA 2)

  3. C

    15 // 91

Übersetzung:

Wenn nicht der Herr (das Haus baut), ist es vergebens (errichtet). (B)

Wappen:
Hartwich3)
Hartwich3)Lappe4)

Kommentar

Das Grundstück Südklint 15 ging im Jahr 1587 in das Eigentum des späteren Ratskämmerers Heinrich Hartwichs d. J. (vgl. Nr. 798), des Sohns Heinrich Hartwigs d. Ä. und der Anna Lappe, über. Der unverheiratete Heinrich Hartwich d. J. ließ auf dem Grundstück im Jahr 1591 einen Neubau errichten und über dem Eingangsportal sein Wappen und die Wappen seiner Eltern anbringen.5)

Scherer schreibt das Eingangsportal dem Bildhauer Weimar Heinemann zu; Meier sieht als Baumeister des Hauses und beider Portale Walter Hasemann an, indem er – von ihm selbst als „etwas kühn“ bezeichnet – die in der Hausmarke enthaltenen Initialen GHS als Guolterus Hasemann sculptor auflöst.6) Es ist indessen gar nicht erwiesen, daß es sich bei den beiden Zeichen an dem Portal um Meisterzeichen handelt. Da das Portal nicht zeitgleich mit dem anderen entstanden sein muß oder die Marken später angebracht worden sein können, könnte es sich auch um die Marken eines Besitzerehepaars handeln.

Anmerkungen

  1. Nro. 836.
  2. Stark verkürzte Paraphrase von Ps. 126,1.
  3. Wappen Hartwich (Hirschgeweih). Vgl. Meier/Kämpe, Heraldische Untersuchungen 1903, S. 6.
  4. Wappen Lappe (Sparren, darüber zwei, darunter ein Kleeblatt). Identifizierung nach der Inschriftensammlung Mack ohne Angabe der Quelle, bei Meier/Kämpe (Heraldische Untersuchungen 1903, S. 5f.) als Wappen Langhoff bezeichnet. Diese Identifizierung des Wappens, das mit den Initialen AL und in Kombination mit dem Wappen Hartwich noch einmal an einem Haus in der Güldenstraße vorkommt (vgl. Nr. 513), beruht auf der nicht näher begründeten Annahme, daß es sich bei Valentin Langhoff um den Großvater Heinrich Hartwichs d. J. handelte. Aus dem Besitz Langhoffs ging das Grundstück Südklint 15 nach 1565 jedoch erst in den Besitz von Autor Wevers Witwe und danach im Jahr 1587 in das Eigentum des Heinrich Hartwich d. J. über (Meier, Häuserbuch, Bd. 1, fol. 175r). So gibt es keinen Anlaß, eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen Valentin Langhoff und Heinrich Hartwich d. J. zu konstruieren. Eine Eheschließung Heinrich Hartwichs d. J. läßt sich nicht nachweisen; in dessen Testament aus dem Jahr 1626 (Sta Braunschweig, B I 23, Bd. 5, fol. 223v–225v) ist weder von einer Ehefrau noch von Kindern die Rede.
  5. Personenkartei Mack. Danach war Heinrich Hartwich d. Ä. mit Anna Lappe verheiratet. Henning Hartwich, ein Sohn Heinrichs d. Ä., heiratete wohl ebenfalls eine Frau aus der Familie Lappe (vgl. dieselben Wappen mit Initialen am Haus Bäckerklint 6, A1 1573).
  6. Scherer, Röttger, S. 184; Meier, Kunsthandwerk, S. 21f.

Nachweise

  1. Photographien: NLD Hannover, BS 10778, 12307 u. o. Nr.
  2. Sammlung Sack, Nr. 90, Teil 2, p. 15 (B, C).
  3. Bürgerhäuser (B).
  4. Hausinschriften (B).
  5. Meier, Kunsthandwerk, Abb. 40 (B, C).
  6. Scherer, Röttger, S. 184 (B).
  7. Edel, Fachwerkhäuser, S. 24 (A, B).
  8. Steinacker, Häuserkatalog (A, B).
  9. Meier, Kunsthandwerk, S. 22, Abb. 39 u. 40.
  10. Fricke, Haussprüche, S. 40 (A), S. 42 (B).
  11. Fricke, Bürgerhaus, S. 165 (A), Abb. Tafel 78b, c.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 644(†) (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0064407.